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10. Argument: Wie bitte kann es sein, dass ein allwissendes, allmächtiges Wesen es nicht schafft, seine Wunschvorstellung zu verwirklichen? (das alle seine Geschöpfe bei ihm sein können und glücklich werden)

Eine ausgezeichnete Frage, danke. Schauen wir uns dazu doch einmal die Wunschvorstellung Gottes (aus christlicher Sicht) einmal näher an: Christsein meint in erster Linie eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott zu haben. Dass der Mensch sich auf diese Beziehung aus freien Stücken einlässt, die Gott ihm anbietet, ist der größte Wunsch Gottes. Eine echte vertrauensvolle Beziehung kann natürlich nicht durch Druck oder Zwang entstehen. Das käme einer Zwangsehe gleich. Nein, Vertrauen kann man nicht erzwingen, wenn es ehrlich sein soll. Und hier finden wir die Antwort auf die Frage: Gottes Wunsch, dass alle seine Geschöpfe mit ihm in einer vertrauensvollen Beziehung leben, kann nur unter der Bedingung erfüllt werden, dass er niemanden zwingt, diese Beziehung einzugehen. Folglich kann man sich für Gott, aber auch gegen Gott entscheiden.

4 Kommentare

  1. Nepumuck Nepumuck
    23. April 2017    

    Wenn Gott aber der perfekte Beziehungspartner ist (gerad für uns Menschen, die wir ja für die Beziehung mit ihm geschaffen sind), warum sollten sich dann Menschen gegen Gott entscheiden? Mein Kopf sagt mir: Nur wenn sie Gott nicht so richtig kennen (z.B. sich nicht seiner vollen Liebe bewusst sind) entscheiden sie sich gegen ihn.
    Wer entscheidet sich den gegen das perfekte Leben? Niemand.
    Mein Kopf schlussfolgert: Gott ist daran Schuld. Er könnte sich doch jedem Menschen so offenbaren wie derjenige es braucht und zack er würde sich freiwillig für ihn entscheiden. (oder?)
    Mir erscheint das logisch.

    • Stephan Lange Stephan Lange
      23. April 2017    

      Ja, den Ansatz verstehe ich. Meiner Beobachtung nach wollen aber viele das „perfekte Leben“ – d.h. den Sinn des Lebens, für den sie geschaffen worden sind – aus dem Grund nicht haben, weil es sie einiges kostet. Einiges, das offenbar unaufgebbar für sie erscheint: Ich rede von Stolz & dem Wunsch nach Selbstbestimmung.

      Wer z.B. partout sein eigener Herr sein will, für den ist das Christsein alles andere als das perfekte Leben. Für so jemanden wäre der Himmel vielleicht sogar die Hölle.

      Das genannte Szenario – Gott offenbart sich so, wie es der jeweilige Mensch braucht und „zack“ entscheidet sich dieser Mensch für Gott – klappt daher meiner Meinung nicht. Wer, wie gesagt, sein eigener Herr sein will, den würde wohl keine Gottesoffenbarung zum Christen werden lassen. Eben weil Christsein immer dieses demütige Eingeständnis mit sich bringt: „Ich habe in meinem Leben Schuld angehäuft – das gebe ich offen & ehrlich zu und bitte Gott dafür um Vergebung. Von nun an soll er Herr über mein Leben sein.“ Ein Eingeständnis, zu dem ein stolzer Mensch sich wohl nur schwer hinreißen lässt.

      Daher auch meine Beobachtung: Eines der stärksten Dinge, die Menschen von Gott abhält, ist der eigene Stolz. Er ist häufig Schuld an der Misere.

      • Nepumuck Nepumuck
        18. Mai 2017    

        Woran liegt es dann, dass einige Menschen bereit sind den Preis für das perfekte Leben zu zahlen und andere nicht? An guter Erziehung zu einem demütigen Menschen? Es hört sich etwas überheblich an, wenn man sagt: „Ich als Christ war fähig in Demut mir meine Fehler einzugestehen und die Heiden dort sind einfach zu stolz.“ Oder doch an göttlichem Eingreifen, das den Menschen zu dem „demütigen Eingeständnis“ befähigt? „Ist es nicht Gottes Güte die einen zur Buße leitet?“ (Rö.2,4)
        Wenn es also Gottes Güte ist, warum erweist er sie nicht allen Menschen? Ich verstehe nicht ganz den Teil, den der Mensch an der Bekehrung spielt.

        • Stephan Lange Stephan Lange
          29. Mai 2017    

          Natürlich ist Glaube keine Leistung, die man erbringt – so klingt allerdings die Frage („den Preis für das perfekte Leben als Christ zahlen können… Ich als Christ war fähig…“). Dabei wird aber verkannt, dass alles Geschilderte gerade *Reaktionen* auf Gottes Handeln sind, auf die man sich nichts einbilden kann. Gott zeigt sich vertrauenswürdig, daraus erwächst bei uns Vertrauen. Wir sind dazu nicht gezwungen, zugleich ist das Vertrauen aber auch nichts, das wir durch bloße Willenskraft hervorbringen könnten. Es entsteht, wo wir Gott begegnen. Gleiches gilt für die Demut, die eigene Bedürftigkeit einzugestehen – die ist keine *Voraussetzung* für Gottes Gnade, sondern *Folge* der Begegnung mit Jesus (siehe Petrus in Lk 5: *Nachdem* Jesus ein Wunder getan hat, sagt Petrus zu Jesus: Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch). Auch auf diese Erkenntnis kann man sich also nichts „einbilden“, sie ist selbst eine Wirkung von Gottes Gnade.

          Ok – sagen nun manche – also liegt es doch an Gottes Wirken, wer glaubt und wer nicht? Antwort Teil 1: Genau – Gott allein wirkt Glauben, sein Geist schenkt uns erst die Fähigkeit zu glauben. Das heißt aber nicht,

          a) dass sich beim Menschen, der anfängt zu glauben, „gar nichts tut“, und „es kommt einfach über ihn“. Sondern natürlich beginnt sich ein Mensch zu interessieren, macht Erfahrungen beschließt, sich näher darauf einzulassen usw. Er ist also höchst aktiv. Er wird aber, wenn er angefangen hat zu glauben, feststellen: Das war gar nicht ich allein, der sich interessiert hat – sondern Gottes Geist hat in mir gewirkt.

          b) dass Gott einfach willkürlich auswählt und gar bestimmte Menschen von vornherein außen vor lässt. Nein, „Gott will, dass *allen* Menschen geholfen wird“ (1Tim 2,4), und er gab Jesus, weil er die *Welt* so sehr geliebt hat (Joh 3,16), nicht nur einen Teil der Welt. Dazu würde nicht passen, wenn er bestimmte Menschen von vornherein ausschlösse.

          c) dass Gott automatisch alle in den Himmel holt. Das wäre mir selbst zwar am liebsten, aber ich darf es deswegen nicht einfach behaupten – dazu redet Jesus und auch die ganze Bibel zu deutlich von der Möglichkeit, das Wichtigste zu verpassen und am Ende in Ewigkeit ohne Gott zu sein.

          Fazit: Hier bleibt etwas offen. Ich kann nur begründen, was ich alles ausschließe (der Mensch ist allein verantwortlich / Gott schließt bestimmte Menschen aus / alle kommen automatisch in den Himmel). Aber ich kann – noch – nicht zeigen, welche Alternative ich habe. Die präsentiert mir Gott am Ende dann möglicherweise selbst („An jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen“, Joh 16). Bis dahin weiß ich aber genug, um Menschen zum Glauben einzuladen, und das ist meine wichtigste Aufgabe.

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