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Jesus: Gott, Lügner oder Psychopath?

 

Uh! Jesus als Lügner oder gar Psychopath? Viele Leute würden hier sagen: „So etwas darf man nicht sagen!“ Ich finde: Doch! Diese Frage muss man sogar zulassen – zumindest dann, wenn man sich ehrlich mit der Person Jesu auseinandersetzt. Harte Fragen müssen erlaubt sein, auch dann, wenn sie harte Worte haben. Warum besteht aber die Möglichkeit, dass Jesus ein Lügner oder ein Geisteskranker gewesen sein könnte? Dazu im Folgenden mehr.

Wenn man sich einmal anschaut, wie Jesus im Neuen Testament beschrieben wird, was er also sagt und tut, dann werden wir hier mit einer Person konfrontiert, die einen absoluten steilen Anspruch erhebt, der da lautet:

„Wer mich sieht, der sieht Gott. Ich stehe hier an Gottes Stelle.“

Und das beansprucht Jesus an vielen verschiedenen Stellen. „Moment“, sagen nun einige, „ist das, was wir heute in den Evangelien lesen, überhaupt historisch glaubwürdig? Sind die ganzen Berichte über Jesus nicht viel eher Mythen und Legenden?“ Ich kann diese Frage ganz gut nachvollziehen und es mag Sie vielleicht überraschen: In der gegenwärtigen historischen Jesusforschung wird kaum noch die Ansicht vertreten, dass es sich bei den Evangelien um historisch unzuverlässige Quellen handelt, im Gegenteil. Diesem Thema hatte ich, gerade weil es so wichtig ist, bereits einen eigenen Beitrag gewidmet, vgl. hier.

Ob es uns nun gefällt oder nicht: Jesus ist eine historisch überaus zuverlässig belegte Person, die sich in vielen wichtigen Facetten auch heute noch nachzeichnen lässt. So finden wir etwa im historisch sehr gut bezeugten Johannes-Evangelium viele Passagen dazu, in denen dieser Jesus den Anspruch erhebt, selbst Gott zu sein. Ein paar Beispiele hierzu: In einem Gespräch mit Vertretern der religiösen Elite weist Jesus klar darauf hin: „Ich und der Gott, der Vater sind eins.“ Die Reaktion von einiger seiner Zuhörerschaft darauf ist überaus heftig, denn auf solch eine Behauptung stand zur damaligen Zeit, in der die Existenz des heiligen Gottes zu keiner Zeit bestritten wurde, nur eine Strafe: der Tod. Seine Gegner erwiderten Jesus empört: „Wir steinigen dich nicht wegen einer guten Tat, sondern weil du ein Gotteslästerer bist. Du machst dich zu Gott, obwohl du nur ein Mensch bist.“ (Joh. 10,33) An anderer Stelle lesen wir von folgender Begebenheit, in der Jesus sagt:

„Abraham, euer Vater, sah dem Tag meines Kommens mit jubelnder Freude entgegen. Und er hat ihn erlebt und hat sich darüber gefreut.“ Die Juden entgegneten: „Du bist noch keine 50 Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?“ Jesus gab ihnen zur Antwort: „Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren wurde, bin ich.“ Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. (Joh. 8, 56ff.)

Auch hier beansprucht Jesus für sich, weit mehr als nur ein Mensch, nämlich Gott selbst zu sein. Er sagt, dass bereits der Stammvater Abraham, einer der engsten Vertrauten Gottes im Alten Testament, sich über seine, also Jesu Ankunft gefreut hat – und nicht nur das: Dass er sie sogar erlebt hat. Seine jüdischen Zuhörer können die Aussageabsicht hinter diesen Worten sehr rasch zuordnen: Auch hier sagt Jesus wieder von sich, dass er der ewige und heilige Gott selbst ist. Diejenigen, die diesem Anspruch zurückwiesen, bezichtigen Jesus daraufhin erneut der Gotteslästerung und lassen ihrer Empörung über die Ungeheuerlichkeit dieser Aussage freien Lauf.

