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Sie schreiben, dass Christen in erster Linie nicht an die Bibel glauben sondern an die Person Jesus. Nichtsdestotrotz, so gut wie alle Lehren oder auch Irrlehren (zB. Fegefeuer), egal welcher Konfession, leiten sich aus den unterschiedlichen Interpretationen der Bibel ab. Die Protestanten beharren ja sogar auf das Prinzip der sola scriptura. Zudem wurde die Bibel im Laufe der Zeit immer anders interpretiert – das spricht recht deutlich gegen die göttliche Inspiration – die Bibel sollte immer gleich interpretiert werden.

Danke für Ihren guten Einwand. Ich denke, der Philosoph Heinzpeter Hempelmann lag einst ganz richtig, als er anmerkte, dass die menschliche Vernunft nicht nur fehlbar ist, sondern vor allem verführbar ist. Es tat der Menschheit noch nie gut, wenn einer aus ihren Reihen behauptete, die Wahrheit gepachtet zu haben. Dieser Gedanken ist ja gerade vor dem biblischen Hinweis, dass unser Erkennen immer nur Stückwerk ist (vgl. 1Kor 13,9ff.) als „bibel-inkompatibel“ zu werten.

Auch Christen neigen – im Großen wie im Kleinen – immer wieder dazu, Gott und Bibel in den eigenen Dienst zu stellen, im Sinne der eigenen Sache zu instrumentalisieren – die göttliche Inspiration der Bibel bringt da freilich wenig, wenn sich der Mensch dazu entschließt, die Bibel so auszulegen, wie es ihm passt (z.B. das Fegefeuer). Es ist und bleibt eben ein Trugschluss, anzunehmen, dass Gott allmächtig handeln kann.

Natürlich ist Gott allmächtig und er könnte allmächtig agieren, er will es aber nicht immer – weil er uns als freies Gegenüber erschaffen hat, dass in allen Fragen frei entscheiden darf. Das bedeutet also: Der göttlichen Inspiration der Bibel sind insofern Grenzen gesetzt, als Gott nicht eingreift, wenn der Mensch an Gottes Intention „vorbei-interpretiert“.

Gott würde sich mit seinem Entschluss, uns Menschen eine vollkommenen Entscheidungsfreiheit zu zusprechen, natürlich zutiefst selbst ins eigene Fleisch schneiden, wenn jede biblische Frage beliebig interpretiert wäre. Und natürlich ringen Christen mit unterschiedlichen Auslegungen, der Themen gibt es viele: Schöpfung, Taufe, (Medien-)Konsum, Kleidung etc. Diese Themen sind natürlich wichtig, aber – und nun kommt der springende Punkt – nicht der Kern des christlichen Glaubens.

In der wichtigsten Sache, die ihren Glauben betrifft, sind sich Christen aus freien Stücken ja einig: Seit Jahrhunderten wird der Kern des christlichen Glaubens sogar im „apostolischen Glaubensbekenntnis“ festgehalten:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

Im zentralen Kern der christlichen Botschaft sind sich Christen über die Jahrhunderte und Kulturen hinweg einig: Jesus ist Gott, starb einst am Kreuz für unsere Verfehlungen, ist von den Toten wieder auferstanden und jeder, der sein Angebot der Gnade annehmen möchte, ist dazu herzlich eingeladen.

Nun mag es Ihnen vielleicht ein Dorn im Auge sein, dass „nur“ im Kern, nicht aber in den Randthemen Interpretationseinigkeit herrscht. Ich kann diese Sorge gut nachempfinden, letztlich hat die Tatsache, dass sich Christen z.B. darüber uneins sind, welches Erdentwicklungsmodell denn nun das richtige ist, aber keinerlei Auswirkungen auf die – eigentlich wichtige – Wahrheitsfrage: Stimmt es, was Christen glauben?

Sie werden sicherlich nicht sagen wollen, dass Jesus das mit der Auferstehung Jesu deshalb nicht stimmen kann, weil Christen über das Alter der Erde kontrovers diskutieren. Nein, da besteht kein logischer Zusammenhang. Denn nur an dieser einen Frage entscheidet sich der christliche Glaube ja, da ist sogar der biblische Befunde brutal ehrlich:

Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube eine Illusion. (1Kor 15,17)

 

 

 

 

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