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Was ist, wenn es Gott nicht gibt? Was ist, wenn der Atheismus Recht hat?

 

Viele fragen ja: „Was macht es für einen Unterschied, ob es Gott gibt oder nicht? Dadurch ändert sich ja nichts.“ Meine Antwort: „Es würde sich sogar sehr viel ändern. Vielleicht viel mehr, als Sie gerade vermuten.“ Denn was wäre, wenn der Atheismus Recht hat? Was wäre, wenn es keinen Gott gibt? Und ich will nun gar nicht sagen, dass man so nicht denken darf – das darf man natürlich. Ich frage mich nur, ob wir die Konsequenzen dieser Sicht wirklich bis zum Ende durchdacht haben? Welche wären das? Meine steile These lautet:

Viele sagen, dass wir nur das annehmen sollten, was wir empirisch beweisen können. Alles, was beweisbar ist, gibt es wirklich, existiert „objektiv“ – alles andere gibt es nicht wirklich, existiert allenfalls „subjektiv“. Ein Beispiel: Gott kann man nicht beweisen, Gott ist daher, so sagen sie, eine subjektive Vorstellung – eine menschliche Projektion. In Wirklichkeit ist Gott eine Illusion – Gott gibt es nicht wirklich, sprich: nur subjektiv in unseren Köpfen.

Nun gibt ja noch mehr, was nicht empirisch beweisbar ist, Dinge wie Moral, Bedeutung, Sinn, Zweck etc. Atheisten müssen – wenn sie konsequent sind – sagen: „Da man auch diese Dinge empirisch nicht beweisen kann, handelt es sich auch hier um subjektive Vorstellungen. Auch sie helfen dem Menschen, besser mit seinem Leben klar zu kommen, aber in Wirklichkeit gibt es diese Dinge nicht – es gibt sie nur in unseren Köpfen.“

Daraus folgt ja, dass unser Leben gar keine wirkliche Bedeutung und gar keinen wirklichen Lebenszweck hat. Was es gibt, sind unsere subjektiven Empfindungen darüber. Aber diese Empfindungen sind eben nicht wirklich vorhanden. Es sind nur subjektive Projektionen. Wir sehen: Wenn es keinen Gott gibt, dann kann unser Leben keine wirkliche Bedeutung, keine objektive Moralität und keinen wirklichen Lebenszweck haben. So wäre es konsequent zu Ende gedacht, wenn es keinen Gott gibt.

Die Frage ist nun gar nicht, was Atheisten bzw. Menschen, nach denen es keinen Gott gibt, annehmen, sondern was sie annehmen sollten – wenn sie ihre Weltsicht konsequent durchziehen. Vielleicht sind Sie ja sogar jemand, der mit Gott wirklich nicht viel anfangen kann – und sagen sich zum Ende dieses Beitrags: „Ich muss leider sagen, dass dieser Text meine Ansichten nicht widerspiegelt.“ Das kann sogar gut möglich sein. Aber die Frage lautet ja nicht: „Wovon gehen Sie als jemand aus, für den es keinen Gott gibt?“, sondern: „Wovon sollten sie als jemand ausgehen, wenn sie bewusst so leben, dass es Gott nicht gibt?“

Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Alle meine folgenden Gedanken sind zu keinem Zeitpunkt polemisch gemeint. Natürlich werde ich versuchen, ernst- und gewissenhaft zu argumentieren, ich kann Sie aber nur bitten, sich meinen Gedanken möglichst objektiv und vorurteilsfrei zu nähern. Falls Sie sich emotional nähern möchten, sparen Sie sich lieber die Zeit und machen etwas Sinnvolleres, als diesen Text zu lesen! Denn ich will gar nicht sagen, dass Leute, die davon ausgehen, dass es keinen Gott gibt, ein bedeutungsloses, moralfreies und zweckloses Leben führen. Nein, das steht mir fern. Ich will auch nicht sagen, dass man nur durch den Glauben an Gott ein moralisches Leben führen kann. Und ich will auch nicht sagen, dass man ohne den Glauben an Gott keine Moralvorstellungen erkennen kann. Und letztlich will ich auch nicht sagen, dass wir  nur dann ein moralisch-ethisches System entwerfen können, wenn wir an Gott glauben.

Alle diese Sache möchte ich nicht sagen! Meine Frage dreht sich nicht um den Glauben an Gott, sondern um die bloße Existenz Gottes: Wenn Gott nicht existiert, dann muss man konsequenterweise davon ausgehen, dass es keine letztliche Bedeutung, keine objektive Moralvorstellungen und auch keine schlussendlichen Lebenszweck gibt. Wenn die Annahme stimmt, dass es keinen Gott gibt, so wären nämlich dies die Konsequenzen, die sich aus dieser Annahme ergeben. Wenn es keinen Gott gibt, dann sind sowohl wir Menschen als auch das Universum zum Nichts verdammt. Wir alle enden irgendwann mal im Grab und dann ist aus mit uns. Und nicht nur wir, sondern die gesamte menschliche Zivilisation und das Universum wird irgendwann mal aufhören zu existieren. Das ist die traurige Wahrheit, wenn es Gott nicht gibt.

Und erneut bitte nicht falsch verstehen (Sie merken schon, ich spreche diesem Thema eine hohe Quote zu, missverstanden zu werden): Ich möchte hier gar nicht den großen Panikmacher spielen, der mit dem Sensenmann droht. Nein, es liegt mir fern, Ihnen unbegründete und unrealistische Angst zu machen. Ich möchte „nur“ mal die „folgerichtigen“ Konsequenzen der Annahme aufzeigen, wenn es keinen Gott gibt. Denn gibt es ihn nicht und denkt man den Atheismus bis zum Ende, dann ist es leider blanke Realität: „Alles ist ohne letztendliche Bedeutung, ohne schlussendlichen Sinn.“ Warum aber? Das möchte ich an drei Punkten näher erläutern.

Die 1. Konsequenz: Keine letztendliche Bedeutung

Die meisten von uns verfolgen gewisse Ziele, um ein erfülltes und glückliches Leben zu haben: beruflicher Erfolg, privater Erfolg, materieller Wohlstand, gute Beziehungen, Unterhaltung, gute Werke für andere usw. Ich will Ihnen nun gar nicht einreden, dass das alles schlechte Ziele sind, die in Wirklichkeit nur den Anschein erwecken, gut zu sein. Nein, ich freue mich für Sie, wenn Sie glücklich sind und ein erfülltes Leben leben.

Und das Leben im „Hier & Jetzt“ gehört natürlich zu einer realistischen Lebenshaltung dazu, keine Frage. Ich kann es nur unterstützen, sich von Herzen zu freuen, wenn es einen Grund dafür gibt, aus vollem Hals zu lachen, wenn etwas lustig ist, einem anderen zu helfen, wenn wir das können, die Chancen des Augenblicks zu nutzen, wenn sie da sind usw. Bewusst leben, das ist eine gesunde Einstellung, wie ich finde. Denn gerade eine bewusste Lebenshaltung ist ja eine realistische. Im Hier und Jetzt leben, heißt ja auch nicht, das Morgen vollkommen zu vergessen. Nein, es steckt ja gerade schon im Namen drin: Wer wirklich bewusst lebt, der ist sich der wichtigen Dinge im Leben bewusst.

Und diese Bewusstheit, solch eine realistische Einstellung zum Leben sollte ja gerade Folgendes nicht aus den Augen verlieren: Wenn es wirklich keinen Gott gibt, dann gibt es eine unwiderrufliche Konstante in unserem Leben: Eines Tages werden wir sterben und aufhören zu existieren. Dann wird alles, was Sie und ich als Personen geleistet und geschafft haben, nicht mehr von Bedeutung sein. Sie und ich werden sterben und was wir im Leben erreicht haben, wird es irgendwann nicht mehr geben. Sich dessen bewusst zu sein, auch das gehört natürlich zu einer realistischen Lebenshaltung dazu, in der es keinen Gott gibt. Denken Sie kurz mal darüber nach, worauf Sie in Ihrem Leben schon stolz sein können. Und ich will nun gar nicht sagen, dass Sie darauf nun nicht mehr Stolz sein sollen. Nein, das liegt mir fern.

Ich will nur anmerken: Wenn es keinen Gott gibt, wenn unser Leben nach dem Tod wirklich endet, dann bringt das Geleistete im Endeffekt nichts. Alle unsere Arbeitserfolge. Alles, was uns irgendwie wichtig geworden ist. Alle Beiträge der Wissenschaft, die unseren technischen Fortschritt immer weiter vorangetrieben haben. Alle diplomatischen Erfolge, die Welt immer ein Stück friedlicher zu machen – alles das ist letztendlich ohne Bedeutung, wenn Sie davon ausgehen, dass es keinen Gott gibt. Warum? Weil dann alle aufgezählten Dinge irgendwann im Nichts enden.

Das darf eine bewusste Lebensplanung ja nicht aus dem Blick verlieren – meine Beobachtung ist nur, dass wir zumeist gar nicht so mehr „bewusst“ leben, wie wir es uns wünschen, sondern uns eher die Dinge bewusst machen, die schön, nett und angenehm sind. Und dabei dann bleiben. Aber das ist ja keine bewusste Lebenshaltung, das ähnelt vielmehr einem Schönreden und Ignorieren von Dingen, die in einer Welt ohne Gott unvermeidbar sind.