Ein weiteres Beispiel: Zum Ende des (ebenfalls bestens bezeugten) Markus-Evangeliums wird uns von einer Unterhaltung zwischen Jesus und seinem skeptischen Jünger Thomas berichtet. Thomas, der dem Gedanken der Auferstehung Jesu überaus misstrauisch gegenüberstand, fordert einen Beweis, dass der Mann, mit dem er da spricht, wirklich der ist, der vor wenigen Tagen zuvor am Kreuz von den Römern hingerichtet wurde. Jesus sagt daraufhin zu Thomas:

„Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!«, forderte er ihn auf. »Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!« Thomas sagte zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. (Joh. 20,27ff.)

Das eigentliche Interessante an diesem Gespräch ist nun nicht das, dass Thomas Jesus als seinen Herrn und Gott bezeichnet, sondern dass Jesus keinen Einspruch dagegen erhebt. Jesus sagt ja nämlich nicht: „Nein, nein. Ehre, wem Ehre gebührt, aber Gott, das bin ich nicht.“ Jesus sagt hingegen, dass ihm Thomas jetzt, wo er ihn gesehen hat, wirklich glaubt. Und diesen Anspruch erhebt Jesus stets in einem bestimmten Kontext, nämlich in dem eines streng gläubigen Juden. Als solcher ist er zutiefst davon überzeugt, dass Gott ewig, heilig und Ehrfurcht gebietend ist, und dass man, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig von ihm sprechen darf. Der Anspruch Jesu, einem gläubigen Juden, war daher weitaus mehr als nur ein starkes Stück.

Darüber hinaus wird Jesu Gottesanspruch nicht nur in dem deutlich, was er sagt, sondern vor allem auch durch die Dinge, die er behauptet, tun zu können. Denn Jesus sagt zu wildfremden Menschen: „Deine Sünden sind dir vergeben.” Und nach Auffassung der hebräischen Bibel ist auch solch eine Aussage schlichtweg Gotteslästerung. Man wusste zur damaligen Zeit ganz genau: Nur einer ist in der Lage, einem Menschen seine Sünden zu vergeben, nämlich nur Gott selbst. Sündenvergebung, dessen war man sich bewusst, konnte niemals von Mensch zu Mensch geschehen. Sich entschuldigen waren eine Sache, Sündenvergebung aber eine ganz andere – und die war absolute „Chefsache“. Wenn Jesus also behauptet, einem Menschen seine Sünden vergeben zu können, konnte diese Aussage gar nicht anders verstanden werden, als dass Jesus behauptet, Gott selbst zu sein.

Und das löste bei einigen natürlich scharfe Proteste aus. Das wird etwa an einer Stelle recht deutlich, in der ein Gelähmter zu Jesus gebracht wird:

„Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!« Einige Schriftgelehrte, die dort saßen, lehnten sich innerlich dagegen auf. »Wie kann dieser Mensch es wagen, so etwas zu sagen?«, dachten sie. »Das ist ja Gotteslästerung! Niemand kann Sünden vergeben außer Gott.« (Markus, 2,5ff.)

Indem Jesus für sich beanspruchte, Sünden vergeben zu können, unterstrich und betonte er damit seinen Gottesanspruch. Das war Juden der damaligen Zeit sofort klar, die Reaktionen der religiösen Elite seinerzeit ist also wenig verwunderlich. Und Jesu Anspruch, der menschgewordene Gott selbst zu sein, war es letztendlich ja auch, weswegen er zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet wurde. Nicht wegen sozial-revolutionärer oder rebellischer Gedanken wurde Jesus zum Kreuzestod verurteilt, sondern wegen Gotteslästerung – wegen seiner niemals abreißenden Behauptung, dass er und Gott ein und derselbe sind. Das unterstreicht u.a. folgende Passage aus dem Markus-Evangelium, der frühesten Lebensbeschreibung Jesu:

 Wieder fragte ihn der Hohepriester und sagte zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s. Und ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels! Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sagte: Was brauchen wir weitere Zeugen? Ihr habt die Lästerung gehört. Was meint ihr? Und sie fällten alle das Urteil, daß er des Todes schuldig sei.

