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Warum ich kein Atheist (mehr) bin – Die Geschichte dreier Männer

 

Ich will Ihnen in diesem Beitrag gar nicht erzählen, warum ich selbst kein Atheist (mehr) bin. Nein, ich möchte Ihnen vielmehr die Geschichte dreier Männer erzählen, die hier weitaus Interessantes erlebt haben als ich. Von diesen drei Männern will ich Ihnen im Folgenden einmal berichten:

Geschichte Nr.1: Antony Flew

Antony Flew war einer von ihnen – aber nicht irgendeiner. Der gebürtige Engländer habilitierte nicht nur in Philosophie, sondern entpuppte sich Mitte des 20. Jahrhunderts über Jahrzehnte lang zu einem der prominentesten & einflussreichsten Atheisten weltweit. Flew gehörte zu den vehementesten Vertreter einer darwinistischen materialistischen Philosophie, die Gottes Existenz ablehnt und ebnete u.a. Leuten wie Richard Dawkins den Weg. In Büchern wie «Gott und Philosophie» und «Die Annahmen des Atheismus» vertrat er die These, man müsse Atheist sein, solange man keine hinreichenden Beweise für die Existenz eines Gottes habe.

Geschichte Nr. 2: Clives Staples Lewis

Als Clives Staples Lewis erst neun Jahre alt war, verstarb seine Mutter an einem Krebsleiden. Der Tod seiner Mutter brachte ihn recht früh im Leben dazu, Gott auszuschließen. Seine Ausbildung in Oxford wurde vom Kriegsdienst im 1. Weltkrieg unterbrochen. Die Greuel, deren Zeugen er wurde, unterstrichen seinen Atheismus nur noch mehr. Er kehrte nach Oxford zurück, um Philosophie und Englische Literatur zu studieren. (Später sollte er an der  University of Cambridge den Lehrstuhl für Englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance inne haben) Wie für Oxford-Studierende üblich, waren sie alles hochkluge Menschen; Lewis beschrieb seine besten Freude sogar als in jeder Beziehung außergewöhnlich – nur viele von ihnen hatten diesen aus seiner Sicht großen Fehler: Sie waren gläubig.

Geschichte Nr. 3: Josh McDowell

Josh McDowell, geboren 1939 in Union City, Michigan, war ein überzeugter Atheist durch und durch. Lange Zeit war er der festen Meinung, Christen seien wandelnde Idioten. Er war einigen von ihnen an der Universität begegnet, an der er Jura studierte, und wartete nur darauf, dass ein Christ im Hörsaal das Wort ergriff, um dem Professor zuvorzukommen und ihn auseinander zunehmen. Er dachte: „Wenn ein Christ auch nur eine Gehirnzelle hätte, müsste sie vor Einsamkeit sterben.“ Der christliche Glaube war für McDowell eine Farce. Etwas für denkfaule Schwächlinge, aber nichts für Intellektuelle.

Warum Glaube Unsinn ist

Antony Flew

Im Jahr 1968 veröffentlichte Antony Flew sein Thesenpapier „Theology and Falsification“, das als eine der am meisten abgedruckten philosophischen Veröffentlichung der letzten Jahrhunderthälfte gilt. Sie beginnt mit Flews berühmter Gärtner-Parabel:

Es waren mal zwei Forscher, die stießen auf eine Lichtung im Dschungel, in der unter vielem Unkraut allerlei Blumen wuchsen. Da sagt der eine: „Ein Gärtner muss dieses Stück Land pflegen.“ Der andere widerspricht: „Es gibt hier keinen Gärtner.“ Sie schlagen daher ihre Zelte auf und stellen eine Wache aus. Kein Gärtner lässt sich jemals blicken. „Vielleicht ist es ein unsichtbarer Gärtner.“ Darauf ziehen sie einen Stacheldrahtzaun, setzen ihn unter Strom und patrouillieren mit Bluthunden. Keine Schreie aber lassen je vermuten, dass ein Eindringling einen Schlag bekommen hätte. Keine Bewegung des Zauns verrät je einen unsichtbaren Kletterer. Die Bluthunde schlagen nie an.