Wenn es Gott wirklich nicht gibt und jeder von uns mit seinem Tod aufhört zu existieren, dann welche letztendliche Bedeutung sollte unser Leben dann haben? Spielt es am Ende wirklich eine Rolle, ob wir gelebt haben oder nicht? Denken wir den Atheismus einmal konsequent bis zum Ende, so lautet die Antwort: Leider nein. Sicherlich, unser Leben mag häufig teils wichtig für andere Leben gewesen sein – aber was haben diese Taten letztlich für eine Bedeutung? Wenn jeder von uns einmal stirbt und sein Leben damit vorbei ist, was spielt es schlussendlich für eine Rolle, ob man Dinge zwischenzeitig positiv beeinflusst hat? Nichts gegen Hilfsbereitschaft, die ist sehr wichtig und richtig. Aber im Endeffekt macht es überhaupt keinen Unterschied. So unschön und nihilistisch das auch klingt, so wahr es leider auch – zumindest dann, wenn der Atheismus Recht hat. Derselbe kosmische Prozess, der uns einst hat alle entstehen lassen, wird uns eines Tages auch wieder aus dem Geschehen herausnehmen.

Die 2. Konsequenz: Keine objektive Moral

Und wenn unser Leben im Grab endet, macht es dann überhaupt einen Unterschied, wir wir mal gelebt haben? Ist es dann nicht egal, ob wir als Mutter Theresa oder als Stalin gelebt haben? Die Antwort lautet: Es würde (leider) keinen Unterschied machen. Wenn es Gott nicht gibt, ist es wirklich nicht wichtig, wie wir leben oder gelebt haben. Auch davon ist auszugehen, wenn man den Atheismus bis zum Ende durchdenkt. Schon der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski hat ganz richtig festgestellt:

„Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt”.

Und da hat Dostojewski ja sehr Recht. Wenn unser Leben mit dem Tod endet, wenn es uns also irgendwann eh nicht mehr gibt, dann spielt es eigentlich keine Rolle. So stimmt auch die Aussage der Schriftstellerin Ayn Rand, die Tugend des Egoismus zu preisen. Sie schreibt: „Lebe dein Leben nur für dich selbst. Du musst vor niemanden Rechenschaft ablegen!“ Tatsächlich wäre es töricht, irgend etwas anderes zu tun, weil das Leben ja viel zu kurz ist, um es mit Taten, die nicht von reinem Selbstinteresse bestimmt sind, aufs Spiel zu setzen. Kai Nielsen, ein atheistischer Philosoph, der versuchte, die Durchführbarkeit von Ethik ohne Gott zu verteidigen, kommt am Ende zum Schluss:

„Wir sind nicht fähig gewesen zu zeigen, dass Vernunft die moralische Sichtweise benötigt, oder dass alle wirklich vernünftigen Personen, ungetäuscht von Mythen und Ideologien, nicht individuelle Egoisten oder klassische Amoralisten sein dürfen. Vernunft bestimmt hier nicht. Das Bild das ich ihnen aufgezeigt habe, ist kein angenehmes. Die Reflexion des Bildes bedrückt mich… Rein praktische Vernunft, selbst mit einem guten Kenntnis der Fakten, wird Sie nicht zur Moral bringen.

Und es wird nicht besser. Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keinen objektiven Standard für „richtig“ und „falsch“. Alles, mit dem wir konfrontiert sind, ist mit den Worten von Jean-Paul Sartre, „der bloße wertlose Fakt der Existenz“. Moralische Wertvorstellungen wären dann nichts anderes als Ausdrücke des subjektiven Geschmacks oder Nebenprodukte biologischer Evolution und sozialer Konditionierung.

In einer Welt ohne Gott, wer darf dort sagen, was „objektiv richtig“ und was „objektiv falsch“ ist? Wenn es keine objektive Instanz gibt, die Werte festlegt, dann sind das alles subjektive Vorstellungen, wie es aus Sicht der eigenen Person zu laufen hat. Es kann in einer Welt ohne Gott keinen objektives „richtig“ und „falsch“ geben – lediglich unsere kulturellen und persönlichen Meinungen sowie unsere subjektive Urteile. Denken Sie kurz einmal nach, was das bedeuten würde, wenn das wirklich stimmte! Es würde bedeuten, dass es unmöglich wäre Krieg, Unterdrückung oder Kriminalität allgemein als „falsch“ zu verurteilen. Sicherlich, für sich persönlich schon – aber eben nicht allgemein. Wenn es keine objektive Moral gibt, dann sind Verallgemeinerungen nicht möglich. Und genauso wenig könnte man Großzügigkeit, Hingabe oder Liebe allgemein als „richtig“ oder „gut“ bezeichnen.

In einer Welt, in der es keinen Gott gibt, kann es nun einmal kein allgemeines bzw. objektives „richtig“ und „falsch“ geben. Aber wir sehen: Wir Menschen kennen solche objektiven Moralvorstellungen. Es gibt sie. Alle Menschen, die klar bei Verstand sind, sind sich einig darüber, dass es viele Dinge gibt, die nicht gehen. Jeder von uns weiß, dass es Sachen gibt, die einfach nicht richtig sind. Der Holocaust etwa ist nicht „subjektiv falsch“, sondern „objektiv falsch“, soll heißen: Er ist auch dann noch falsch, selbst wenn die Nazis ihn als „richtig“ deklariert haben – und er bliebe selbst dann noch falsch, wenn alle Menschen davon ausgehen würden, dass der Holocaust richtig ist. Er ist eben „objektiv falsch“.

Aber – und nun kommt der springende Punkt: Objektive Moral ist in einer Welt, in der es Gott nicht gibt, nicht existent. Ein Mensch, der wirklich davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, darf gewisse Dinge natürlich verurteilen. Und ohne objektive Werte für „richtig“ und „falsch“, darf man sich zwar aufregen – muss aber letztendlich akzeptieren, dass die eigene Meinung keine objektiv-allgemein gültige Ansicht darstellt. Es ist lediglich die eigene Meinung, die zwar sicherlich auch noch viele andere teilen – aber letztlich wäre sie zu behandeln wie jede andere subjektive Frage auch: eine Frage des subjektiven Geschmacks, wie man das sehen kann. Manche sehen es so, andere hingegen anders. Ich sage: Gott sei Dank, dass wir in einer Welt leben, in der es eben doch objektive Moral gibt: Denn der Holocaust ist natürlich keine persönliche Geschmacksfrage, er ist „objektiv falsch“, Ende!

Das Konzept von Moral verliert jede Bedeutung in einem Universum ohne Gott. Richard Taylor, ein zeitgenössischer atheistischer Ethiker sagt ganz richtig:

Zu sagen, dass etwas falsch ist, weil …  es von Gott verboten ist, ist völlig verständlich für jeden, der an einen gesetzgebenden Gott glaubt. Aber zu sagen, das etwas falsch ist … obwohl es keinen Gott gibt, der es verbietet, ist nicht verständlich.

Man darf also durchaus sagen: „Für mich ist diese Tat absolut falsch, sogar sehr falsch.“ Das geht. Aber gleichzeitig zu denken, dass der andere es auch als „falsch“ ansehen muss, weil man es aus seiner persönlichen Sicht als „falsch“ betrachtet, das darf man dann nicht. Mich beruhigt es aber immer sehr, dass die Welt eben nicht so funktioniert, wie es im Sinne des Atheismus sein müsste. Wir dürfen eben sagen, dass etwas objektiv „falsch“ ist – es gibt also objektive Wahrheit. Aber das widerspricht ganz klar der atheistischen Sichtweise, nach der objektive Standards nicht möglich sind. Ich persönlich finde es sehr beruhigend, dass der Atheismus nicht Recht hat. Meine Gedanken hierzu wären sogar die folgenden:

Stimmen Sie zu, dass wenn Gott nicht existiert, es dann zwar subjektive, aber keine objektiven Moralvorstellungen gibt?  Oder was wäre sonst die Urquelle dieser Objektivität? Und stimmen Sie auch zu, dass es solche objektiven Moralvorstellungen aber nun einmal gibt? Wenn ja, würden Sie zustimmen, dass es Gott gibt. Aber diese Gedanken sind viel zu groß, als ihnen nur ein paar Zeilen zu schenken. (Ich kann sie an dieser Stelle gerade nur kurz anreißen, nähere Ausführungen hierzu finden Sie unter folgendem Beitrag: Moral – Ein Argument vor Gott) Wie dem auch sei: Vor dem Hintergrund einer Weltsicht, in der es keinen Gott gibt, hat die menschliche Natur also nichts Besonderes an sich, sie ist hingegen wie jede andere Natur ein Zufallsprodukt des Universums. Richard Dawkins bringt diese Vorstellung sehr präzise auf den Punkt:

There is at bottom no design, no purpose, no evil, no good, nothing but pointless indifference… We are machines for propagating DNA… It is every living object’s sole reason for being.“

Sind wir das wirklich? Sind wir Maschinen, die nur dazu da sind, DNA zu verbreiten? Die Antwort darauf lautet: Ja, wenn wir Dawkins und seiner Sichtweise Glauben schenken. Wenn er stimmt, dann ist es wirklich korrekt, dass wir Maschinen sind, deren Schicksal lautet:  „no purpose, no evil, no good, nothing but pointless indifference“.