„Aber“, sagen nun manche, „sagt Jesus nicht, dass er ‚Gottes Sohn‘ sei?“ Wer diese Frage stellt, stellt eine gute und sehr berechtigte Frage. Und es stimmt ja: In den Evangelien beschreibt sich Jesus ja wirklich so. Ich kann es daher ganz gut nachvollziehen, wenn wer Probleme mit der Sicht hat, dass Jesus selbst Gott sein soll – gerade weil er seine Sohnschaft immer wieder betont. Aber Jesus sagt ja nicht nur: „Ich bin Gottes Sohn“, sondern auch: „Ich und der Vater sind eins.“ Und das ist ja sehr wichtig – so wichtig, dass wir es nicht ignorieren dürfen. Zu Beginn des Johannes-Evangeliums lesen wir etwa: „Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn hat ihn uns offenbart, er, der selbst Gott ist.“ Wir werden also insofern herausgefordert, als Jesus zwar zweifelsohne Gottes Sohn, aber – und das ist der springende Punkt – genau deshalb Gott selbst ist. C.S. Lewis schreibt:

Was Gott zeugt, ist Gott; wie Mensch ist, was der Mensch zeugt. Was Gott erschafft, ist nicht Gott, wie das von Menschenhand Geschaffene nicht Mensch ist.

Mit dem Verweis darauf, dass er Gottes Sohn ist, unterscheidet Jesus also gerade nicht zwischen Gott und ihm, sondern weist auf die Wesensgleichheit hin: „Ich, der Sohn, und Gott, der Vater, sind gleich.“ Wie Lewis eben sagt: „Was Gott zeugt, ist Gott“. Das fordert uns heute sicher heraus, aber so ist Jesu Aussage (gerade im soziokulturellen Kontext der damaligen Zeit) zu verstehen. Wenn Jesus sich als Sohn Gottes beschreibt, meint er, dass er Gottes Ebenbild ist – wer ihn sieht, sieht Gott, wer Jesus kennt, kennt Gott. Es ist also wörtlich zu verstehen, wenn es in 1. Joh 5 heißt: „Gott ist Liebe“ – und Liebe braucht ein Gegenüber, das geliebt werden kann. Gott ist in sich liebevolle Beziehung – vom Vater zum Sohn zum Geist und zurück… Es ist aber völlig in Ordnung, wenn Ihnen das alles etwas „abstrakt“ vorkommt. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass dieses Thema noch weitere gute Fragen zulässt. Aber letztlich bleibt der Punkt, den ich Ihnen aufzeigen wollte: Wenn Jesus seine Sohnschaft Gottes betont, unterstreicht er damit den Punkt, dass er Gott ist.

Was fangen wir also mit Jesus an?

So einfach, was viele populäre Veröffentlichungen über Jesus sagen, nämlich “Jesus war ein großer ethischer Lehrer und ein vorbildlicher Mensch, keine Frage. Aber die Sache mit seinem Anspruch, der „heruntergekommene“ Gott selbst zu sein, die lassen wir einmal beiseite”, so einfach macht es uns Jesus nicht, wenn er sowohl durch sein Reden als auch Handeln einen so ernomen Anspruch erhebt. Wenn er beispielsweise sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde.“ Oder: „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ Oder auch:  „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zu Gott, dem Vater kommt man nur durch mich.“

Wir sehen: Es sind gewaltige Ansprüche, die Jesus da für sich erhebt. Und vergessen wir nicht: Gerade der breite Mainstream historischer Forschung lässt uns hier wenig Spielraum – stufen doch die meisten Textforscher (gläubige wie nicht-gläubige) die Evangelien als historisch zuverlässige Dokumente ein. Und wenn man sich nun anschaut, was Jesus sagte und tat, dann ist er entweder viel mehr als ein vorbildlicher Mensch oder aber viel weniger als das. Denn:

  1. Entweder war Jesus ein Lügner – und zwar genau dann, wenn es nicht stimmt, was er sagt und er sich darüber im Klaren ist, dass es nicht stimmt.
  2. Oder Jesus war ein Psychopath, ein Verrückter – und zwar genau dann, wenn es nicht stimmt, was er sagt und er auch nicht weiß, dass es nicht stimmt.
  3. Oder aber: Es stimmt, was Jesus von sich behauptet, dass er wirklich Gott selbst ist.

