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Wer entwarf den Designer? Nun, da dass Gottesbild ebenso der Evolution, einer reingedanklichen Entwicklung, unterliegt wie viele Ideen auch, kann man sagen: Der Mensch entwirft Gott. Er weiß es nur nicht, er hat auch keine »Instrumente«, mit denen er das bemerken könnte. Die Geschichte Gottes ist ein Roman, aus dem man im Laufe der Zeit immer mehr Tatsachen entfernt hat. Weil diese zu leicht mit der Konstruktion Gottes kollidieren könnten. Was man vornehmen kann ist eine »Dekonstruktion Gottes«. Rekonstruieren lässt sich nichts, denn dazu bräuchte man Fakten, so hat man aber nur Gedanken und mehr nicht. Gott ist stets so, wie die Gläubigen ihn sich denken. Was braucht man eigentlich noch mehr an Indizien, um zu bemerken, dass wir es bei Gott mit einer Gedankenkonstruktion zu tun haben? Der Gläubige will das! so wenig bemerken wie er wissen will, ob ein Medikament ein Placebo ist oder nicht. Denn er fürchtet, die »positiven Einflüsse« des Glaubens an Gott zu verlieren, wenn er aufhört, an Gott zu glauben.

Danke für diesen Einwand. Und ich gebe Ihnen Recht: Die Philosophie, die Ideologie- und Weltanschauungs- und die Religionskritik haben viel zu starke Agumente dafür vorgebracht wie sehr wir Menschen uns unsere Götter nach unserem Denken und Willen schaffen. Allen voran ist hier sicherlich Ludwig Feuerbach, der den Gottesglaben unter den umfassenden Verdacht gestellt hat, Gott sei lediglich eine Projektion – eine nach bestimmten Gesetzen hervorgebrachte subjektive Einbildung des Menschen.

Feuerbach konnte sogar plausibel machen, wie sehr unsere Vorstellungen von Gott als einem allmächtigen, allweisen, fehlerfreien, unsterblichen Wesen auf unseren menschlichen Wünschen beruhen, es gebe etwas, das eben nicht schwach, nicht beschränkt, nicht irrend und nicht sterblich ist. Gott – oder vorsichtiger formuliert  unser Gottesbild, ist also so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was wird sind. Das belegt er ziemlich einleuchtend.

Natürlich ist der Hinweis darauf, dass wir uns etwas sehr wünschen, noch kein Beweis dafür, dass es das, was wir uns wünschen, nicht gibt. Aber wer einmal begriffen hat, wie sehr unsere Vorstellungen von Gott mit dem korrelieren, was wir denken und uns wünschen, wird kaum anders können, als alle Religion und Theologie einem Generalverdacht zu unterziehen – alle, bis auf die eine, die sich genau diesem Verdacht entzieht. Denn den Gott, an den Christen Glauben, den Gott am Kreuz, den denkt man sich nicht: erniedrigt, leidend, gefoltert, sterblich, sterbend und schließlich tot, genauso sterblich und schließlich tot wie wir auch – genau den denkt man sich nicht aus. Weil man sich ihn nicht wünscht.

So plausibel Feuerbachs Religionskritik ist, genauso plausibel ist es, dass der gekreuzigte Gott, der im Zentrum des christlichen Glaubens steht, kein Produkt religiöser Einbildungskraft ist. Wie sehr er quer liegt zu dem, was wir Menschen uns als Gott wünschen, zeigt sich ja an religiöser Polemik aller möglichen Herkunft gegen das Wort vom Kreuz, angefangen bei der muslimischen Bestreitung des Kreuzestodes Jesu. Der – gekreuzigte – Gott ist nicht als Einbildung zu erklären.

Denke ich Ihre Kritik am christlichen Glauben also einmal durch, weiter und zu Ende, kann das sogar zu einem starken Argument für die Existenz Gottes führen: So einen Gott bildet man sich nicht ein, wenn man sich einen einbilden will. Von einem solchem Gott redet man nur, weil man auf ihn getroffen ist.

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