Die 3. Konsequenz: Kein letztendlicher Lebenszweck

Und wenn es keinen Gott gibt, unser Leben also wirklich mit dem Tod endet, dann hat es vielleicht einen zwischenzeitlichen, aber keinen letztendlichen Zweck. Auch das sagt der Atheismus, wenn man ihn konsequent zu Ende denkt. Wenn alles im Leben vergänglich ist, ja sogar das Leben selbst, dann ist ja alles für die Katz – für nichts und wieder nichts. Wie gesagt: Das ist ein durchaus trauriger Gedanke, aber so wäre es, wenn der Atheismus Recht hat. Denken Sie ihn einmal selbst bis zum Ende durch. Und was ist mit dem Universum? Ist es schlichtweg zwecklos? Wenn sein Schicksal ein kühles Grab in der weiten Ferne ist, dann lautet die Antwort „ja“ – es ist zwecklos. Dann gibt es kein Ziel, keinen Zweck für das Universum. Genauso wenig, wie unser Dasein dann zwecklos wäre.

In seiner Novelle „Die Zeitmaschine“ erzählt H.G. Wells die Geschichte eines Menschen, der in die Zukunft reist, um das Schicksal der Menschheit zu sehen. Alles, was er findet, ist eine tote Erde, abgesehen von ein bisschen Moos und ein paar Flechtenbäumen. Das einzige Geräusch, was der Zeitreisende wahrnimmt, ist der Ansturm des Windes und das leise Dahinplätscherns des Meeres. Jenseits dieser leblosen Geräuschen ist die Welt still. Keine Geräusche außer diesen. Keine Stimmen von Menschen, keine Geblöke von Schafen, kein Vogelgeräusche, kein Summen von Insekten – nichts. Das Erschreckende daran ist: Wenn es keinen Gott gibt  – wenn der Atheismus wirklich Recht hat -, dann wird es so oder so ähnlich enden. Möglicherweise wird noch nicht einmal eine Erde existieren, auf die man reisen könnte.

Das ist die Realität in einem Universum ohne Gott. Hier gibt es für uns keine letztendliche Hoffnung und auch keinen schlussendlichen Zweck. Dann ist  alles, was wir tun, wofür wir arbeiten, wofür wir uns einsetzen – all das ist nutz- und zwecklos, denn irgendwann endet alles im Nichts. Eine mehr als trostlose Aussicht – aber so lautet nun einmal die folgerichtige Konsequenz, wenn es denn stimmt, dass es keinen Gott gibt.

Der Atheismus und seine praktische Unmöglichkeit

Ich befürchte aber, dass sich viele der gerade beschriebenen Konsequenzen überhaupt nicht bewusst sind. Und gerade weil sich viele zumeist nicht die Zeit nehmen, Atheismus nicht konsequent bis zum Ende durchzudenken, wollte ich hierzu gerne mal ein Denkangebot machen. Denn so sind die Fakten, wenn man das atheistische Weltbild durchdenkt. Prüfen Sie es nach, geben Sie sich mit keinen Antworten zufrieden, die nicht bis zum Ende durchdacht worden sind. Und es gibt meiner Meinung nach nur zwei Möglichkeiten, mit dieser Trostlosigkeit fertig zu werden, die uns eine Welt ohne Gott in Aussicht stellt.

  • Die erste Möglichkeit: Ich ignoriere die Tatsache, dass mein Leben und sogar das gesamte Universum letztendlich ohne Sinn ist – ich blende es aus. Das löst natürlich nicht das Problem, das ist immer noch da. Aber manche Menschen denken ja wirklich, dass das Ausblenden die Probleme löst.
  • Die zweite Möglichkeit lautet: Ich schaue der Trostlosigkeit des Lebens ins Auge und halte tapfer durch. Der britische Philosoph und Atheist Bertrand Russell glaubte etwa, dass wir nur erfolgreich durchs Leben kommen, wenn wir erkennen, was für ein fürchterlicher Ort die Welt ist. Albert Camus, einer der bekanntesten und bedeutendsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts, sagte, dass wird die Absurdität des Lebens ehrlicherweise anerkennen sollten.

Der große Haken dieser „Lösungen“ – Ignorieren bzw. Anerkennen – ist aber: Sie lösen das Problem nicht! Es ist unmöglich, vor solch einem trost- und hoffnungslosen Hintergrund glücklich zu sein. Und genau das ist doch unser letztendliches Ziel? Aber wer denkt, dass es keinen Gott gibt, der kann angesichts der trostlosen Konsequenzen seines Weltbildes eigentlich nicht glücklich sein. Wer aber trotz dessen glücklich ist, der belügt sich selbst oder vertritt – unbewusst – gar nicht das Weltbild, dass es keinen Gott gibt. Anders ausgedrückt: Wenn wir versuchen, innerhalb des atheistischen Weltbildes konsistent zu leben, müssen wir uns hochgradig unglücklich fühlen. Wenn wir es stattdessen schaffen, glücklich zu leben, ist das nur aufgrund einer gewaltigen Lüge möglich, die wir unserer Weltsicht beigefügt haben. Wie könnte er sonst glücklich sein, wenn er nicht eines von beiden tut?

Francis Schaeffer bringt das in einem Vergleich ganz gut auf den Punkt. Er sagt, dass die Menschen der Gegenwart sinngemäß in einem „Zwei-Schichten-Universum“ leben. In der unteren Schicht ist die physikalische Welt, in der es keinen Gott gibt. Dort ist das Leben trostlos, da es ohne Sinn, Bedeutung und Zweck ist. In der oberen Schicht befinden sich aber diese Dinge. Viele Menschen der Gegenwart leben nun, so Schaeffer, in der unteren Schicht, da sie nicht glauben, dass es einen Gott gibt. Aber da sie in solch einer trostlosen Welt nicht wirklich glücklich sein können, greifen sie sich – inkonsequenterweise – aus der oberen Schicht diese Dinge heraus, die es in ihrer Welt nicht gibt. (Inkonsequent ist es deshalb, weil Menschen, die glauben, dass es nichts außer ihrer natürlichen Welt gibt, sich nichts außerhalb dieser Welt „borgen“ können.)

Schauen wir uns im Folgenden nun noch mal die drei Bereiche an, in denen ich beschrieben habe, wie absurd und trostlos eine Welt ist, in der es keinen Gott gibt. Und lassen Sie uns einmal anschauen, wie schwierig es ist, diese atheistische Annahme konsequent durchzuhalten und dabei gleichzeitig glücklich zu sein.

Die Sinn des Lebens

Ich habe versucht zu zeigen, dass das Leben zwar sicherlich einen zwischenzeitlichen, doch aber keinen letztendlichen Sinn hat, wenn man Gott ausschließt. Trotzdem leben viele Menschen weiterhin so, als ob das Leben Sinn hätte. Wie geht das aber? Sartre sagte zum Beispiel, dass man für sein Leben einen Sinn „erschaffen“ kann, indem man sich frei eine Vorgehensweise wählt. Sartre selbst wählte hier den Marxismus. Nun, das ist schlichtweg inkonsistent. Es ist inkonsistent zu sagen: Das Leben ist objektiv absurd, dennoch kann ich mir einen Sinn für mein Leben erschaffen. Wenn das Leben wirklich absurd ist, dann ist der Mensch in der unteren Schicht gefangen. Zu versuchen, einen Sinn des Lebens zu erschaffen, macht aber einen inkonsequenten Sprung in die obere Schicht erforderlich.

Jedoch haben Leute wie Sartre keine Basis für diesen Sprung. Ohne Gott kann es keinen objektiven letztlichen Sinn im Leben geben. Wie gesagt: Objektivität kann in einer atheistischen Weltsicht nicht existieren. Sartres Plan ist wirklich eine Ausübung von Selbsttäuschung. Er meint wirklich: „Lasst uns einfach so tun, als ob das Universum einen Sinn hätte.“ Und das ist schlichtweg Selbstbetrug, tut mir leid. Warum? Nun, wenn Gott nicht existiert, dann ist das Leben objektiv sinnlos. Aber der Mensch kann nicht konsequent und glücklich leben, wenn er weiß, dass das Leben sinnlos ist. Deshalb tut er so, als ob das Leben eine Bedeutung hat, um so glücklich zu sein. Aber das ist natürlich komplett inkonsistent – ohne Gott bleibt es dabei, dass der Mensch und das Universum ohne wirkliche Bedeutung sind.

Der Wert des Lebens

Schauen wir uns nun mal an, wie schwer ist, von der Nicht-Existenz Gottes auszugehen und gleichzeitig objektive Werte zu vertreten. Bertrand Russel war, obwohl Atheist, ein freimütiger Gesellschaftskritiker, der den Krieg und die Beschränkung der sexuellen Freiheit verurteilte. Er gab aber zu, dass er nicht so leben könnte, als ob ethische Werte einfach nur eine Frage des persönlichen Geschmacks wären. Aus diesem Grund betitelte er seine eigene atheistische Ansicht als „unglaubwürdig“. Eine harte, aber ehrliche Erkenntnis! Er gestand: „Ich kenne die Lösung nicht“. Die Pointe ist ja: Wenn es keinen Gott gibt, dann kann „objektiv richtig“ und „objektiv falsch“ nicht existieren. Das hat selbst ein so eingefleischter Atheist wie Russell offen zugegeben.

