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Ich bin Christin, aber was mich an meiner Herkunftsgemeinde und an manchen anderen christlichen Gemeinden stört, ist die Fixierung auf das Kreuz. Das Kreuz bedeutet, Leiden, Tod … Ja, denkt ihr denn, Jesus wäre gern am Kreuz gestorben? Jesus hat gern gelebt und er ist das Leben, die Liebe, Heilung, Freude. Warum kapieren das so viele Christen nicht? Warum wollen sie leiden wie Jesus, warum sind sie so verklemmt statt sich zu freuen, zu feiern, sich und andere zu lieben. Jesus ist ein Kind der Liebe, er hat seine Liebe verschenkt und er ist es wert, dass man sich zu ihm bekennt. Aber nicht zu seinem Kreuz, sondern zu seiner Liebe und seiner Energie! Jesus Christ Superstar!!! Warum sind so viele Christen so kleinmütig? Diese Fragen möchte ich gerne beantwortet haben.

Danke erst einmal für diese Gedanken. Ich würde Ihnen zunächst sogar zustimmen. Auch ich halte wenig davon, als Christ verklemmt und verbrämt durchs Leben zu gehen; schließlich ist die christliche Botschaft ja in der Tat eine frohe Nachricht und keine zum Trübsal blasen oder kleinmütig sein. Zum Christsein sollten folglich selbstverständlich Dinge wie Freude und Feiern dazugehören. Es wäre ein großer Fehler, solche lebensbejahende Elemente aus seinem Christenleben auszuschließen.

Wo ich aber etwas behutsamer mit umgehen würde, wäre das Thema des Kreuzes. Denn wenn es aus Ihrer Sicht nichts weiter bedeutet als Leiden und Tod, dann haben Sie – bei allem Respekt – die Bedeutung des Kreuzes nur zum Teil verstanden. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, das ist gar nicht beleidigend oder sonstwie negativ gemeint. Denn wäre das Kreuz aus christlicher Sicht nichts weiter als ein grausamer Ort, den es möglichst schnell zu vergessen gilt, würden wir z.B. keine Aussagen wie die folgende im Neuen Testament vorfinden:

„Für mich jedoch ist es unmöglich, auf irgendetwas anderes stolz zu sein als auf das Kreuz von Jesus Christus, unserem Herrn. Durch ihn ist die Welt für mich gekreuzigt, und durch ihn bin ich für die Welt gekreuzigt.“

Paulus hat sich also sehr wohl zum Kreuz bekannt. Hat er vielleicht einfach nur nicht verstanden, worum es beim christlichen Glauben geht? Ich denke nicht, dass dem so ist. Die Frage, die sich hier stellt, lautet also: „Auf was ist Paulus hier bitteschön denn stolz? Ist er stolz darauf, dass Jesus elendig gefoltert und gequält wurde?“ Nein, das hatte er sicherlich nicht im Kopf, als er diese Zeilen schrieb. Hinter dem Kreuz muss also noch mehr stecken. Wir kommen der Sache schon etwas näher, wenn wir weiterhin lesen:

„Dadurch, dass Christus am Kreuz starb, hat er sowohl Juden als auch Nichtjuden mit Gott versöhnt. … Dadurch, dass er am Kreuz sein Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen.“

Wir sehen: Hinter dem Kreuz scheint noch weitaus mehr zu stecken, als „lediglich“ Leid und Tod. Wir lesen auch etwas von einer ganz zentralen Versöhnung mit Gott. Ganz gut auf den Punkt bringt es sicherlich Kol. 2,14, wenn dort steht:

„Den Schuldschein, der auf unseren Namen ausgestellt war und dessen Inhalt uns anklagte, weil wir die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllt hatten, hat Gott für nicht mehr gültig erklärt. Er hat Christus ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.“

Und als krönenden Abschluss gibt Paulus in Heb. 12,2 sogar zu verstehen:

„Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich, und auch die Schande, die damit verbunden war, konnte ihn nicht abschrecken.“

Ich bin mir durchaus bewusst, dass das alles sicherlich durchaus herausfordernde Worte sind. Sie auszublenden oder gar zu ignorieren wäre aber ein genauso großer Fehler, wie als Christ eine kleinmütige oder gar lebensverneinende Haltung an den Tag zu legen. Vor diesem Hintergrund ist es also ganz richtig, wenn wir im Neuen Testament lesen:

„Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie der Inbegriff von Gottes Kraft.“

Das Kreuz zieht sich also – ob es einem nun zusagt oder nicht – wie ein roter Faden durch die christliche Botschaft.

Ich stimme Ihnen aber wie gesagt völlig zu, wenn Sie (zu Recht) kritisieren, dass manchen Christen heutzutage das richtige Verständnis einer lebensbejahenden Einstellung fehlt. Das ist immer wieder bedauerlich zu sehen. Auf der anderen Seite müssen sich aber auch die Leute den Vorwurf und die Kritik gefallen lassen, die sagen, dass das Kreuz ausschließlich für Leid und Tod steht. Denn das zeugt davon, dass das Kreuz noch nicht richtig verstanden wurde und hier lediglich eine verkürzte Sicht vorliegt, sozusagen nur die halbe Wahrheit. Der wichtigste Teil der Kreuzesbedeutung wird hier vollkommen vergessen und außer Acht gelassen.

 

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