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1.) Gott hat alles Leben erschaffen. Wie kann es dann im AT so sinnlose und absurde Speisegebote (zb.: reines vs. unreines Fleisch) geben und warum gelten sie im Christentum plötzlich nicht mehr? 2.) Warum wird Jesus von seinem eigenen Volk bis heute nicht als der Messias angesehen obwohl er eigentlich lt. Bibel nur wegen ihnen auf die Welt gekommen ist?

Danke für diese beiden guten Fragen. Aber auch, wenn ich sie gut nachvollziehen kann, komme ich bei allem Respekt nicht um eine Bemerkung herum: Es ist natürlich etwas überheblich festzustellen, dass eine Regelung, die uns Westeuropäern des 21. Jahrthunderts als „sinnlos“ und „absurd“ erscheint, deshalb auch zwangsläufig sinnlos und absurd sein muss. Wir sollten uns da keineswegs überschätzen und nicht denken:

Da ich als Teilnehmer der westlichen Gesellschaft im Jahr 2014 mir keinen Reim daraus machen kann, weshalb es vor Tausenden von Jahren in einer bestimmten Kultur gewisse Speisegebote gab, müssen diese Unsinn sein.

Um Regelungen einer uralten Kultur auch heutzutage noch nachvollziehen können, muss man sich logischerweise mit den Kontexten eben dieser Kultur vertraut machen. Tut man dies, kann man beim Thema „Speisegebote“ z.B. auf das Folgende stoßen:

Vor dem Hintergrund der alttestamentlichen Theologie war die Einhaltung der Speisegebote in erster Linie eine Möglichkeit zur Heiligung des Volkes Israel gedacht. Mose und Aaron wurden beauftragt, sie an das ganze Volk Israel weiterzugeben. Ihre Botschaft gipfelt in der zweifachen Aufforderung an das Volk, sich als heilig zu erweisen. Dieser Appell wird u.a. begründet mit der Heiligkeit Gottes selbst. Die Speisegebote sind daher  im Rahmen der Etablierung von Ordnung zu sehen, die Freiheit ermöglicht und sichert.

Die Scheidung von rein und unrein ist vornehmliche Aufgabe der Priester. Diese Ordnung ist Zeichen der Aussonderung Israels aus den Völkern und der Zugehörigkeit zu Gott. Die Speisegebote markieren zwar durch ihre Grenzziehung menschliche und göttliche Sphäre (nur reine Tiere als menschliche Nahrung, Blut und Fett als allein Gott vorbehalten). Andererseits wird durch sie die alltägliche Nahrungsaufnahme zum rituellen Vollzug, deren Ort nicht der Tempel, sondern das Leben ist.

Die Speisegebote ergeben aus Sicht der damaligen Zeit & Kultur also durchaus Sinn. Ich kann es nun sehr gut nachvollziehen, dass sie den für uns heutzutage freilich nicht mehr haben, aber da wir uns in einer ganz anderen Zeit und (vor allem) ganz anderen Kultur befinden, hat unser Empfinden hierzu auch nicht wirklich etwas zu sagen.

Bei Ihrer zweiten Frage übersehen Sie freilich die nicht zu ignorierende Gruppe der „messianischen Juden“, die Jesus sehr wohl als den Messias ansehen. Wenn Sie einmal die Möglichkeit haben, kann ich Ihnen nur einmal das Gespräch mit einem messianischen Juden ans Herz legen, auch in Deutschland finden sich entsprechende Gemeinden.

 

 

 

 

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