Aber Dostoyevski zeigte auch, dass der Mensch nicht auf diese Art Leben kann. Er kann nicht so leben, als ob es für Soldaten völlig in Ordnung ist unschuldige Kinder abzuschlachten. Er kann nicht so leben, als ob es für Diktatoren völlig in Ordnung ist, Millionen ihrer eigenen Landesmänner auszurotten. Alles in ihm schreit danach, dass dieses Handeln falsch ist – absolut falsch. Aber wenn es keinen Gott gibt, kann er das nicht. Also macht er einen Glaubenssprung und beteuert die Werte trotzdem. Und wenn er das tut, verrät er die Unzulänglichkeit einer Welt ohne Gott.

Dostoyevski schreibt: „Alle Dinge sind erlaubt.“ Aber: Kein Atheist, kein Agnostiker kann mit so einer Ansicht konsistent leben. Nietzsche selbst, der auf die Notwendigkeit des Lebens außerhalb von Gut und Böse hinwies, widersprach seinem Mentor Richard Wagner genau bei der Angelegenheit über dessen Antisemitismus und scharfen Nationalsozialismus. Auch Sartre verurteilte Antisemitismus in ähnlicher Weise, als er über die Folgen des 2. Weltkrieges schrieb. Er sagte, dass eine Lehre, die zur Vernichtung führt, nicht nur eine Meinung oder Frage des persönlichen Geschmacks ist. In seiner wichtigen Abhandlung „Existenzialismus ist ein Huma nismus“ mühte er sich aber vergebens ab, dem Widerspruch zu entkommen zwischen seiner Verleugnung objektiver Werte und seinem dringlichen Wunsch, den Wert der Menschen zu bestätigen. Genau wie Russel konnte er nicht mit den Konsequenzen seiner eigenen Verleugnung von ethischen Absoluten leben.

Der Zweck des Lebens

Lassen Sie uns abschließend das Problem des fehlenden Lebenszwecks anschauen. Die zwei einzigen Möglichkeiten, glücklich zu leben, obwohl aus dem atheistischen Weltbild folgt, dass das Leben zwecklos ist, lauten: Ich erfinde mir eine Bestimmung, was – wie bei Sartre – auf Selbsttäuschung hinausläuft, oder ich bringe meine Sichtweise nicht zu ihren logischen Schlussfolgerungen. Und es ist interessant zu beobachten, wie viele vernünftige Menschen ihre Ansichten betrügen, wenn sie zu ihren logischen Schlussfolgerungen gebracht werden. Noch einmal: Es ist in der Tat sehr interessant zu sehen, wie viele wirklich kluge Leute heutzutage ihre Ansichten betrügen, wenn sie zu ihren logischen Schlussfolgerungen gebracht werden. Wir steht es bei Ihnen selbst? Nehmen Sie sich irgendwann gerne einmal die Zeit und denken in Ruhe über diese Beobachtung nach – trifft sie möglicherweise auch auf Sie zu?

Wir haben gesehen: Die atheistische Weltsicht, konsequent zu Ende gedacht, kann nicht glücklich machen. Sie ist trost- und hoffnunglos. Und sie steht sogar dazu. Der Mensch kann nicht konsistent und glücklich leben, als ob das Leben letztendlich ohne Bedeutung, Wert oder Bestimmung sei. Und wie schon mal erwähnt: Wenn wir versuchen innerhalb des atheistischen Weltbildes konsistent zu leben, werden wir uns hochgradig unglücklich fühlen. Wenn wir es stattdessen schaffen, glücklich zu leben, ist dies nur aufgrund der Lüge, die wir unserer Weltsicht beifügen.

Mit diesem Dilemma konfrontiert, bemüht sich der Mensch um ein Mittel zum Entrinnen. In einem außerordentlichen Rede an der „American Academy for the Advancement of Science“  befürwortete Dr. L. D. Rue, der mit diesem Dilemma des postmodernen Menschen konfrontiert war, ganz offen, dass wir uns selbst mittels einer „Noble Lie“ (Noble Lüge) täuschen sollten. Durch die Ansicht also, dass wir und das Universum immer noch einen Wert hätten. Es ist aber deshalb eine Lüge, weil sie uns sagt, dass das Universum von Wert durchdrungen ist (was eine große Fiktion ist), weil sie universale Wahrheit beansprucht und weil sie mir sagt, nicht für mein Selbstinteresse zu leben (was offensichtlich falsch ist). „Aber ohne solch eine Lüge können wir nicht leben.“, so Rue.

Dies ist der hoffnungslose Urteilsspruch, der über den Menschen verhängt ist. Um fortzubestehen, muss er in Selbsttäuschung leben. Aber selbst die Option der „Noblen Lüge“ ist am Ende nicht zu gebrauchen. Um glücklich zu sein, muss man an objektiven Sinn, Wert und Bestimmung glauben. Aber wie kann man an diese noblen Lügen und gleichzeitig an Atheismus oder Relativismus glauben? Je mehr wir von der Notwendigkeit einer noblen Lüge überzeugt sind, desto weniger sind wir dazu fähig, an sie zu glauben. Wie ein Placebo funktioniert die noble Lüge nur bei denen, die glauben, dass es die Wahrheit ist. Aber es ist nicht die Wahrheit, belügen Sie sich doch nicht.

Abschließendes

Ich habe mit diesem Beitrag sicherlich nicht versucht aufzuzeigen, dass der christliche Glaube wahr ist. Natürlich gibt es durchaus gute Gründe, weshalb er zumindest eine ehrliche Chance verdient haben sollte, viele von diesen Argumenten finden sich in diesem Blog. Was ich mit diesem Beitrag versucht habe zu zeigen, ist, die Alternative des Atheismus genau zu erklären. Wenn Gott nicht existiert, dann ist das Leben letztendlich zur Trostlosigkeit verdammt. Das sollte jeder ganz unaufgeregt zugeben, der die atheistische Sichtweise mal bis zum Ende durchdenkt. Aber keine Panik: Atheismus ist nicht alles 🙂

Daher scheint es mir, dass selbst wenn die Argumente für die jeweilige Optionen ausgeglichen wären, eine rationale Person zumindest einmal überprüfen sollte, ob am christlichen Glauben nicht vielleicht doch etwas dran sein könnte – zumindest mehr, als man bislang denkt (Mehr Ausführungen hierzu im Blogbeitrag „Haben Christen die Wahrheit gepachtet?“). Es scheint mir vielmehr überaus unvernünftig,  die atheistische Aussicht auf Tod und Sinnlosigkeit ernsthaft einem Leben mit Sinnhaftigkeit und letztlicher Bedeutung vorzuziehen.

Und falls Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben, dann schreiben Sie gerne einen Kommentar oder eine E-Mail.

19 Kommentare

  1. Stephan_ATH Stephan_ATH
    1. November 2012    

    Richtiger Weise ist der einzige, der (Un-)Recht haben könnte, der Theist. Denn erst auf die Aussage “Gott existiert”, folgt die Negation derselben. Die Negation indes (die den Atheismus begründet) ist solange zulässig, wie der Theist nicht imstande ist, seine Aussage (“Gott existiert”) zu beweisen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Aussage “Gott existiert” richtig ist oder nicht. Allein auf den Nachweis der Aussage kommt es an. Der Atheist hat also solange recht mit seiner Negation, wie der Theist es vermissen lässt, seiner Behauptung bestätigten Wert zu geben.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      2. November 2012    

      Lieber Stephan, danke für deinen guten Beitrag. So gut ich deinen Einwand verstehen kann, dürfen wir – wenn wir fair bleiben – bei aller (berechtigten) Kritik am Theismus aber nicht den logischen Widerspruch des Atheismus vergessen, der ja lautet:

      Wenn man die Ansicht hat, dass man nur das alles annehmen sollte, was man auch beweisen kann, aber gleichzeitig nicht in der Lage ist, zu beweisen, dass Gott nicht existiert (aber davon trotzdem ausgeht), dann lebt man einen logischen Widerspruch. Es ist paradox, die beiden Ansichten “Ich gehe nur von dem aus, was ich beweisen kann” und “Ich kann nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt – gehe aber trotzdem davon aus” gleichzeitig bewusst zu vertreten.

      Atheismus funktioniert (im Gegensatz zum Agnostizismus & Theismus) rein logisch nicht, so unbequem das auch klingen mag.

      • JoWei JoWei
        10. September 2013    

        Atheismus funktioniert sehr wohl und dazu noch ausgezeichnet gut. Die gesamte „Argumentation“ für den Glauben, die in diesem Blog vertreten wird ist vollkommen haltlos.
        „die Ansicht hat, dass man nur das alles annehmen sollte, was man auch beweisen kann“ entspricht nicht dem Atheismus. Der Atheismus vertritt lediglich die Meinung, dass es keinen Gott gibt, wie die Lateiner unter uns unschwer an Begriff „Atheismus“ erkennen können. Der Atheismus erhebt keinerlei Anspruch darauf, dass er bewiesen ist. Er bedient sich lediglich der Tatsache, dass viele Argumente für den Atheismus und gegen den Theismus sprechen. Argumente, die der Wissenschaft entstammen und die Tag für Tag neue Passagen oder ganze Bücher der Bibel aus den Angeln heben.
        Wenn man gegen den Atheismus argumentieren will, sollte man sich vorher wissenschaftlich damit auseinandersetzen. Aber wir alle wissen ja um den Konflikt der Religion mit der Wissenschaft…

        • Stephan Lange Stephan Lange
          10. September 2013    

          Lieber Michael, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Wie gesagt: Ich habe bislang noch kein wirkliches Argument für den Atheismus bzw. gegen den Theismus/christlichen Glauben gehört. Wenn Sie welche haben, höre ich die mir natürlich gerne an > http://www.mitdenkend.de/_ihre-argumente-gegen-gott-2/

  2. Stephan_ATH Stephan_ATH
    3. November 2012    

    Zur These des logischen Widerspruchs des Atheismus, ich mach‘ das jetzt hier ganz langsam damit’s jeder versteht: es wird die Aussage gemacht, „Gott existiert“. Sowohl Theist als auch Atheist beziehen sich nun auf diese Aussage.

