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Laut neuesten Erkenntnissen basiert die Geschichte von Adam und Eva im Paradies auf einer Erzählung, die bereits 800 Jahre früher verfasst wurde (ugaritische Tontafeln aus dem 13 Jhdt. v.Chr.). Anders als in der Bibel ist Adam in dieser Geschichte Gott der gegen einen anderen Gott kämpft und Eva hat mit der “Ursünde” überhaupt nichts zu tun. Wie kann man der Bibel Glauben schenken, wenn einige Geschichten in ihr einfach nur ab – und umgeschrieben wurden und Jesus sich aber immer wieder auf das Alte Testament beruft?

Danke für diese gute Frage, hinter der allerdings ein Missverständnis steckt: Selbst als Christ, der die Bibel wörtlich nimmt, bin ich nicht auf ein bestimmtes Erdentwicklungsmodell festgelegt. Ihr Einwand beruht ja darauf, die biblische Erzählung von Adam und Eva 6.000 Jahre v. Chr. zu datieren. Ein Vertreter des „Kurzeit-Kreationismus“ (Young Earth Creationism) würde Ihnen da auch zustimmen.

Es liegt aber ein Missverständnis vor, dass heutzutage (durch die Medien bedingt) leider sehr häufig auftritt – nämlich die Auffassung, dass Christen, die die Bibel wörtlich nehmen, auf eine 6-Tage-Schöpfung festgelegt sind und deshalb ein Erdzeitalter von 6.000 Jahre anzunehmen haben. Dem ist freilich nicht so.

So gehe ich – mit vielen anderen Christen – im Sinne eines “Progressiven Kreationismus” (einer der verbreitetsten Formen eines Langzeit-Kreationismus) davon aus, dass das Universum 13,7 Milliarden Jahre und die Erde 4,6 Milliarden Jahre alt ist. Aus PK-Sicht ist die Zeit von Adam und Eva vor rund 150.000 Jahren zu datieren – damit wären die ugaritischen Tontafeln sogar etliche Jahrtausende jünger als Genesis 1.

Von Abschreiben kann daher keine Rede sein – und wenn doch, dann von den damaligen Sprechern des Ugarit 😉

 

 

1 Kommentar

  1. 7. Juni 2019    

    Ich sehe keinen zwingenden Grund, die Frage auf die Annahme einer Young Earth Creation zu reduzieren. Insofern ist die Frage hier wohl nicht beantwortet.

    Es ist auch etwas verkürzt dargestellt, wenn Sie Geneses 1 mehrere Jahrtausendealter als die ugaritischen Erzählungen nennen. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ist die heutige Form der Erzählung erst nach dem babylonischen Exil entstanden, sicher aber erst nach Entstehung der Schrift.

    Natürlich kann argumentiert werden, dass beide Geschichten auf die kollektive Erinnerung an die Schöpfung, also die mündliche Überlieferung zurückgreifen, und sich daher in vielen Punkten gleichen.

    Alternativ könnte natürlich auch aufgezeigt werden, dass Genesis 1 ein Gedicht ist, welches durchaus auf den ugaritischen Erzählungen beruhen könnte – dem kollektiven Erkenntnishorizont der Zeit im babylonischen Exit -, aber diese dahingehend abwandelt und neu erzählt, dass die wichtigen Schlüsse daraus gezogen werden können: In Prinzipio (b’reschit) schafft Gott. Es ist kein kämpf zwischen Göttern, sondern die prinzipielle Entscheidung Gottes, die Welt und den Menschen zu schaffen.

    Die Frage, ob durch die Verwendung eines anderen literarischen Textes der Zeit die Glaubwürdigkeit der Bibel leidet, ist aber keine Frage der Auslegung der Schöpfungsgeschichte und bleibt deshalb hier unbeantwortet. Ich denke, diese Frage ruft nach der Erklärung des Wahrheitsbegriffes der Zeit nach dem babylonischen Exils im Unterschied zur heutigen Zeit, sowie nach Textarten, kulturellen Aussagen zum frühzeitlichen Orient etc.

    Wie also steht es nun: verliert die Bibel an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich auf die ugaritischen Texte stützt, unabhängig davon, ob wir glauben, dass sie dies tut?

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