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1. All die Gründe, die Sie hier beschreiben, scheinen PLAUSIBEL (und von allen Welt-Religionen sogar am plausibelsten), aber deswegen sind sie noch lange nicht wahr. Sie schreiben, dass viele Christen in erster Linie nicht an die Bibel glauben, sondern an eine lebendige Beziehung zu Gott/Jesus. Das ist schön und gut, nur erfahren von den rund 2 Mrd. Christen die es auf der Welt gibt die meisten wahrscheinlich Jesus nicht so wie Sie das hier persönlich beschreiben. Wäre dies der Fall, dann gebe es vollere Kirchen, weniger Kirchenaustritte, usw. usf. Die Christen in den westlichen Ländern sind primär Taufschein-Christen. (Ich weiß, dass in einigen Gebieten der Welt, das Christentum am Steigen ist, aber summa summarum halte ich das eher für „Modeerscheinungen“). Zudem fühlen Anhänger anderer Religionen, aufgrund spiritueller Erfahrungen, in der eigenen Religion bestärkt und sehen somit Fremdreligionen automatisch als falsch an.

Danke erst einmal für all Ihre nachvollziehbaren Fragen. Und ich stimme zu: Nur, weil etwas plausibel ist, es ist nicht automatisch wahr. Aber gerade weil der christliche Glaube so gut begründbar ist, wäre es aus meiner Sicht fahrlässig, den folgenden Aussagen Jesu agnostisch bzw. gleichgültig gegenüberzustehen:

„Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich euch.“ (Jeremia 29,13)

„Bittet Gott und er wird euch geben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und euch wird die Tür geöffnet. Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Matthäus 7,7-8)

Denn wenn nur die Möglichkeit besteht, dass dieser Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist und folglich lebt (und wenn ich Sie recht verstehe, ist das für Sie zumindest im Bereich des Möglichen), dann ist es ja denkbar, dass wenn wir klopfen, auch wirklich jemand aufmacht. Freilich gibt es eine zentrale „Bedingung“ bei allem – die wird in folgendem Satz deutlich:

„Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen.“

Mit Halbherzig- oder gar Scheinheiligkeit kommt man also nicht weiter.

Aber letztlich bleibt die Frage: Stimmt das mit Jesus? Und eines kann ich mit Gewissheit sagen: Das Nachdenken über Fragen, warum die Kirchgänger in Deutschland zurückgehen oder dergleichen, trägt nichts dazu bei, um dieser „Stimmt-es“-Frage auf die Spur zu kommen. Oder würden Sie sagen wollen, dass das mit Jesus nicht stimmen kann, weil die katholische und/oder evangelische Kirche in Deutschland konstant Abgänge zu verzeichnen hat? Ich denke nicht, dass Sie solch einen logischen Fehlschluss begehen wollen…

2. Zum Glauben gehört mMn eine gewisse Intelligenz/Bereitschaft zum Nachdenken bzw Reflexion. So hart dies auch klingen mag, aber es gibt Schichten, denen es im Traum nicht einfallen würde (obwohl christlich getauft) sich mit Gott/Jesus/Bibel etc. auch nur im Entferntesten auseinanderzusetzen, weil sie es einfach nur als lächerlich empfinden. Auf der anderen Seite gibt es Menschen die wiederum zu „intelligent“ sind und diesen Glauben mit der modernen Wissenschaft für unvereinbar halten. Müsste Gott oder besser gesagt der heilige Geist hier nicht eingreifen und auch solchen Menschen die Chance geben zu glauben (ja, es wird Fälle geben wo dies der Fall ist, aber ich spreche immer von der Mehrzahl der Menschen)?? Das würde doch den freien Willen nicht widersprechen, wenn man so zu sagen einen „Glaubensanstoß“ bekäme. Man kann sich dann noch immer für oder gegen entscheiden. Zudem wären solche Wahrnehmungen sehr subjektiv und könnten einer Einbildung unterliegen. Heute weiß man, dass Gefühle auf unterschiedlichste Art und Weise zustande kommen (Hormone, Gene, usw.), d.h. Glaube ist auch so etwas wie eine biologische Sache.

Ihre Frage ist ja ganz berechtigt: „Müsste Gott oder besser gesagt der heilige Geist hier nicht eingreifen und auch solchen Menschen die Chance geben zu glauben?“ Aber wie oben bereits erwähnt. Die Voraussetzung, die eine Person mitbringen muss, wenn es um Gott geht, lautet:

„ Ja, wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen.“

Interessanterweise beantworten Sie Ihre Frage nun sogar selbst, weil Sie – vollkommen korrekt – feststellen: „Es gibt Schichten, denen es im Traum nicht einfallen würde, sich mit Gott/Jesus/Bibel etc. auch nur im Entferntesten auseinanderzusetzen.“ Selbst Schuld, würde ich sagen; denn wie Sie selbst richtig sagen: Die Argumente für den christlichen Glauben sind plausibel, es liegen uns (bzw. Ihnen) also ziemlich gute Gründe bzw. „Glaubensanstöße“ vor, der zitieren Aussage Jesu einmal näher nachzugehen.

3. Müsste Gott nicht mehr Wunder vollbringen? Eben der moderne Mensch hätte es nötig, da er ohnehin meint fast alles erklären zu können. Gerade im Bezug auf die bevorstehende Heiligsprechung zweier Päpste. Beim Johannes Paul II sind es 2 (?) Fälle, wo erkrankte Personen völlig genesen sind. Das ist doch lächerlich wenig und fällt eher in die Kategorie Zufall bzw. spontane Selbstheilungskräfte des Körpers.