    Theist sagt, „die Aussage stimmt“.
    Atheist sagt, „die Aussage stimmt nicht“.

    Was Atheist und Theist sagt, ist in beiden Fällen formal-logisch richtig. Denn Theist ist, wer an Gottes Existenz festhält und Atheist ist, wer dies nicht tut (falsch wäre es, wenn Theist sagt, Gott existiert nicht).

    • Stephan Lange Stephan Lange
      3. November 2012    

      Erneut danke für den Beitrag, der den logischen Widerspruch des Atheismus aber nicht lösen kann. Dieser kommt ja dann zum Vorschein, wenn wir uns einmal verdeutlichen, auf welcher Basis der Atheist sagt: „Es gibt keinen Gott“. Wie gesagt: Atheist ist jemand, der sagt, dass man nur das annehmen sollte, was man auch beweisen kann. Aber gleichzeitig ist er nicht in der Lage, zu beweisen, dass Gott nicht existiert. Er geht aber trotzdem davon aus. Das ist paradox. Warum?

      Weil wir hier die Basis sehen, auf der der Atheist sagt: „Gott gibt`s nicht“ – und die Basis ist die Annahme, Vermutung etc. Aber als Atheist darf es nur eine Basis geben: die Empirie. Annahmen & Vermutungen sind nichts, worauf ein Atheist sein Denken – eigentlich – stützen darf. Tut er es doch, wie in der Gottesfrage der Fall, widerspricht er den Grundstrukturen seiner eigenen Weltanschauung, in der eigentlich nichts anderes als empirisch gesicherte Aussagen Platz haben sollten.

      Es ist also gar nicht böswillig, sondern ganz logisch gedacht: Der Atheismus widerspricht sich selbst, weil er sich der Empirie verschreibt, aber gleichzeitig Dinge behauptet, die nicht empirisch gesichert sind.

  3. Stephan_ATH Stephan_ATH
    5. November 2012    

    Ich hab‘ bereits erklärt, weshalb eine Beweisführung für die Nicht-Existenz unsinnig ist. Denn daraus folgt, dass alles, dessen Existenz nicht widerlegt wurde, für möglich gehalten werden darf. Die von Dir geforderte Logik zwingt Dich in die Position, die Nicht-Existenz des Gottes Wotan zu beweisen. Darum ein allerletztes Mal: es gibt keine hinreichenden Gründe, einen (schöpferischen) Gott anzunehmen. Deswegen fällt die Hypothese ‚Gott‘. Genauso ergeht es Wotan, Bigfoot und Loch Ness.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      6. November 2012    

      Kennst du das Buch „There Is a God: How the World’s Most Notorious Atheist Changed His Mind“? Geschrieben im Jahr 2008 von Antony Flew, wohl die längste Zeit seines Lebens einer der führenden Atheisten weltweit. Flew gehörte ja zu den vehementesten Vertreter einer darwinistischen materialistischen Philosophie, die Gottes Existenz ablehnt. In Büchern wie „Gott und Philosophie“ und „Die Annahmen des Atheismus“ vertrat er die These, man müsse Atheist sein, solange man keine hinreichenden Beweise für die Existenz eines Gottes habe.

      Wahrscheinlich schlug es wohl gerade deshalb wie eine Bombe ein, als gerade dieser Mann 2004 in einem Interview bekannte, er glaube nun doch an einen Gott. Er schreibt, er habe Gott „entdeckt“, nachdem er „den Belegen nachgegangen“ war. Dass es einen Gott gebe, der das Universum erschaffen hat, sei für ihn eine Frage der „empirischen Hinweise“, aus denen man philosophische Schlüsse ziehen könne. Zwei Faktoren seien für ihn entscheidend gewesen, mit dem Atheismus zu brechen, schreibt er:

      „Der eine war mein wachsendes Verständnis für die Ansichten Albert Einsteins und anderer wichtiger Wissenschaftler, dass es eine Intelligenz hinter all der Komplexität des physischen Universums geben müsse. Der zweite Faktor war meine eigene Erkenntnis, dass die Komplexität selbst – die viel komplexer ist als das physische Universum – nur erklärt werden kann, wenn man eine intelligente Quelle annimmt.“ Auch die DNS zeige „eine nahezu unglaubliche Komplexität“. Dahinter könne nur eine Intelligenz stecken.

      Das schreibt wie gesagt nicht irgendein Atheist, sondern Antony Flew, also einer der führenden Atheisten der letzten Jahrzehnte. Ich kann daher dir bzw. jedem, der sich mal ernsthaft & kritisch mit der Aussage: „Es gibt keine Gründe, einen Gott anzunehmen“ auseinandersetzen will, dieses Buch nur wärmstens empfehlen: „Es gibt einen Gott: Wie der berüchtigtste Atheist der Welt seine Meinung änderte“, bei amazon auf Englisch erhältlich unter: http://www.amazon.de/There-Is-God-Notorious-Atheist/dp/0061335304/

      • Harald Harald
        5. April 2013    

        Die schlussfolgerung, dass Gott existieren muss, weil ein berühmter Atheist zum Theisten mutiert, ist absurd!
        Die Schlussfolgerung, dass es eine „intelligente“ Quelle allen Existierenden geben muss, ist deshalb abzulehnen, weil der Begriff der „Intelligenz“ wie wir ihn verstehen, für die Qualifizierung der Ursache alles Existierenden unbrauchbar ist. Man kann Begriffe der menschlichen Sprache nicht auf Phänomene anwenden, die sich jeglicher Begriffsdefinition entziehen. Also: Was ich nicht begreifen kann, das kannich auch nicht definieren, daher kann ich diesem „Unbegreiflichem“ auch keinem Begriff zuordnen.
        Zur Definition des Atheisten: er lehnt Gott ab, weil die Existenz Gottes für ihn nicht empirisch beweisbar ist. Hier unterliegt der Atheist dem gleichen Fehler wie der Theist: Ein Phänomen – Gott -, das man begrifflich nicht definieren kann, kann man auch nie empirisch beweisen.
        Es bleibt also im Rahmen der Existenzfrage Gottes nur der Agnostizismus als valable Alternative.

        • Stephan Lange Stephan Lange
          6. April 2013    

          Lieber Harald,

          danke für deinen Kommentar. Ich stimme dir vollkommen zu: Dass ein berühmter Atheist ein Theist wurde, heißt noch lange nicht, dass Gott existieren muss. Absolut korrekt. Aber das wollte ich auch gar nicht sagen. Dieser Sinneswandel kann uns maximal anspornen herauszufinden, was für Gründe einen Mann vom Kaliber Flews dazu bewogen haben, seine Meinung so radikal zu ändern.

          Zum Agnostizismus: Ich will gar nicht sagen, dass man so nicht denken darf. Natürlich darf man. Aber diese Weltsicht hat ja – bei allem Respekt – ein Problem: Agnostizismus ist nicht lebbar. Entweder lebe ich mein Leben so, als wenn es Gott gibt oder ich lebe es so, als wenn es ihn nicht gibt. Atheisten und Agnostiker haben ganz klar andere Gründe für ihre Lebenseinstellung, aber nach dem „=“ kommt dennoch das gleiche bei heraus. Ein weiteres Problem: Der Agnostizismus sagt ja, dass es unmöglich ist zu wissen, ob Gott nun existiert oder nicht. Aber warum sollte das Wissen um Gott unmöglich sein? Alle Christen z.B. behaupten das Gegenteil: Gott ist zwar nicht beweisbar, doch aber gut objektiv begründbar und subjektiv erfahrbar. Es gibt keine folglich keine vernünftige Grundlage zu behaupten, dass es absolut unmöglich ist zu wissen, ob Gott existiert oder nicht.

          Der Agnostiker unterliegt zudem dem Fehler, in dem er davon ausgeht: Wenn Gott wirklich existiert, dann braucht man auf jeden Fall (objektive) Argumente, um das zu erkennen. Aber das ist ja nicht richtig. Wir alle gehen ja von Dingen aus, für die wir keine greifbaren Gründe haben. Wie z.B. die Realität der Vergangenheit – die ist absolut unbeweisbar, aber dennoch rational haltbar. Warum? Weil unsere Erfahrungen uns zeigen, dass es so etwas wie die Vergangenheit wirklich gibt. Aber unsere Erfahrungen können die Realität der Vergangenheit trotzdem nicht beweisen. Die Frage wäre nun: Warum kann es beim Glauben an Gott nicht auch so sein? Wenn das korrekt ist, macht das den Agnostizismus irrelevant: Menschen können agnostisch sein in der Hinsicht, Gottes Existenz zu beweisen – aber dennoch Christen durch ihre eigenen Erfahrungen mit Gott.