Doch der Gläubige ist immer noch nicht überzeugt: „Aber es gibt doch einen Gärtner, unsichtbar, unkörperlich und unempfindlich gegen elektrische Schläge, einen Gärtner, der nicht gewittert und nicht gehört werden kann, einen Gärtner, der heimlich kommt, um sich um seinen geliebten Garten zu kümmern.“ Schließlich geht dem Skeptiker die Geduld aus: „Was bleibt eigentlich von deiner ursprünglichen Behauptung noch übrig? Wie unterscheidet sich denn das, was du einen unsichtbaren, unkörperlichen, ewig unfassbaren Gärtner nennst, von einem imaginären Gärtner oder von überhaupt keinem Gärtner?“

Flew bringt hiermit einen der größten Einwände gegen Gott auf den Punkt, nämlich: „Solange es keinen hinreichenden Gründe gibt, so jemanden wie Gott anzunehmen, lasse ich es.“ Und dieser Einwand ist ja durchaus berechtigt, den darf man haben – er ist sogar sehr gut nachvollziehbar. Auch ich bin kein Freund davon, irgendetwas grundlos zu glauben. Nein, gerade weil mir mein Leben so kostbar ist, möchte ich es auf etwas aufbauen, von dem ich auch wirklich überzeugt. Ich stimme daher Antony Flew absolut zu: „Von einer Sache überzeugt zu sein, ohne wirklich gute und greifbare Gründe dafür zu haben, das ist – so hart es auch klingt – Selbstbetrug!“

C.S. Lewis

C.S. Lewis‘ Hauptargument gegen den christlichen Glauben war die nicht wegzudiskutierende Existenz von Bösem und Leiden. Er glaubte nicht, dass ein Gott existiert – wie könnte er sonst all das schreckliche Leiden auf der Welt zulassen? Entweder war Gott allmächtig aber nicht gut genug, um dem Bösen und dem Leiden ein Ende zu bereiten – oder er ist gut, aber nicht mächtig genug, um mit dem Leid der Welt fertig zu werden. In beiden Fällen kann es keinen guten und gleichzeitig allmächtigen Gott geben.

In den Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami auf Haiti, der im Januar 2010 über 170.000 Menschen das Leben kostete, waren die Zeitungen voll von Leserbriefen und Artikeln, die fragten: „Wo war Gott hier nur?“ Es gab Stimmen, die sagten: Wenn Gott Gott ist, dann er ist er einfach nicht gut. Und wenn er gut ist, dann ist er einfach nicht Gott. Beides haben kann man nicht. Die Leidfrage ist also überhaupt keine philosophische, sondern eine überaus persönliche Frage. Viele Leuten haben sie sich gestellt, C.S. Lewis war einer von ihnen. Und er kam zu der Antwort, dass es so jemanden wie Gott einfach nicht geben kann.

Josh McDowell

Voller Skepsis stellte Josh McDowell einer christlichen Mitstudierenden folgende Frage: „Sag mal, warum seid ihr so ganz anders als die anderen Studenten? Was hat euer Leben verändert?“ Ohne Zögern oder Verlegenheit gab sie ihm zwei Worte als Antwort: „Jesus Christus“. McDowell erwiderte: „Jesus Christus? Ach, komm mir doch nicht mit diesem Müll. Ich habe die Nase voll von Religion.“ Sofort schoss sie zurück: „Ich habe nicht Religion gesagt, sondern Jesus Christus.“ Damit gab sie ihm etwas zu verstehen, was er vorher nicht gewusst hatte: Das Christentum ist keine Religion. Religion ist der menschliche Versuch, sich durch gute Werke den Weg zu Gott zu bahnen. Christentum hingegen meint: Gott kommt in Jesus Christus zu den Menschen.

McDowell kaufte ihr nichts davon ab. Nicht eine Minute lang. Umso verblüffter war er, als sie ihn vor eine Herausforderung stellte: Sie forderte ihn heraus, gewissenhaft und rigoros intellektuell zu untersuchen, was Jesus Christus von sich behauptet hat – dass er Gottes Sohn ist; dass er in einem menschlichen Körper lebte, dass er für die Sünden der Menschheit starb; dass er begraben und drei Tage später wieder zum Leben erweckt wurde und dass er immer noch lebt und auch heute das Leben eines Menschen verändern kann.

