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Die Menschen, denen die Bibel als Werkzeug zur Kontrolle dient, haben erkannt, dass Ihnen ein sich opfernder Gott besser nützt als ein strafender Gott. Menschen verlieren irgendwann die Angst sie fangen an mit Ihr zu leben und verdrängen sie und verdrängen auch somit Gott. Diese Leute die die Bibel verfasst haben sind zu der Erkenntnis gekommen das der Glaube an Gott schwindet und haben erkannt was die menschliche psyche benötigt um zu GLAUBEN nämlich *HOFFNUNG*. Wenn Menschen in Not sind haben sie Angst, doch Angst währt nicht immer – nach der Angst kommt die Hoffnung. Die Hoffnung auf eine Rettung aus der Not. Deshalb ersetzt man den strafenden Gott mit einem barmherzigen und sich opfernden Gott. Mal ehrlich wenn Sie glauben müssten an was für einen Gott würden Sie lieber Glauben?

Danke für diesen Einwand, der aber so einige Probleme mit sich bringt. Ein erstes lautet, dass er den historischen Kern des christlichen Glaubens völlig unberücksichtigt lässt. Es ist eine historisch unhaltbare Aussage, dass die Autoren des Neuen Testaments das Bild des „sich opfernden Gottes“ erfunden haben. Jens Schröter, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments sowie die neutestamentlichen Apokryphen an der HU-Berlin, schreibt hierzu:

Historische Jesusforschung kann den christlichen Glauben niemals begründen oder gar seine Richtigkeit beweisen. Sie kann jedoch zeigen, dass dieser Glaube auf dem Wirken und Geschick einer Person [Jesus v. Nazareth] gründet, die sich, wenn auch nicht in jedem Detail, so doch in wichtigen Facetten auch heute noch nachzeichnen lassen. Damit leistet sie für die Verantwortung des christlichen Glaubens in der modernen Welt einen substantiellen Beitrag. (Schröter 2010, Jesus von Nazaret, S. 34).

Schröter gibt damit den aktuellen Stand der historische Jesusforschung wieder: Der christliche Glaube basiert auf der Person Jesus von Nazareth, der von sich in Wort und Tat behauptet hat, der menschgewordene Gott selbst zu sein. Natürlich darf man kritisch und skeptisch sein, was die Richtigkeit dieser Aussage angelangt. Es ist historisch allerdings (selbst bei bibelkritischen Forschern) unbestritten, dass Jesus eine reale Person des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung war, der den Anspruch, selbst Gott zu sein, tatsächlich erhob. Aus den Lebensbeschreibungen Jesu, die in der heutigen Forschung als historisch zuverlässige Quellen gelten, wird deutlich, dass Jesus im Jahr 30 gekreuzigt wurde; das gilt immerhin als eines der bestbezeugten Ereignisse der Antike.

Nur vor dem Hintergrund der Kreuzigung Jesu konnten es die Autoren überhaupt wagen, von einem „sich opfernden Gott“ zu sprechen. Anders ausgedrückt: Der Grund, warum die Autoren der neutestamentlichen Texte von einem „sich opfernden Gott“ sprechen, war mitnichten, dass sie zu der Erkenntnis gekommen waren, der Glaube an Gott schwinde. (Das ist im Übrigen auch eine Behauptung, die  historisch nur schwer zu begründen wäre.) Der Grund, weshalb die Autoren vom „sich opfernden Gott“ schreiben, ist vielmehr der folgende:

Ich habe euch zu allererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und dass er begraben worden und auferstanden ist am dritten Tag nach den Schriften, und dass er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen. Danach ist er mehr als 500 Brüdern auf einmal erschienen, von denen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind. Danach erschien er dem Jakobus, hierauf sämtlichen Aposteln. Zuletzt aber von allen erschien er auch mir, der ich gleichsam eine unzeitige Geburt bin.

Egal, ob man die Richtigkeit dieser Aussage nun annimmt oder sie bezweifelt – fest steht: Die Autoren des Neuen Testaments sind davon überzeugt, dass der gekreuzigte Jesus am dritten Tage nach seiner Kreuzigung wieder auferstanden ist. Das ist der Grund, warum die frühen Christen vom „sich opfernden Gott“ berichten; sie sagen, dass er ihnen im gekreuzigten und auferstandenen Jesus selbst begegnet ist.

Der Einwand hat aber noch ein zweites Problem: Wer das Neuen Testament als „Kontrollwerkzeug von Menschen über Menschen“ bezeichnet, missversteht die Kernaussage der christlichen Botschaft in voller Breite. Denn die lautet ja schließlich, dass der Mensch nichts tun muss, um Gott zu gefallen. Gottes Anerkennung kann man sich nicht verdienen oder erarbeiten – sie ist vielmehr ein freies Geschenk. Gott wurde in Jesus selbst Mensch und hat am Kreuz alles getan, was nötig ist, um zu ihm zu kommen. Mit dem Kreuz hat Gott bereits „Ja“ zu uns gesagt, das Einzige, was wir noch machen brauchen, ist, ebenfalls „Ja“ zu diesem Angebot zu sagen. Mit solch einer Botschaft kann man Leute schlecht kontrollieren.

Nein, mit der christlichen Botschaft kann man Menschen nur dann kontrollieren und einschüchtern, wenn man diese Botschaft missbraucht und für seine eigenen Zwecke instrumentalisiert. Christen können nur dann machthungrig, intolerant und arrogant sein, wenn sie das Herz des Evangeliums nicht verstehen, nämlich dass Gott in Jesus selbst in die Welt kam, um uns zu dienen und für uns zu sterben – nicht, weil wir alle so gut und fehlerlos sind, sondern als ein Geschenk unverdienter Gnade.

Und an welchen Gott ich lieber glauben würde, fragen Sie? Als ich 2009 Christ wurde, war es für mich nebensächlich, ob Gott strafend, barmherzig oder sonst etwas ist – die Frage, die mich zunächst antrieb, war viel grundlegender, nämlich: Ist Gott überhaupt? Existiert er oder existiert er nicht? Bei meiner Suche habe ich es mir nicht leicht gemacht und immer wieder darauf geachtet, meinen gesunden Menschenverstand nicht über Bord zu schmeißen. Letztlich hat mich die Kombination aus guten subjektiven und guten objektiven Gründen davon überzeugt, dass es stimmt.

 

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