  4. Josi Josi
    26. Dezember 2012    

    Danke für diesen Blog, es ist schön, zu sehen, dass man sich zwangsläufig tiefgreifend mit der Konsequenz, die der Atheismus nachsichzieht, auseinandersetzen müsste und sie an dieser Stelle einmal aufgezeigt bekommt.
    Ich persönlich habe mir bereits ähnliche Gedanken gemacht wie in diesem Blog und finde diese (die für die Existenz eines Gottes sprechen) durchaus nicht so leicht von der Hand zu weisen.

  5. Discordier Discordier
    23. April 2013    

    Interresanter Artikel, allerdings einige faktische Fehler.

    1. „Ohne einen objektiven Sinn im Leben kann man nicht glücklich sein“
    Was spricht dagegen?
    Warum sollte es mich stören wenn das was ich erreiche in 100, 1000 oder einer Millionen Jahren nichtig ist wenn ich jetzt zufrieden bin?
    Ich bin mir durchaus bewusst das es mich in (möglicherweise nicht allzu-) ferner Zukunft nicht mehr geben wird, das stört mich aber ehrlich gesagt nicht im geringsten.
    Ich bin sogar der Meinung das diese Begrenzung die Zeit die man hat umso bedeutsamer und wertvoller macht, je mehr man von etwas hat desto geringer achtet man es schliesslich in der Regel.
    Die Fixierung auf die eigene Ewigkeit oder einen objektiven Sinn des Lebens vieler Menschen ist mir beim besten Willen zur Gänze unverständlich.

    2. „Ohne Gott gibt es keine objektive Moral“
    Soweit nicht falsch, aber der implizierte Umkehrschluss „Mit Gott gibt es eine objektive Moral“ ist es.
    Gott, wenn man von einem theistischen Weltbild ausgeht, ist nichts weiter als ein weiteres Subjekt, jede Moral die von ihm ausgeht ist also nicht objektiver als die „hausgemachte“ Moral eines Menschen.
    Wenn die Moral Gottes tatsächlich allgemeingültig sein sollte müsste er sich zudem auch selbst daran halten, ein wirklich gütiger Gott wäre in einem Szenario absoluter Moral nicht fähig etwas zu tun was objektiv böse wäre.
    Dennoch berichten die heiligen Schriften jeder mir bekannten Religion von göttlichen Massenmorden, weit übertriebenen Reaktionen und ähnlichem was nahezu allen Menschen bei objektiver Betrachtung als falsch erscheinen muss.
    In den abrahamitischen Religionen wären da zum Beispiel die Auslöschung von Sodom und Gomorrha, die Sintflut, Strafen an unschuldigen Nachfahren für die Verbrechen ihrer Vorväter, die zahllosen Gesetze die harmlose Vergehen mit dem Tod belegen (Homosexualität, Hexerei, Arbeit am Sabbat, etc)

    3. „Altruistisches Verhalten“
    Natürlich, wenn ich nicht damit rechnen kann belohnt zu werden, „lohnt“ sich altruistisches Verhalten wenig.
    Aber ganz ehrlich, wenn du irgendjemandem hilfst, tust du das um irgendwo „Pluspunkte“ zu sammeln?
    Ich kenne niemanden der das tut
    Ich persönlich helfe aus reinem Eigennutz:
    Helfen fühlt sich gut an.
    Wir Menschen verfügen als Rudeltiere über eine ganze Menge Einfühlungsvermögen, und wenn wir sehen das es jemandem gut oder schlecht geht werden wir mitfühlend, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Daher haben wir ein gewisses Interesse daran Menschen in unserem Umfeld dabei zu helfen, das macht uns selbst auch glücklicher.
    Dafür braucht es keinen Gott, es ist einfach so, helfen macht glücklich, simple as that.

    My 50cents

    • Stephan Lange Stephan Lange
      10. Mai 2013    

      Danke für den Kommentar.

      Ich wollte auch gar nicht sagen, dass man ohne Glauben bzw. objektiven Sinn nicht glücklich werden kann. Natürlich kann man das. Der englische Literat und Schriftsteller C.S. Lewis hat mal gesagt: „Wenn wir die Versprechen Gottes ausschlagen, dann sind wir nicht Menschen, die zu viel wollen, sondern dann sind wir Menschen, die sich mit zu wenig zufrieden geben. Wir Menschen geben uns mit solchen Banalitäten wie Erfolg, Besitz, Ansehen und schlagen dafür die fast unverschämten Versprechungen aus, die uns der christliche Glauben macht. Das ist so, wie ein Kind, das lieber in einem Elendsviertel seinen Schlammkuchen backen will und dafür das Angebot eines zweiwöchigen Urlaubs an der See ausschlägt.“ Das Problem ist also nicht, dass wir zu viel wollen, sondern das Problem ist vielleicht, dass wir uns mit zu wenig zufrieden geben. Das wollte ich sagen.

      Und auch eine sehr gute Frage, was die „Moralität Gottes“ angeht. Ein winziges Kommentarfenster, wie dieses hier, ist der Antwort wahrscheinlich nicht so recht würdig, o daher verweise ich einmal an den Klassiker von D. Lamb „Der missverstandene Gott? Ist der Gott des Alten Testaments zornig, sexistisch und rassistisch?“ Und natürlich auch auf den Zweibänder „Die dunklen Seiten Gottes“.

  6. Bastian Uparek Bastian Uparek
    4. Juni 2013    

    „Das ist so, wie ein Kind, das lieber in einem Elendsviertel seinen Schlammkuchen backen will und dafür das Angebot eines zweiwöchigen Urlaubs an der See ausschlägt.“
    oder nicht eher so wie der Angestellte, der sich mit seinem Gehalt zufrieden gibt, statt sich auf den Lottomillionentreffer, den er nächste Woche sicher einheimsen wird, zu freuen.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      4. Juni 2013    

      Dieser Vergleich ist auch gut, danke dafür.

  7. Hans Hans
    18. Mai 2015    

    Sie schreiben: „Wenn es keinen Gott gibt, dann sind sowohl wir Menschen als auch das Universum zum Nichts verdammt. Wir alle enden irgendwann mal im Grab ….Das ist die traurige Wahrheit, wenn es Gott nicht gibt.“ Ich weiß zwar nicht was Sie meinen, wenn „das Universum zum Nichts verdammt“ ist, aber ansonsten haben Sie recht. Nur, warum ist das denn so traurig? Und weil Sie meinen, es sei so traurig, deswegen schließen Sie, müsse es einen Gott geben? Ja wenn die Welt ein Wunschkonzert wäre…

    Sie weiter: „In einer Welt ohne Gott, wer darf dort sagen, was “objektiv richtig” und was “objektiv falsch” ist?“ Ja, und was ist in einer Welt mit Gott? Welche Moral ist denn objektiv richtig? Die Jehovas? Jahwes? Allahs?…. Wenn es einen Gott geben sollte, wer bestimmt den nun die objektive Moral? Der Vatikan? Martin Luther? Mohammed? Tut mir leid, welche Moral Sie auch immer meinen könnten, sie hat versagt. Sehen Sie sich nur um, wo ist sie, Ihre objektive Moral? Untergegangen im den KZs und abgesoffen im Mittelmeer! „Der Holocaust etwa ist nicht “subjektiv falsch”, sondern “objektiv falsch”. Aha, und es waren die subjektive morallosen Atheisten, die KZs betrieben und ermöglichten? Nein, es waren Christen (ich schätze zumindest 90%), solche mit „objektiver Moral“! Sie dann weiter: „Mich beruhigt es aber immer sehr, dass die Welt eben nicht so funktioniert, wie es im Sinne des Atheismus sein müsste“ Das beruhigt Sie? Nein, wenn es einen Gott geben sollte, dann sollte Sie das überhaupt nicht beruhigen!Im Gegenteil, Sie sollten sich aufregen für diese angeblich göttliche „objektive Moral“ und deren Konsequenzen, welche die Gläubigen verursachen.
    Nebenbei: Wie funktioniert denn die Welt des Atheismus Ihrer Meinung nach?
    „Wenn alles im Leben vergänglich ist, ja sogar das Leben selbst, dann ist ja alles für die Katz – für nichts und wieder nichts. Wie gesagt: Das ist ein durchaus trauriger Gedanke, aber so wäre es, wenn der Atheismus Recht hat…..Und was ist mit dem Universum? Ist es schlichtweg zwecklos? Wenn sein Schicksal ein kühles Grab in der weiten Ferne ist, dann lautet die Antwort “ja” – es ist zwecklos. Dann gibt es kein Ziel, keinen Zweck für das Universum. Genauso wenig, wie unser Dasein dann zwecklos wäre.“ Auch hier wieder der Wunsch der Vater des Gedankens. Was Sie nicht mögen oder sich nicht vorstellen möchten, darf nicht sein, denn: „Der große Haken dieser “Lösungen” – Ignorieren bzw. Anerkennen – ist aber: Sie lösen das Problem nicht!“ Welches Problem? Ihr persönliches Problem, das wird natürlich nicht gelöst weil es aufbaut auf Ihren Wunschvorstellungen. Diese Wunschvorstellungen sind mit Logik (mit der Sie glauben zu argumentieren) nicht zu lösen, nur mit glauben an den großen Erlöser im Nirwana oder wo auch immer. Also fordern SIe Logik von Atheisten und bauen selber auf unbegründete Wunschvorstellungen.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      20. Juli 2015    

      Lieber Hans, danke für Ihre guten Beitrag. Ich versuche einmal, Ihre Fragen chronologisch zu klären:

      #1: Nein, nur weil diese Vorstellung so traurig ist, muss das mit Gott natürlich nicht stimmen. Warum auch? Und traurig lebt der Mensch – meiner Meinung nach – wenn er ohne Hoffnung leben muss. Alles, was er zu Lebzeiten erreicht und geschafft hat, ist langfristig gesehen umsonst. Das erscheint mir nicht so aufmunternd.