Er hielt diese Herausforderung für einen Witz. Jeder mit auch nur ein bisschen Verstand wusste schließlich, dass dass das Christentum auf einem Mythos beruhte. McDowell dachte: „Nur ein Vollidiot kann an diesen Mythos glauben, dass Jesus Christus von den Toten zurückkam.“ Aber er nahm die Herausforderung an – hauptsächlich aus Gehässigkeit, wie er selbst sagte – um zu beweisen, dass seine Gesprächspartnerin falsch lag. Er war davon überzeugt, dass die christliche Geschichte den Beweisen nicht standhalten konnte.

Warum sich alles änderte

Antony Flew

Als Antony Flew im Dezember 2004 bekannt gab, dass er – der bekannteste und einflussreichste Atheist seiner Zeit – nun doch an einen Gott glaubte, schlug das ein wie eine Bombe. „Ich glaube“, so Flew, „dass die beeindruckendsten Argumente für Gottes Existenz diejenigen sind, die durch die jüngsten wissenschaftlichen Entdeckungen gestützt werden.“ Eine Stellungnahme, die alles andere als erwartbar war. Wenn jemand nicht das geringste Interesse daran hatte, Argumente für die theistische Sicht vorzubringen, dann sicherlich er. Warum dann aber? Die Antwort: Flew war zwar ein höchst verbissener, nie aber ein verschlossener Atheist. Er ließ nie locker und verfolgte die Argumente, wohin sie auch führten – selbst dorthin, wo es unbequem für die eigene Denkweise wurde. Dass es einen Gott gebe, der das Universum erschaffen hat, sei für ihn letztlich eine Frage der empirischen Hinweise, aus denen man philosophische Schlüsse ziehen könne. Zwei Faktoren seien für ihn entscheidend gewesen, mit dem Atheismus zu brechen:

Der eine war mein wachsendes Verständnis für die Ansichten Albert Einsteins und anderer wichtiger Wissenschaftler, dass es eine Intelligenz hinter all der Komplexität des physischen Universums geben müsse. Der zweite Faktor war meine eigene Erkenntnis, dass die Komplexität selbst – die viel komplexer ist als das physische Universum – nur erklärt werden kann, wenn man eine intelligente Quelle annimmt. Auch die DNS zeigt eine nahezu unglaubliche Komplexität. Dahinter kann nur eine Intelligenz stecken.

Die Neubesinnung Flews sorgte für großes Aufsehen in der Fachwelt. In einem seiner letzten schriftlichen Beiträge äußerte sich Flew kritisch zum Buch „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins, seinem einstigen Mitstreiter:

Der Fehler, den Dawkins als Akademiker gemacht hat, war seine skandalöse und offensichtlich absichtliche Weigerung die Lehre darzulegen, die er glaubt unwiderruflich widerlegt zu haben. Wir finden zum Beispiel in seinem Stichwortverzeichnis vier Verweise auf Einstein. Sie kommen im Gewande Einsteins daher und befassen sich damit, was er über Moral, einen persönlichen Gott und die Situation der Menschheit denkt und über seine Ansicht, dass der Mensch für andere Menschen und vor allem für die da ist, von deren Wohlergehen unsere Lebensfreude abhängt.

Aber (und es fällt mir schwer, moderat über diese verdunkelnde Weigerung Dawkins´zu schreiben) er erwähnt Einsteins wichtigste Folgerung überhaupt nicht: nämlich dass die integrale Komplexität der Welt der Physik ihn davon überzeugt hat, dass hinter den Dingen eine göttliche Intelligenz stehen muss. Wenn dieses Argument auf die Welt der Physik angewendet werden kann, finde ich persönlich es offensichtlich, dass es noch viel bedeutsamer sein muss, wenn man es auf die unermesslich kompliziertere Welt der Biologie anwendet.