Ich denke nicht, dass Gott Wunder braucht, um auf sich aufmerksam zu machen. Und ich wiederhole mich nun zwar, aber Sie haben es eben auf dem Silbertablett serviert: Die Gründe, die für den christlichen Glauben sprechen, sind plausibel. Das macht ihn (wie gesagt) natürlich nicht sofort wahr; aber die Anstöße, die ein Mensch braucht, um sich zumindest einmal probeweise auf Jesus einzulassen, liegen vor. Eine Ausrede ist daher – auch ohne Wunder – schwer möglich.

4. Wozu braucht uns Gott überhaupt? Wohl kaum damit wir ihn anbeten, das würde eher für einen Egomanen sprechen. Weil er uns liebt? Dann müsste er öfter eingreifen, wenn wir in Not geraten – denn das tun Menschen bei/für anderen Menschen immer und immer wieder aufs Neue. Würde das gegen den freien Willen sprechen – mMn nicht! Menschen entscheiden sich oft, obwohl sie eines besseren belehrt werden oder es besser wissen, TROTZDEM gegen etwas Gutes. Also überlässt Gott uns selbst (zumindest die meisten Menschen) – das würde entweder für einen Uhrmacher Gott sprechen oder wäre ein Zugeständnis an die Prädestinationslehre mancher Protestanten (wo würde da aber die Gerechtigkeit bleiben?). Viel mehr ist es doch so, dass der Mensch Gott „braucht“. Warum? Weil er nach dem Tod weiter leben möchte (ein schöner Gedanke!) – eine andere plausiblere Erklärung gibt es nicht. D.h. in dem Fall wirken wir irgendwie egoistisch….

Gott braucht uns nicht. Es bestand für ihn keine Notwendigkeit, Menschen zu erschaffen – es war sein freier und freiwilliger Entschluss, kein notwendiger. Warum braucht er uns nicht? Weil er bereits in der Dreieinigkeit seines eigenes Wesens vollkommen erfüllt und zufrieden ist. In dieser ewigen, zeitlosen Liebesbeziehung, in der Gott zu sich selbst steht (also Gott-Vater zu Gott-Sohn zu Gott-Geist), ist bereits komplette Erfüllung, komplette Glückseligkeit. Gott ist also schon im höchsten Maße glücklich.

Vor dem Hintergrund unserer Frage bedeutet das, dass die Schöpfung nicht zum Nutzen bzw. Vorteil Gottes ist. Sondern: Unsere Schöpfung ist zu unserem Vorteil: Wir als endliche Personen bekommen die Möglichkeit, in Beziehung mit dem ewigen Gott treten zu können, ihn persönlich kennen zu lernen. Mit etwas mehr christlichem Vokabular gesprochen, heißt das also: Nicht nur das Angebot der Errettung geschieht aus Gnade – auch unsere Erschaffung ist aus Gnade.

Von daher stimme ich zu: Gott braucht uns nicht. Wir brauchen Gott. Sie sagen nun: Der Mensch erschuf Gott, weil er mit seiner Sterblichkeit nicht klar kommt und nach dem Tod weiter leben möchte. So kann man natürlich argumentieren. Aber hier erklären Sie ja nur, warum Menschen an Gott glauben, wenn es ihn nicht gibt. Sie beantworten aber nicht die – viel wichtigere – Frage, ob es ihn denn gibt.

Sie setzen einfach voraus – obwohl Sie das als Agnostiker gar nicht dürften -, dass Gott nicht existiert. Das ist aber kein wirkliches Argument gegen Gott, sondern nur eine Grund- bzw. Vorannahme, die Sie für sich selbst getroffen haben.

5. Evolution. Also entweder sind wir ein Produkt der Evolution (was wissenschaftlich als bewiesen gilt), dann sind wir eben zufällig entstanden, auch wenn es einen Gott geben sollte, ODER Gott hat uns erschaffen (aber warum hat er damit über 4 Mrd. gewartet??!), dann müsste er auch alles andere erschaffen haben wie Dinosaurier, „Tiefseemonster“, Insekten, Bakterien, etc. was aber irgendwie absurd klingt.

Selbst wenn das mit der Evolutionstheorie stimmt, was sagt das über die Existenz Gottes aus? Die Antwort ist einfach: Gar nichts. Die Evolutionstheorie beschreibt bloß, wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat. Und was sagt das über Gott? Nichts. Es könnte ja sogar einen Gott geben, der einfach zuschaut – wie bei einer Art Experiment. Der sich sagt:

„Lassen wir das Ganze sich mal entwickeln und schauen wir zu.“

Oder es könnte ein Gott sein, der dahinter steht und das Ganze „anschiebt“. Es gibt Christen, die diesen Ansatz durchaus für denkmöglich halten. Einer von Ihnen ist der hochrenommierte Genetiker Francis Collins, ehemaliger Leiter des Humane Genome Projects. (In seinem gar nicht mal teuren Buch „Gott und die Gene: Ein Naturwissenschaftler entschlüsselt die Sprache Gottes“ schreibt Collins hierzu übrigens etwas.) Gott ist also trotz Evolutionstheorie denkbar.

Letztlich aber noch viel wichtiger: Lassen Sie sich bitte nicht in Nebenkriegsschauplätze verzetteln. Fragen zur Erdentwicklung dürfen natürlich gestellt werden, aber an ihren Antworten entscheidet sich rein gar nicht die Stimmigkeit des christlichen Glaubens. Die liegt einzig und allein darin, ob es stimmt, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden  ist oder nicht. Ich habe gute objektive und subjektive Gründe, die mich davon überzeugen, und ich behaupte ganz frech:

Wenn Sie Jesus von ganzem Herzen suchen, wird er sich von Ihnen finden lassen. Das hat er versprochen.

 

Herzliche Grüße und auch Ihnen frohe & gesgnete Ostern!

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