      #2: Wenn Gott nicht existiert, kann auch keine objektive Moral existieren. Wie auch? Dann ist jede (Gesellschaft-)Moral relativ. Aber: Wenn Gott existiert, ist das freilich auch nicht der Garant dafür, dass seine objektive Moral durchgesetzt wird. Der Mensch ist aus christl. Sicht als freies Wesen erschaffen worden; jede Entscheidung, moralisch gut und schlecht, kann getroffen werden. Und natürlich regen mich falsche Entscheidungen von Menschen auf – aber wir können schwer Gott dafür die Schuld in die Schuhe schieben, wenn sich ein Mann dazu entscheidet, ein Kind zu vergewaltigen. Wir können Gott maximal dafür anklagen, dass wir freie Wesen sind, diese Anklage will ich aber nicht vorbringen. Ich bin vielmehr froh, frei entscheiden zu dürfen.

      #3: Woran machen Sie fest, dass mein Glaube auf Wunschvorstellungen aufbaut. Das unterstellen Sie bzw. Sie vermuten es. Nun bin ich aber vor einigen Jahren Christ geworden, weil mich eine Kombination aus guten subjektiven wie objektiven Gründen zum Entschluss hat kommen lassen, dass es stimmt, was Christen glauben. Für ein unbegründetes Wunschkonzert war und ist mir mein Leben viel zu wertvoll und zu kostbar.

  8. Sascha Sascha
    20. September 2016    

    Die Überschrift für diesen Artikel „Was ist, wenn es Gott nicht gibt? Was ist, wenn der Atheismus Recht hat?“ ist wohl bewusst provokant gewählt. Dabei wird hier aber das Wesentliche verschleiert, nämlich, dass sich die obige Frage überhaupt nicht mehr stellt. Aus wissenschaftlicher Sicht, hat der Atheismus recht. Es reicht hierbei auch aus, dass die Existenz Gottes (oder von Göttern), nicht beweisbar ist und der Atheist muss auch nicht dessen Nichtexistenz beweisen.

    Warum wird bei solchen Artikeln von Religionsanhängern immer so getan, als ob diese Fragen noch nicht beantwortet wären? Sie sind beantwortet und zwar tausendfach. Der Glaube an Gott entbehrt jeglicher Logik und ist vollkommen irrational. Mir ist natürlich bewusst, dass der Glaube an Gott, Religion und Institution (z. B. die römisch katholische Kirche), 3 unterschiedliche Dinge sind, allerdings sind diese 3 Dinge untrennbar miteinander verbunden.
    Alleine schon das Wort „Glaube“ ist aus religiöser Sicht, ein sehr dehnbarer Begriff und wird in der Regel so verwendet, wie es gerade am Besten ins Weltbild passt. Auf der Einen Seite lautet die Devise „Glauben heißt nicht Wissen“, aber auf der anderen Seite, wird alles was in der Bibel steht (wenn auch meist nur metaphorisch) als „Wahr“ angenommen und auch so weiterverbreitet.

    Bei dem Thema Schöpfung (Kreationismus/ Inetelligent Design) und Evolutionstheorie, ist es genau das Gleiche. Die Frage welche Seite recht hat, stellt sich nicht mehr, da sie eindeutig beantwortet ist. Zudem wird mit dem Begriff „Theorie“, von den Gottesanhängern ständig schindluder betrieben. Das Wort Theorie bedeutet in der Wissenschaft etwas völlig anderes, als in der Umgangssprache. In der Wissenschaft bezeichnet das Wort, die höchste Auszeichnung in einem wissenschaftlichen Bereich und gilt solange als wahr, bis sie entweder widerlegt oder durch eine noch bessere Theorie abgelöst wird, wobei „besser“ bedeutet, dass sich damit die Wirklichkeit noch genauer abbilden lässt.

    Ein gutes Beispiel ist hierbei die Gravitations- und die Allgemeine Relativivitätstheorie. Letztere hat erstere Abgelöst, weil sie genauere Ergebnisse für Abläufe in der Natur liefert. Dennoch wurden dadurch die Newtonschen Gesetze, nicht völlig über Bord geworfen, sondern wir verwenden sie weiterhin, weil sie zum einen leichter zu handhaben sind und zum anderen, für viele Alltagsprobleme immer noch Lösungen mit ausreichender Genauigkeit liefern, wie beispielsweise was passiert, wenn ich mit einem Auto mit 50 km/h gegen einen Baum fahre und welche Kräfte dabei wirken.
    Um zurück auf Die Evolutionstheorie zu kommen. Es ist zwar so, dass es auch dort noch unbeantwortete Fragen gibt (sie ist ja schließlich auch weiterhing ein offenes Forschungsgebiet), aber es wird wohl niemand in der Lage sein, sie komplett zu revidieren. Vielleicht wird sie irgendwann durch eine bessere Theorie abgelöst, aber ich bin überzeugt davon, dass die Evolutionstheorie in dieser neuen Theorie aufgehen wird, ähnlich wie es bei der Gravitationstheorie und der Allgemeinen Relativitätstheorie auch war.
    Das Argument mit der Mikro- und Makroevolution, was so gerne von Religionsanhängern angeführt wird, ist übrigens kompletter Schwachsinn, da es weder Mikro- noch Makroevolution gibt, sondern nur Evolution. Evolution ist nämlich ein stettiger Prozess und somit machen diese beiden Begriffe für die Beschreibung des Prozesses überhaupt keinen Sinn und dienen lediglich der Kategorisierung von Veränderungen über unterschiedlich lange Zeiträume und Generationen. Es wird niemals (direkt) möglich sein, Makroevolution (die Entstehung neuer Arten) zu beobachten, da diese Vorgänge leider das Vielfache der Lebensspanne eines Menschen überschreiten. Dies bedeutet allerdings nicht, dass man Evolution und die damit verbundenen Veränderungen überhaupt nicht beobachten kann. Man kann Schritt für Schritt, kleine Veränderungen beobachten und wenn man nur ausreichend viele dieser Schritte, aneinander reiht, entsteht daraus irgendwann eine neue Art, die perfekt an die Bedingungen in ihrem Lebensraum angepasst ist.
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was an dieser Theorie so schwer zu verstehen ist oder unschlüssig sein soll? Sie wird auch durch tausende Fossillienfunde gestützt und keiner dieser Funde widerspricht, dieser Theorie. Zudem kann man die Evolution eines Lebewesen auch in diesem selbst finden (beispielsweise in den Genen oder auch beim Körperbau), was uns Menschen zum Beispiel eine eindeutige Verwandtschaft mit den Fischen bescheinigt (wenn auch weit entfernt).
    Aus Religiöser Sicht ist der Mensch ja die Krone der Schöpfung, dann muss die Frage aber auch erlaubt sein, warum wir so unperfekt sind? Wir haben z. B. einen Blinddarm, der zu nichts Nutze ist (evolutionstechnisch aber weder einen Überlebensnachteil noch -vorteil darstellt).
    Aus dem selben Grund, besitzen Whale z. B. auch Hinterbeine (die sie nicht brauchen) und müssen, obwohl sie im Meer leben, regelmäßig auftauchen um Luft zu holen, zudem zeugt auch ihre Art zu schwimmen davon, dass sie vor vielen Millionen Jahren mal an Land gelebt haben, weil Whale, im Gegensatz zu Fischen, ihr Rückrat auf und ab bewegen um zu schwimmen, wie es alle Säugtiere tun. Man muss schon komplett Blind oder verbohrt sein, um solche Zusammenhänge nicht zu erkennen, weil sie einfach so offensichtlich sind.

    Nun aber zurück zur Ausgangsfrage:
    Religiöse Menschen argumentieren gerne damit, dass ein Atheist beweisen müsse, das Gott nicht existiert und dass es dabei so eine Art unentschieden gäbe und sich daher aus religiöser Sicht folgern lässt, dass demnach Gott existieren muss, dies ist natürlich vollkommener Blödsinn.
    Der Naturwissenschaftler hält sich generell nur an die Dinge, die er auch beweisen kann und nimmt deren Existenz als wahr an. Demzufolge liegt der Ball bei der Religion, da diese ja die Existenzbehauptung „Es gibt einen/mehrere Go(e)tt(er)“ aufstellt haben.

    Auch die Behauptung „Die Nichtexistenz Gottes ist nicht beweisbar!“ ist falsch, wie der folgende Artikel veranschaulicht:
    http://hpd.de/node/3458

    Überträgt man das dort verwendete Beispiel mit den Einhörnern auf Gott, sieht der Beweis, mittels Modus Tollens wie folgt aus:

    1. Hätte es einen Gott gegeben oder gibt es einen Gott, so müssten sich eindeutige Belege für sein Wirken finden lassen.

    2. Es wurden keine eindeutigen Belege für das wirken eines Gottes gefunden.

    3. Folgerung: Es gibt keinen Gott und hat auch nie einen Gegeben.

    Ich habe bewusst, das Wort „eindeutig“ verwendet, da es für viele Vorgänge im Universum durchaus unterschiedliche Erklärungsansätze gibt, beispielsweise für den Urknall.

