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Sie schreiben, dass Sie zu Jesus eine persönliche Beziehung haben. Das ist natürlich schön. Sie werden aber zugeben müssen, dass nicht alle gläubigen Menschen (egal welcher christlichen Konfession oder aber auch überkonfessionell) so eine persönliche Beziehung mit Jesus haben – ich kenne Dutzende. Warum das so ist, ist für diesen Gedankengang nicht wichtig. D.h. diese Menschen speisen ihren Glauben nicht aufgrund dieser persönlichen Beziehung, auch wenn sie es gerne täten, sondern einfach aus dem Glauben an Jesus/Gott heraus, weil der Glaube einfach gut tut, Trost spendet, das Gemeinschaftsgefühl stärkt, usw. usf. UND in vielen Teilen wirklich plausibel klingt! Aber das alleine macht die Sache deswegen natürlich nicht automatisch wahr.

Gehen wir noch ein paar Schritte zurück. Das Christentum ist ja bekanntlich eine Offenbarungsreligion, die ihre Wurzeln im Judentum hat. Gott hat sich aber nicht Ihnen oder mir offenbart, sondern nur einigen wenigen Menschen und das vor tausenden von Jahren. Das gleiche mit Jesus. D.h. falls jemand, aus welchen Gründen auch immer, nicht eine persönliche Beziehung zu Jesus aufbauen kann, was bleibt dann?? Muss man wirklich etwas glauben, was einigen wenigen offenbart worden ist? Was im Laufe von tausenden von Jahren weitererzählt (Stichwort stille Post) und später zu Papier gebracht worden und immer wieder umgedeutet/umgeschrieben/erweitert worden ist?? Wie gesagt, nur weil das Christentum die plausibelste aller Religionen ist, ist es nicht automatisch wahr…

Danke für Ihre ausgezeichnete Frage, deren Kritik ich weitgehend teile. Natürlich wird bzw. ist der christliche Glaube nicht wahr, weil er gut tut, einen plausiblen Eindruck macht oder jemand Trost und/oder Gemeinschaft dadurch findet etc. Das wäre fatal. Nur, weil sich etwas schön anfühlt, muss es noch lange nicht wahr sein. Es ist und bleibt eben ein beunruhigender Fehler, die Frage „Was bringt mir der christliche Glaube?“ der Frage „Stimmt der christliche Glaube?“ vorzuziehen.

Beunruhigend ist diese Einstellung aus mehrerlei Gründen. Zum einen, weil diese Herangehensweise alles andere als eine stabile Basis darstellt. Glaube wird hier als eine Art „Mittel zu Zweck“ gebraucht: Wenn mir der Glaube gut tut, wenn er mir Trost und Gemeinschaft schenkt, dann darf er gerne Teil meines Lebens sein. Aber was ist, wenn sich die Zeiten einmal ändern? Was ist, wenn ich mich auf einmal mit den Christen bzw. Gemeindemitgliedern, mit denen ich mich bislang so gut richtig verstanden habe, plötzlich ernsthaft im Streit liege?

Was ist, wenn ich an Gott glaube, auf einmal aber an Krebs erkranke? In Momenten wie diesen zeigt sich, wie ernst es mir mit Jesus bzw. dem Glauben wirklich war. War er bloß „Mittel zum Zweck“, an einer Beziehung zu ihm war ich gar nicht interessiert, sondern eher an dem Positiven, die ein Christenleben ja zweifelsfrei mit sich bringt? Oftmals entpuppt sich der eigene Glaube in solchen Situationen als „Strohfeuerglaube“  – ein Fähnchen im Wind sozusagen.

Dieses Fähnchen kann freilich auch dann kippen, wenn jemand auf einmal gute und berechtigte, aber durchaus kritische Fragen erhält, die die Stimmigkeit seiner Sichtweise in Frage stellen. Einwände wie: „Du bist doch nur Christ, weil auch deine Eltern Christen sind?“ oder „Trost und Gemeinschaft kann man doch auch in Freundeskreisen finden, die nicht an Jesus glauben?“ Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin ein großer Befürworter solcher Fragen. Aber wessen Glaube eben nicht auf der Wahrheitsfrage beruht, den können solche Rückfragen verständlicherweise aus der Bahn werfen.

Diese Einstellung ist zum anderen beunruhigend, weil sie Christsein nur mit einem Auge betrachtet. Christen sind – wie der Namen schon sagt – Menschen, die mit Christus „im Bunde stehen“. Und dieser sagte einst auch Sätze wie:

Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen. (Lukas 9,23)

Wir müssen freilich aufpassen, dass wir uns zu keiner „Werksgerechtigkeit“ überreden lassen, frei nach dem Motto: „Du musst dir das Ticket zu Gott doch schon noch durch das Tun guter Taten verdienen.“ Nein, Gottes Gnade ist und bleibt nach wie vor ein Geschenk, das man sich weder erarbeiten, noch verdienen kann. Aber Christsein bedeutet (und bietet) – gerade vor dem Hintergrund solcher Sätze Jesu – weitaus mehr, als das Suchen und Finden von Trost und Gemeinschaft. Und es geht letztlich immer schief, wenn jemand Christ werden will oder bereits ist, weil er sich von Gott bedienen lassen will – wodurch auch immer. Warum? Weil Gott hier nicht vertraut wird, er wird vielmehr benutzt.