Lassen Sie uns doch gerade einmal die ersten beiden Möglichkeiten näher betrachten: „Jesus, der Lügner?“ und „Jesus, der Psychopath?“

Jesus – ein Lügner?

Wenn Jesus gewusst hätte, dass er nicht Gott ist, dies aber dennoch behauptete zu sein, so würde er sich der Lüge und Gotteslästerung schuldig machen. Für einen Juden der damaligen Zeit musste solch eine Behauptung als eine Art „Selbstmordkommando“ gelten. Warum? Weil man gerade als Jude davon ausging, dass Gott nicht nur heilig und Ehrfurcht gebietend ist, sondern dass er auch aktiv in das Geschehen eingreifen kann. Und gerade vor dem Hintergrund des ersten und wichtigsten der zehn Gebote („Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“) musste jeder, der sich unrechtmäßig selbst zu Gott machte, von Gottes Zorn ausgehen. Das klingt in unseren Ohren vielleicht nicht sehr furchterregend, für Juden zur Zeit Jesu aber, die der festen Überzeugung waren, dass Gott die Macht hat, Himmel und Erde zu erschaffen, gab es nichts Angsteinflößenderes als den Zorn Gottes – und aus dem resultierte: ewige Hölle!

Wenn Jesus als gläubiger Jude also von sich behauptet, Gott zu sein, und er wusste, dass es nicht stimmt, dann wusste er ganz genau, dass er sich damit selbst in die Hölle katapultierte. Und das wohlgemerkt freiwillig. Und selbst bei seiner allerletzten Möglichkeit, dem grauenhaften Tod am Kreuz noch zu entgegen, sagte Jesus nicht: „Also gut, ihr habt mich! Es war eine riesige Lüge von mir, als ich behauptet habe, Gott selbst zu sein. Und solange es nicht um mein eigenes Leben ging, habe ich diese Lüge auch aufrechterhalten können. Aber nun gestehe ich es vor allen Leuten! Macht mit mir, was Ihr wollt, aber bitte lasst mich am Leben! Ich will keinen qualvollen Tod am Kreuz für eine selbst erfundene Lüge sterben.“ Aber das sagte Jesus nicht. Der Historiker Philip Schaff schreibt in diesem Zusammenhang:

 „Es ist weder logisch noch entspricht es dem gesunden Menschenverstand oder der Erfahrung, dass ein Hochstapler – ein egozentrischer, betrügerischer, geistesgestörter Mensch – den reinsten und edelsten Charakter erfunden und von Anfang bis Ende aufrechterhalten hätte, den die Geschichte kennt, zudem mit dem vollkommen Anschein von Wahrheit und Realität! Wie konnte er angesichts großer Skepsis vonseiten seiner Volks- und Zeitgenossen erfolgreich ein Konzept so unvergleichlicher Humanität, moralischer Größe und Erhabenheit erfinden und vertreten und schließlich sein Leben dafür opfern?“

Fassen wir also zusammen: Als gläubiger Jude wusste Jesus, dass wenn er von sich behauptet, Gott selbst zu sein und er zudem genau wusste, dass das nicht der Wahrheit entspricht, er sich damit unzweifelhaft Gottes mächtigen Zorn einhandeln würde. Zudem nahm er es in Kauf, für eine selbst erfundene Lüge einen leidvollen Tod durch Kreuzigung zu sterben. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir wenig plausibel, dass wir es bei Jesus mit einem schlichten Lügner zu tun haben.

Jesus – ein Psychopath?

Wer in so einer streng monotheistischen Gesellschaft wie der jüdischen beansprucht, selbst Gott zu sein, wer verkündet, das ewige Schicksal aller Menschen hänge vom Glauben an ihn ab und wer sich für diese Aussage letztlich auch noch kreuzigen lässt, von dem könnte man nicht unbegründet sagen, dass diese Person nicht mehr bei klarem Verstand ist. Und wenn man Jesus, sein Handeln und seine Aussagen rein auf die Behauptung reduziert, dass er selbst Gott sei, dann könnte wir mit einer gewissen Berechtigung durchaus annehmen, dass wir es hier mit den Wahnvorstellungen eines Geisteskranken zu tun haben.