    In der Wissenschaft ist es allerdings üblich und auch Konsenz, dass man stetts den einfachsten Erklärungsversuch wählt der zu keinem Widerspruch führt.

    Ein Grund, warum ich inzwischen überzeugter Atheist bin (Ich lehne die Existenz eines Gottes ab) ist auch der, dass ich mir irgendwann die Frage gestellt habe, ob unser Universum, auch ohne einen Gott, funktionieren kann. Diese Frage konnte ich eindeutig mit Ja für mich beantworten, auch aus dem Grund, weil die Existenz eines Gottes für mich das Grundproblem der Entstehung des Universums nicht lösen kann, sondern dieses nur verschiebt.

    Wenn ich annehme dass ein göttliches Wesen (oder mehrere) dieses Universum erschaffen haben, führt dies zwangsläufig zu der Frage, wie Gott entstanden ist und was davor (nicht im zeitlichen Sinne, da Zeit außerhalb unseres Universums keine Bedeutung besitzt) war?
    Die Annahme allerdings, dass Gott schon immer existiert hat, halte ich allerdings für ebenso problematisch.
    Fakt ist und dies gilt sowohl für die Naturwissenschaft als auch für die Religion, dass wir hierbei in Bereiche vorstoßen, über die man keine Aussagen mehr treffen kann und die den geistigen Horrizont eines Menschen bei weitem übersteigen, aber dies als einen Beleg für Gott anzusehen, ist einfach falsch (siehe obigen Beweis).
    Konsequenterweise, lehne ich aus diesem Grund auch die Multiversenthese ab (dass unser Universum nur eines von unendlich vielsen Universen ist), weil diese genauso unwissenschaftlich ist, wie der Glaube an einen Gott und nur auf dem anthropischen Prinzip beruht, welches man kurz mit dem berühmten Zitat „Ich denke, also bin ich.“ zusammenfassen kann.
    Wenn man so will, könnte man evtl. das ganze Universum (und auch das was uns wohlmöglich außerhalb umgibt) als etwas göttliches ansehen, allerdings deckt sich dies mit keiner Vorstellung von Gott, die von irgend einer real existierenden Religion vertreten wird und ich würde schon gar nicht so weit gehen, diesem „Göttlichen“ ein Bewusstsein oder einen Plan hinein zu interpretieren.

    Was mich zu einer Kernthese ihres obigen Artikels führt, nämlich dass das leben für einen Atheisten im Grunde sinnlos ist. Im Grunde haben Sie damit recht, allerdings fühle ich mich deswegen nicht unglücklich, ziel- oder orientierungslos.
    Es bringt mich nämlich zu einer Wahrheit, die Fundamental ist: „Der einzige Zweck des Lebens ist das Leben selbst“. Ich muss nich zu Gott beten, um einen Sinn in meinem Leben zu entdecken, viel mehr ist es unsere Aufgabe, unserem Leben selbst einen Sinn zu geben. Ich sezte mich zum Beispiel für den Umweltschutz ein, weil ich es erfüllend finde, wenn auch nachfolgende Generationen auf diesem Planeten leben können. Für mich ist dies auch kein Selbstbetrug, sondern es füllt mein Leben aus, wie auch die vielen anderen Dinge, die ich so tue, z. B. auch gerade hier zu schreiben.
    Warum immer alles einen höheren Plan oder Ziel haben muss, erschließt sich mir auch nicht. Der Weg ist in meinen Augen viel wichtiger als ein mögliches Ziel (welches es hierbei nicht gibt).
    Außerdem ist es mit Zielen immer so eine Sache. Haben Sie schon mal ein Ziel erreicht? Vermutlich ja!
    Wenn man am Morgen dannach aufwacht, stellt man fest, dass das Leben weitergeht und man muss sich ein neues Ziel suchen. Dass ist unsere Natur. Also warum sollte ich es als Erstrebenswert erachten ins Paradies (Himmel oder etwas anderes) zu kommen, ich stelle mir diese Gebilde, als die langweiligsten Orte vor, die ich mir überhaupt vorstellen kann und dort soll ich ausgerechnet die Ewigkeit verbringen?
    Auf so eine Unsterblichkeit, kann ich liebend gerne Verzichten!
    Da ich aber Atheist bin, ist es aber auch bedeutungslos für mich. Ich weiß, dass ich nur dieses eine Leben habe und so lebe ich es auch. Ich lebe lieber einmal richtig, als in der Ewigkeit niemals wirklich gelebt zu haben.
    In gewisser Weise, sind wir auch alle im übertragenen Sinn unsterblich, weil wir unsere Nachwelt nachhaltig beeinflussen und die Auswirkungen davon in alle Ewigkeit wirken, auch wenn wir diese selbst nicht mehr miterleben.

    Ich weiß, dass meine Weltanschauung, erheblich von der Ihren abweicht, aber man sollte den Atheismus nicht versuchen, in die Lächerlichkeit zu ziehen und uns als arme Seelen bedauern, die Blind für Gott sind. Ich bin wahrscheinlich genauso wie Sie, jeden Tag aufs neue von den Wundern fasziniert, die es in diesem Universum gibt. Der Unterschied ist nur, dass ich dafür keinem Schöpfer danke.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      20. September 2016    

      Lieber Sascha,

      danke für Ihre langen und guten Beitrag. Erst einmal tut es mir leid, wenn ich Ihre Weltanschauung ins Lächerliche gezogen habe – das war nicht meine Absicht! Das wäre auch respektlos, gerade weil ich selbst auch einst (agnostischer) Atheist war.

      Im Folgenden will ich auf einige Ihrer Punkte eingehen, die ich als die zentralen Aspekte ansehe (falls ich etwas übersehen habe, haken Sie gerne nach). Erstens: Ich argumentiere im meinem Artikel, wenn ich es recht überblicke, auch gar nicht gegen die Evolutionstheorie. Natürlich gibt es Christen, die das heftig tun. Im Gegenzug gibt es aber auch solche (s. Francis Collins), die christl. Glauben und die ET sehr gut zusammenbringen können.

      Sie schreiben nun:

      „Ein Grund, warum ich inzwischen überzeugter Atheist bin (Ich lehne die Existenz eines Gottes ab) ist auch der, dass ich mir irgendwann die Frage gestellt habe, ob unser Universum, auch ohne einen Gott, funktionieren kann.

      So gut ich diesen Standpunkt auch verstehen kann, stellt sich mir die Frage, warum Gott nicht existieren kann, wenn man zB das Universum auch ohne ihn erklären kann? Da sehe ich keinerlei Zusammenhang. Existiert X nicht, wenn man X nicht braucht? Kann Gott nicht existieren, weil zB der Urknall durch Quantenfluktuationen im Vakuum entstanden sein könnte? Das ist eine gewagte These.

      Zur Frage „Wer erschuf Gott?“ – als Christ würde ich sagen: Vor der Schöpfung war nur Gott, sonst nichts. Wenn Theisten aber sagen, Gott sei der Schöpfer, meinen sie ja nicht nur, dass er feste Gegenstände wie Planeten oder Pflanzen erschaffen hat. Sie meinen damit, dass er wirklich alles erschaffen hat. Alles, was man sich vorstellen kann: Nichts war, bevor Gott es erschuf.

      Das heißt, dass Gott sogar Ideen erschuf. Er erschuf nicht nur das konkrete Universum aus Quantenfeldern, Gasen, festen Körpern und Flüssigkeiten; er erschuf auch alle abstrakten Wirklichkeiten wie Güte oder Sinn. Diese Ideen existierten nicht, bevor er sie erschuf. So wie es keine Pflanzen gab, ehe Gott die erste Pflanze erschuf, so gab es auch keinen Anfang, ehe Gott den ersten Anfang erschuf. Der Einwand beruht also auf einem Missverständnis. Man kann schlecht fragen: „Wer erschuf Gott?“, weil bereits die Idee des Erschaffens Gottes Idee war. So etwas wie eine Schöpfung gab es nicht, bevor Gott sie erschuf.

      In den Ausführungen spiegelt sich auch die anfangs skizzierte Definition Gottes von Anselm wider: Wer fragt, wer Gott erschaffen hat, der spricht eben noch nicht von Gott – dem in jeder Hinsicht größten vorstellbaren Wesen –, sondern denkt noch an eine Zwischeninstanz, eine Art „Weltenbaumeister“. Ein stimmiger Gottesbegriff muss dagegen immer ein Grenzbegriff sein: Das dadurch Gemeinte muss so beschaffen sein, dass weitere Erklärungsforderungen darüber hinaus nicht mehr sinnvoll sind.

      Und auch Ihre Frage „Warum immer alles einen höheren Plan oder Ziel haben muss, erschließt sich mir auch nicht?“ ist eine sehr gute. Meine Antwort: Das muss es natürlich nicht! Wenn Gott nicht existiert, hat nichts einen höheren Plan, die Natur ist nun einmal kein abstrakter Geist, wie es immer so gesagt wird („Da hat sich die Natur aber was Tolles ausgedacht…“) Die Frage lautet anders: Gibt es einen höheren „Plan“, wenn Gott ist? Die Antwort wäre dann: Vermutlich ja! Und „Vermutlich nein!“, wenn Gott nicht ist.

      Herzliche Grüße
      Stephan Lange

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