Flew, der einst sagte, solange man keine hinreichenden Beweise für die Existenz eines Gottes habe, fand das, was er nie für möglich gehalten hatte. Und er änderte seine Meinung radikal, als er mit Gründen für die Gottes Existenz konfrontiert wurde, die selbst ihn aufhorchen ließen und letztendlich sogar überzeugten. Die atheistische Aussage „Es gibt keine hinreichenden Gründe, Gott anzunehmen“ griff für ihn spätestens ab diesem Moment ins Leere – selbst er, einer der schärfsten der Atheisten des 20. Jahrhunderts kam zum Nach- und schließlich sogar zum Umdenken. Flew zeigte sich zudem überaus selbstkritisch: „Da Menschen sicherlich von mir beeinflusst wurden, will ich versuchen, den enormen Schaden, den ich möglicherweise angerichtet habe, zu korrigieren.“ Ich finde, dieses Zugeständnis sollte uns zumindest mal ins Nachgrübeln darüber bringen, ob der Atheismus wirklich Recht hat und ob es nicht doch überzeugende Gründe für die Existenz Gottes gibt.

An dieser Stelle ist nun leider kein Platz, eine ausführliche Erläuterung von Flews Beweggründen zu geben; wer aber Interesse daran hat, die Gründe für Gottes Existenz kennen zulernen, die zumindest den schärfsten Glaubenskritiker seiner Zeit zum Umdenken brachten, investiere doch einfach etwas Geld in sein Buch „There Is a God: How the World’s Most Notorious Atheist Changed His Mind„.

C.S. Lewis

In seinem 1942 veröffentlichten Buch „Pardon, ich bin Christ“ schildert C.S. Lewis, wie er sich als junger Mann wegen des ganzen Leidens auf Welt vom Glauben von Gott verabschiedete – das Leben war einfach zu grausam, als ein allmächtiger und alliebender Gott existieren könnte. Er beschäftigte sich viel mit dieser Frage, ganz im Stile eines hochgelehrten Mannes. Bis Lewis im Laufe der Zeit und des Nachdenkens entdeckte, dass das Leid für jemanden, der nicht an Gott glaubt, ja noch ein viel größeres Problem darstellte – er schreibt:

„Mein Argument gegen die Existenz Gottes lautete, die Welt sei grausam und ungerecht. Woher aber hatte ich meine Vorstellung von gerecht und ungerecht? … Womit verglich ich diese Welt, wenn ich sie ungerecht nannte? … Natürlich hätte ich sagen können, meine Vorstellung von Gerechtigkeit sei lediglich meine eigene, private Idee, aber damit hätte ich sie praktisch aufgegeben.

Dann wäre auch mein Argument gegen Gott in sich zusammengefallen, denn es beruhte ja darauf, dass die Welt tatsächlich ungerecht ist, und nicht nur darauf, dass sie nicht meinen Vorstellungen entspricht. … Damit aber erweist sich der Atheismus als zu einfach.“

Sehen Sie, was Lewis hier erkannt hat? Wir finden es natürlich absolut falsch und in gewisser Weise auch unfair, dass Menschen Leid ertragen müssen. Dass sie ermordet, ausgeschlossen oder unterdrückt werden und verhungern. Aber wenn Gott nicht existiert, dann basiert unser Leben auf dem Prozess der natürlichen Auslese und Evolution – und hier sind solche Dinge wie Tod, Zerstörung, Fressen-und-gefressen-Werden vollkommen natürliche Dinge. All dies sind dann ganz normale Prozesse, die im natürlichen Ablauf der Dinge aber nun mal geschehen. Der Akt, wenn ein Löwe ein Zebra tötet, sollte dann eigentlich genauso natürlich (und deshalb normal und unbedeutend) sein, wie wenn ein Mensch einen anderen Menschen tötet. Aber das ist er nun einmal nicht…

Auf welcher Basis bewertet also jemand, der nicht an Gott glaubt, bestimmte Dinge in der Welt als „tatsächlich ungerecht“ und „tatsächlich grausam“? Wer sagt, dass es Gott nicht gibt, hat zwar eine subjektive, nicht aber eine objektive Grundlage, von der aus er die Ungerechtigkeit der Welt verurteilen kann. Genau das hatte Lewis erkannt, wenn er schreibt, dass sein Argument gegen Gott  ja darauf beruhte, dass die Welt „tatsächlich“, sprich „objektiv ungerecht“ ist. Er weigerte sich zu denken, dass Ungerechtigkeit nur seine subjektive Privatvorstellung war. Denn wäre sie das, hätte etwa derjenige, der Völkermord mit seinem Gewissen irgendwie vereinbaren kann, genauso Recht wie der, der ihn verurteilt. Dieser Gedanke lies Lewis stark an seinem Atheismus zweifeln. Denn er wusste, dass manche Dinge wie Tod und Zerstörung eben nicht subjektiv, sondern „tatsächlich“ bzw. „objektiv falsch“ sind.