Jesus will keine Fans, er will Nachfolger. Mit Bewunderern kann er nichts anfangen, das zeigt die Lektüre des Neuen Testaments in klarer Weise. Ein Buch, was diese Thematik übrigens wunderbar aufgreift, ist das 2013 erschienene Werk von Kyle Idleman „not a fan“. Einen kurzen Trailer zum Buch finden Sie hier:

Aber auch noch andere Bücher beschäftigen sich mit dieser Thematik, z.B. Markus Spiekers‘ Gott macht glücklich: und andere fromme Lügen (2013) oder auch Craig Groeschels „Der fromme Atheist“ (2012). Alles sehr empfehlenswerte wie herausfordernde Bücher. Vielleicht stellen Sie sich aber auch eine ganz andere Frage, frei nach dem Motto: Warum erleben meine Mitmenschen so wenig mit Jesus, wenn sie doch vorgeben, Christen zu sein? Einen herausragenden Antwortvorschlag formuliert hierzu H. P. Royer in einer seiner Predigten.

Kommen wir zu Ihrem zweiten Teil der Frage. Wenn Sie davon ausgehen, dass Menschen nur dadurch zur Überzeugung gelangen können, dass Jesus lebt und deshalb auch erlebbar ist, weil sie ihn visuell wahrgenommen haben, würde ich Ihnen nur mit Einschränkungen beipflichten. Denn natürlich sagen – auch heutzutage – noch Menschen, dass sie dem Auferstanden begegnet sind. Interessant wird es vor allem dann, wenn das Leute erzählen, die aufgrund ihrer atheistischen, muslimischen, buddhistischen etc. Weltsicht eigentlich keinerlei Interesse dann hatten, dass das mit Jesus stimmt. Nichtsdestotrotz haben sie sich bekehrt, weil ihnen Jesus visuell begegnet ist.

So lauten freilich nicht alle Biographien, aber eben auch nicht keine. Darüber hinaus würde ich auch gar nicht sagen, dass es zwangsläufig eine „Erscheinung“ braucht, damit man sich mit Jesus gewiss ist. Da bin ich selbst ein gutes Beispiel: Bis vor wenigen Jahren war ich kein Christ und auch, als ich anfing, mich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen, sagte ich mir immer:

„Es gibt nur einen, der mich von Gott überzeugen kann – und zwar nur Gott selbst.“

Die Christen, mit denen ich damals zu tun hatte, waren zwar alles liebe und nette Menschen, aber nur weil sie sagten, dass es stimmt, was sie glauben, musste es ja noch lange nicht wahr sein. Behaupten kann bekanntlich jeder viel, wenn der Tag lang ist. Nein, ich bestand darauf: Wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, dann muss er auch dazu in der Lage sein, mir klar zu machen, dass das stimmt. (Hier sind wir wieder bei der oben erwähnten „Wahrheitsfrage“)

Der Gedanke, dass diese „Überzeugungsleistung“ ausschließlich visueller Natur sein musste, kam mir ehrlich gesagt gar nicht. Ich bestand „lediglich“ darauf, dass es mich wirklich überzeugen sollte. Und denken Sie nicht, dass ich irgendeine Art von Druck oder Not gehabt hätte, von der Auferstehung Jesu auszugehen zu wollen. Nein, ich hatte lediglich eine ehrliche Neugier in mir – ich wollte es wirklich wissen, ob es stimmt, was Christen behaupteten. Und ich bestand auf Gottes Versprechen:

„Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch.“ (Jeremia 29, 13f.)

Von ganzem Herzen und gespannter Neugier war ich dabei. Trotz allem natürlich immer skeptisch und nicht bereit, mich mit „billigen“ Dingen abzugeben. Aber eben stets im Hinterkopf: Ich suche hier Gott und nicht die Annehmlichkeiten wie Trost oder Gemeinschaft, die der Glaube anbietet. Solche Dinge hatte ich auch zuvor in meinem nicht-christlichen Umfeld. Und Jesus „knackte“ bzw. überzeugte mich schwere Nuss. Natürlich nicht nur einmal – schließlich ist einmal „keinmal“. Und Jesus überzeugt auch heute im Jahr 2014 noch Menschen.

Von daher kann ich aus persönlicher Erfahrung sprechen, wenn ich sage, dass man nicht einfach das glauben muss, was Menschen vor 2.000 Jahren zu Papier gebracht haben. Warum sollte man das auch? Wenn ich einfach das glauben würde, was Menschen niedergeschrieben bzw. behauptet haben, dann hätte ich viel zu glauben: an Allah, Zeus, den Yeti, das Fliegende Spaghettimonster etc. Nein, eine Behauptung ist ja nur dann spannend, wenn man sie auch überprüfen kann. Und die christliche Botschaft, dass Jesus lebt und sogar erlebbar ist, ist eben prüfbar. Jesus sagte nicht umsonst:

„Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Lk 11,10)

Bringen wir diese Aussage mit dem oben genannten Versprechen in Verbindung, ergibt sich folglich: Wer Jesus von ganzem Herzen sucht und anklopft, von dem wird er sich finden lassen und die Tür so überzeugend öffnen, dass auch derjenige, der seinen Verstand eingeschaltet lässt, überrascht vor Freude sein wird.

Ich stimme Ihnen letztendlich zu: Auch ich denke, dass das Christentum die plausibelste aller Religionen ist, aber das macht es nicht automatisch wahr. Wahr ist es erst, wenn das mit Jesus und seiner Auferstehung stimmt. Wenn man sich selbst davon überzeugen kann, dass er lebt. Und nicht nur ich, sondern auch Hunderttausende anderer Menschen können Ihnen bestätigen: Dazu ist Jesus zweifelsohne zu in der Lage.

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