Allerdings bringt auch diese Reduktion so ihre Probleme mit sich. Wir werden Jesus nämlich weder gerecht, wenn wir ihn auf seine höchst anspruchsvolle Moralethik reduzieren, und ebenso wenig, wenn wir ihn rein auf seinen steilen Gottesanspruch beschränken. Wir werden stets vom Pferd fallen, wenn wir uns entweder nur auf das eine oder nur auf das andere fokussieren. Nein, wir müssen stets das Gesamtbild von Jesu Verhalten und Aussagen im Blick haben, um eine wirklich adäquate Aussage über ihn treffen zu können. Wie wir es bei jeder anständigen Personenbeschreibung machen müssen.

Sicher, wenn wir Jesus nur auf seine Behauptung „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand findet zu Gott, dem Vater außer durch mich“ beschränken, liegt die Vermutung nahe, ihn als Geisteskranken anzusehen. Und auch, wenn dies die zentrale Aussage Jesu darstellt, heißt das ja noch lange nicht, dass Jesus damit schon vollständig charakterisiert ist. Der Psychologe Gary R. Collins schreibt:

Jesus war „liebevoll, aber er ließ sich von seinem Mitleid nicht lähmen. Er hatte kein aufgeblasenes Ego, obwohl er oft von zahllosen Bewunderern umgeben war. Obwohl sein Leben oft ziemlich hart war, verlor er nie sein seelisches Gleichgewicht. Er wusste immer, was er tat und wohin er ging. Er kümmerte sich intensiv um Menschen, auch um Frauen und Kinder, die damals als nicht besonders wichtig angesehen wurden.

Er konnte Menschen annehmen, auch wenn er bei ihren Fehlern nicht geflissentlich wegsah. Er holte die Menschen da ab, wo sie waren, und ging auf ihre aktuellen Bedürfnisse ein… Alles in allem kann ich keine Anzeichen dafür erkennen, dass Jesus an irgendeiner uns bekannten psychischen Erkrankung litt.

Der britische Theologe John Stott ergänzt:

„Es ist an Jesus nicht die Spur von fixer Idee zu finden. Er glaubt mit Leidenschaft, was er lehrt, aber ist kein Fanatiker. Manches, was er zu sagen hat, ist unpopulär, doch er ist kein Exzentriker. … Vor allem ist Jesus überhaupt nicht selbstsüchtig. Vielleicht beeindruckt uns nichts mehr als dies. Obwohl er entschieden davon ausging, dass er göttlich ist, markierte er nicht den großen Mann oder bestand auf seinem hohen Rang. Nie wirkte er wichtigtuerisch oder aufgeblasen. Er war demütig.“

Die für einen Psychopathen eigentlich typischen Symptome weist Jesus nicht im Geringsten auf. Für mich ist es daher schwer vorstellbar, dass Jesus insgesamt nur einen einzigen geistesgestörten Bereich gehabt haben soll, ansonsten aber keinerlei negative Verhaltensweisen aufwies, ansonsten nichts Anormales oder Exzentrisches an sich hatte – ganz im Gegenteil sogar: Alle anderen seiner Verhaltensweisen sind auf einem allerhöchsten moralischen und ethischen Niveau, das seinesgleichen sucht. Das passt irgendwie nicht zusammen, finde ich.

Wie wahrscheinlich es ist, dass verrückte Propheten wie ein Charles Manson, in den frühen 1970er Jahren mörderischer Kopf einer berüchtigten Hippie-Kommune, oder ein Jim Jones, ein Sektengründer, der selbst und mit ihm 900 seiner Anhänger 1978 bei einem Massenmord und -selbstmord zu Tode kamen, ihre Anhänger und die ganze Welt so geprägt haben könnten, wie Jesus es tat. Aus meiner Sicht ist die Vorstellung, dass der gesamte Lauf der Zivilisation auf dem halben Globus von einem Spinner verändert und auf den Kopf gestellt wurde, wenig überzeugend.

