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97. Wenn Sie im alten Griechenland geboren wären, hätten Sie sicher an Zeus, Poseidon, Hera, Hades usw. geglaubt, oder? Der monotheistische Christengott war ja da noch nicht geboren. Ok, sie sind jetzt einige Religionen weiter und denken wohl das die anderen Götter alle erfunden sind, aber warum gerade Ihrer nicht? Weil die Geschichte mit Jesus usw. besser klingt? Wenn man da ehrlich ist und sieht wie viele Götter sich die Menschen schon erdacht haben, sollte man bei dem aktuellen auch keine Ausnahme machen. Aber vielleicht gibts demnächst ja wieder ein Update.

Danke für diesen Einwand, den ich gut nachvollziehen kann. Letztlich glaube ich aber, dass uns der Gedanke, eine Weltsicht sei zeitlich oder sozial konstruiert, nicht wirklich weiterbringt. Warum? Nun, wenn wir wirklich mal davon ausgehen, dass Weltsichten gesellschaftlich oder zeitlich bedingt sind, dann gilt das natürlich auch für die eigene – also auf eine atheistische oder agnostische Weltsicht. Wenn Sie nun im antiken Athen geboren, wären Sie sicherlich auch kein Atheist oder Agnostiker, sondern würden wahrscheinlich an Zeus, Poseidon, Hera, Hades etc. glauben. Sie wären sicherlich auch kein Atheist, wenn Ihre Eltern Muslime oder Sie in Pakistan geboren wären – das bedeutet also, dass wenn nicht nur eine theistische, sondern wirklich jede Weltsicht zeitlich oder sozial konstruiert ist.

Was ich damit sagen will, ist: Man tut sich selbst keinen wirklichen Gefallen damit, Weltsichten als gesellschaftliche Konstrukte anzusehen – denn so stellt man nicht nur die Richtigkeit der anderen, sondern auch die Richtigkeit der eigenen Weltsicht in Frage. Die ist dann schließlich auch konstruiert. Und warum sollten für Ihre Weltsicht andere Spielregeln gelten als für die anderen?

Weiterhin fragen Sie, warum bin ich Christ bin. Ich kann Sie beruhigen: Nicht, weil die Geschichte mit Jesus schöner oder besser klingt. Denn was nutzt es schon, wenn sich etwas gut anfühlt oder anhört, es letztendlich aber nicht stimmt? Das wäre sogar höchst fatal, gerade wenn es um so etwas wie eine Weltsicht geht, auf deren Grundlage man sein Leben aufbaut. Mein Grund, warum ich Christ bin, ist, dass ich die subjektiven und objektiven Gründen, die für den christlichen Glauben sprechen, sehr überzeugend; überzeugender als die Gründe, die andere Weltsichten vorzulegen haben.

Beim meinem Nachdenken über den christlichen Glauben, gab es insbesondere zwei Argumente, die mich natürlich nicht sofort überzeugt haben (von Gott kann letztendlich nur Gott selbst überzeugen), die ich persönlich aber als so plausibel und bedenkenswert eingestuft habe, dass ich mich einmal näher mit dem, was Christen glauben, befasst habe.  Über das erste Argument habe ich im Juli bei einem Hörsaalvortrag an der Uni Bochum referiert. Das zweite (für mich) denkwürdige Argument für den christlichen Glauben findet sich zudem in meinem Artikel „Fakt oder Fiktion? Die Auferstehung Jesu“.

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