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Wenn man sich überlegt, wann die drei großen Religionen Christentum, Judentum und Islam entstanden sind, kommt man zu folgendem Schluss: Die Religionen entstanden irgendwann in der Bronzezeit. So gut wie nichts von dem, was die Menschen damals zu wissen glaubten, würde heute noch Gültigkeit besitzen. Sie wussten nichts von Bakterien, die Krankheiten auslösen und töten können. Sie wussten nicht, wie Gewitter und Erdbeben entstehen. Sie wussten nicht, warum so viele Kinder schon während der Geburt starben. Sie wussten nicht, dass sie auf einer kleinen, mit unglaublich heißem Gestein gefüllten Kugel lebten, die in einem mutmaßlich unendlichen Universum herumfliegt. Sie wussten auch nichts davon, dass die Erde Milliarden von Jahren alt ist und das einst gigantische Monster diese Erde bevölkert hatten. Und erst recht nicht wussten sie, dass sie selber zu mehr als 99% identisches Ergbut mit jeder anderen Tierart aufwiesen und sich im Laufe von Millionen von Jahren aus Einzellern entwickelt hatten.Betrachtet man beispielsweise die Bibel in diesem Licht, wird völlig klar, warum die Bibel solche groben Fehler enthält. Kein Buch zur Medizin oder Astronomie aus dieser Zeit würde heute auch nur ansatzweise ernst genommen. Dies gilt für jeden Bereich des Lebens außer der Religion. Hier sollen die bronzezeitlichen Mythen plötzlich als Lebensgrundlage und moralisches Korrektiv gelten.

Vielen Dank für diesen Beitrag, der viel Wahres beinhaltet. Allerdings ist der christliche Glaube nicht zur Bronezeit (also 2200 bis 800 v. Chr.) entstanden, sondern ganz konkret im Jahr 30 n. Chr.  Also in dem Jahr, als – so behaupten es zumindest die neutestamentlichen Autoren – die Kreuzigung und Auferstehung Jesu stattfand. Das muss man natürlich nicht glauben, nur weil Menschen es zu Papier gebracht haben. Nein, das wäre töricht. Fakt ist trotzdem, dass das Christentum auf Christus und seiner Auferstehung beruht und im Jahr 30 entstand.

Sie spielen mit ihren Ausführungen wahrscheinlich vielmehr auf alttestamentlichen Zeiten an, vermute ich. Und da haben Sie natürlich vollkommen Recht: Dort hatten die Menschen von Bakterien, Erdbeben, Dinosaurieren usw. herzlich wenig Ahnung. Das änderte sich wohl auch nicht zur Zeit des Neuen Testaments (historisch gesehen ist die wohl in die  Epoche der „Römischen Kaiserzeit“ zu rechnen).

Ich würde an dieser Stelle (und mit Bezug auf Ihren Einwand) aber einmal ganz dreist behaupten, dass es der Bibel zu keinem Zeitpunkt um naturwissenschaftliche und/oder medizinische Dinge geht. Die Bibel ist z.B. eindeutig darin, dass Gott diese Welt erschaffen hat, dass er mit dieser Welt etwas vor hat, dass er auf diese Welt einwirkt; nicht nur am Anfang, sondern die ganze Zeit. Darin sind sich Christen einig. Das heißt aber noch lange nicht, dass Christen darauf festgelegt sind, dass sich das in einer ganz bestimmten Weise ereignet hat.

Das entspricht zumindest nicht den realen Bedingungen an Meinungen zum Thema. Die Bibel jedenfalls, so denke ich zumindest, ist an der Wie-Frage gar nicht so sehr interessiert. Der Bibel geht es gar nicht um das Wie, sondern um das Warum. Deswegen braucht man die biblischen Schöpfungserzählungen auch nicht wie einen naturwissenschaftlichen Bericht zu lesen. Weil die Bibel gar nicht etwas darüber aussagen will, wie das im einzelnen naturwissenschaftlich zu beschreiben ist. Die Bibel hat hier gar kein Interesse an dieser Frage.

Aus christlicher Sicht liegt der Fokus der Bibel ganz woanders – nämlich auf einer Person: der Person Jesus Christus. Denn dieser Mann hat zu Lebzeiten von sich behauptet, Gott selbst zu sein und hat das, so wird zumindest berichtet, diesen Anspruch mit seiner Auferstehung klargestellt. Diese Auferstehung ist sogar so wichtig, dass wir dazu im Neuen Testament lesen:

Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube eine Illusion. (1. Kor. 15,17)

Es ist natürlich völlig in Ordnung, wenn man dem Gedanken der Auferstehung skeptisch und reserviert gegenübersteht. Oder vielleicht ja sogar grundlegend der Person Jesu selbst. Glauben darf man selbstredend mit Skepsis begegnen; ich finde es sogar eine gesunde Einstellung, seinen gesunden Menschenverstand – gerade beim Thema „Gott & Glaube“ – nicht über Bord zu werfen. Ich weiß selbst ganz gut, dass sich Glaube nicht von selbst versteht. Ich bin aber davon überzeugt, dass Glaube Sinn ergibt – nicht beweisbar, doch aber gut begründbar ist. Auch solch ein unglaubliches Thema wie die Auferstehung.

Vielleicht fassen Sie ja die Feiertage den Entschluss, die Frage nach diesem Jesus und seiner vermeintlichen Auferstehung zumindest nicht zu den Akten zu legen. Vielleicht auch nicht. Wie auch immer Ihre Entscheidung ausfallen wird, wünsche ich Ihnen auf jeden Fall gesegnete Weihnachten und – falls wir uns vorher nicht mehr schreiben – einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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