Ein Fazit

Entweder hat Jesus die Menschen seinerzeit bewusst getäuscht, so wäre das ein wenig vorbildliches Verhalten, genauso wenig wie, wenn seine Aussagen nicht korrekt sind und ihm genau das nicht bewusst ist, dann haben wir es bei Jesus mit einem religiösen Neurotiker zu tun. Oder aber: Es stimmt, was er über sich sagt. Dann stimmt auch alles, was er über Gott sagt. Und dann wird die Frage nach Gott und nach Gründen für den Glauben genau an dieser Stelle zur Vertrauensfrage. Was mache ich also mit Jesus?

Ein Vorschlag zur Güte: Schnappen Sie sich doch einfach mal eine gut lesbare Übersetzung des Neuen Testaments – z.B. die „Neue Genfer Übersetzung“. Die gibt es entweder für 14,90€ bei amazon, als kostenloses Hörbuch oder auch als kostenfreie Lesevariante auf bibleserver.com. Die Lektüre kann erstens Ihrer Allgemeinbildung auf keinen Fall schaden und zweitens ist der Leseaufwand für eine der Lebenbeschreibungen Jesu auch nicht sonderlich groß. In einer guten Stunde sind Sie da bequem durch. Und fragen Sie sich nach dem Lesen einmal selbst:

„Halte ich die Person Jesu für vertrauens- bzw. glaubwürdig oder aber das krasse Gegenteil davon? Macht dieser Je­sus den Eindruck, ein Lüg­ner oder ein Psychopath zu sein? Oder macht er einen glaubwürdigen Ein­druck?“

Viel Spaß beim Lesen oder Hören 🙂 Und wenn Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben, schreiben Sie gerne einen Kommentar und/oder eine E-Mail.


 

 

 

3 Kommentare

  1. Ralf Ralf
    27. Juni 2016    

    Mit Gott kann ich sowieso nichts anfangen. Ich will einfach nur meinen
    Spaß haben, drum übe ich viele Stunden ZAZEN. Und zwar ganz allein,
    ohne irgendeine Gesellschaft. Ich habe weder religiöse Bücher noch Buddha-
    Statuen ! Aber gerade die religiöse Gesellschaft, der ich arbeitsmaßnahmenbedingt
    ausgesetzt bin, neidet mir jenes Glück, das von innen kommt.

    Es steht in der Bibel: „…Er ist ein eifersüchtiger Gott…“ Eben das macht
    ja die Gottheit aus ! Es will jede Seele penetrieren, wie ein Virus ! Denn wenn
    es die Gefühlswelt nicht behrrschen kann, wäre es keine Gottheit !
    Ich sage Pfui dazu ! Ich schäme mich meiner gesamten so genannten
    Kultur und Geschichte !

    Es wird Zeit, daß es für immer in der Müllhalde der Geschichte verschwindet
    und es nur noch ein informelles Faktum ist, das Niemand mehr versteht. Weil
    Niemand mehr diesen mentalen Zustand dieser entstellten Liebe jemals mehr
    fühlen muß !

  2. Akire Akire
    3. April 2017    

    Das einzig Wichtige im Leben ist, dass wir Menschen gut miteinander umgehen
    und wir den Sinn unseres Lebens darin sehen, uns und alle anderenLeute echter lieben zu lernen.
    Nur so ereignet sich Göttliches.

    Die Menschen haben in der Bibel und im Koran Gott so viel in den Mund gelegt,
    dass fast jeder religiös sehr stark verletzt ist.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      6. April 2017    

      Liebe Akire,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen zu, dass es sehr wichtig ist, dass wir Menschen – egal welcher Kultur – gut miteinander umgehen. Da gehe ich voll mit, Toleranz & Respekt sind ein zentrales Gut.

      Ihre Annahme, dass diese sehr wichtige Sache aber gleich „das einzig Wichtige“ ist, dem kann ich nicht ganz zustimmen. Denn wenn, wie Christen sagen, Gott wirklich existiert und er wirklich stimmt, dass er sich uns in Jesus gezeigt hat, dann ist Gott noch mehr wichtig als ehrliche Liebe zu unseren Nächsten.

      Wenn der christliche Glaube stimmt, liegt der Sinn unseres Lebens darin, eine vertrauensvolle und liebevolle Beziehung zu Gott/Jesus zu haben. Das schließt also die Zuneigung zu jedem Menschen als auch die Zuneigung zu Gott/Jesus ein.

      Herzliche Grüße
      Stephan Lange

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