Lewis wurde bewusst: Sein Atheismus stand im Konflikt mit seinem Moral- und Gerechtigkeitsempfinden und er daher vor der Wahl, was er von beiden verneinen musste. Die Antwort des Atheismus zur Leidfrage war für ihn letztlich noch unbefriedigender als die des Theismus. Sein atheistisches Weltbild kam dadurch erstmals stark ins Wanken, Zweifel und Unmut machten sich breit. Und es sollte nicht sein einziger Einwand gegen den Atheismus sein, ein weiterer war der folgende:

Nehmen wir an, es gäbe keine Intelligenz hinter dem Universum, keinen kreativen Geist. In diesem Fall hätte niemand mein Gehirn designed, damit ich es benutze, um zu denken. Es wäre dann lediglich so, dass die Atome in meinem Schädel herumfallen, durch physikalische und chemische Kräfte, die sich selbst durch irgendeine Art und Weise rearrangieren, und das gibt mir – als Nebenprodukt – das Gefühl, das wir Gedanken nennen. Aber wenn dem so ist, wie kann ich dann darauf vertrauen, dass mein eigenes Denken richtig ist?

Das ist genauso wie wenn ich eine Kanne Milch aufstelle zum Kochen und dann darauf hoffe, dass sich aus den Spritzern die Stadtkarte von London bildet. Und wenn ich meinen eigenen Gedanken nicht trauen kann, dann kann ich auch nicht den Argumenten trauen, die zum Atheismus führen. Deswegen gibt es keinen einzigen Grund, Atheist zu sein. Wenn ich nicht an Gott glaube, kann ich auch nicht an den Gedanken glauben: So kann ich meinen Gedanken auch nicht benutzen, um nicht an Gott zu glauben.”

Auch hier gibt Lewis ein überaus schlagfertiges Argument – er zeigt auf, dass sich der Atheismus in sich widersprüchlich ist. Denn evolutionstheoretisch wäre es nicht zu erwarten, dass unser menschlicher Verstand in einer Weise arbeitet, die es ermöglicht, (tiefe) Wahrheiten über die Welt herauszufinden. Wie in der Evolution üblich rechtfertigt sich auch der menschliche Verstand nur über die Ermöglichung einer möglichst hohen Reproduktionsrate: Wenn die ‚Fähigkeit‘ zu einem falschen Aberglauben die Zahl der Nachkommen erhöht, wird sie sich durchsetzen – der Wahrheitsgehalt spielt hier allenfalls eine untergeordnete Rolle. Evolutionär gesehen ist unser Verstand also nicht dazu geschaffen, nach Wahrheit zu streben. Lewis liegt also ganz richtig, wenn er daraus schließt: „Und wenn ich meinen eigenen Gedanken nicht trauen kann, dann kann ich auch nicht den Argumenten trauen, die zum Atheismus führen.“   Ich kann diese Gedanken leider nur kurz anreißen und da ich noch von unserem letzten Hauptdarsteller erzählen möchte, an dieser Stelle auch nicht weiter ins Detail gehen. Wer sich aber eingehender mit Lewis‘ Gedanken beschäftigen möchte, dem sei sein oben erwähntes Werk „Pardon, ich bin Christ“ nur wärmstens empfohlen.

Josh McDowell

McDowell nahm die Herausforderung seiner Kommilitonin an und beschloss, bei der Bibel anzufangen. Er wusste: Wenn er unstrittige Beweise dafür finden konnte, dass die Bibel ein unzuverlässiges Dokument ist, würde der gesamte christliche Glaube in sich zusammenbrechen. Er recherchierte monatelang. Er unterbrach sogar eine Weile sein Studium, um in den großen Bibliotheken Europas nachzuforschen. (Manche Menschen haben anscheinend das Geld, sich solche außergewöhnlichen Auslandssemester zu leisten) Und er fand Beweise. Er fand sie im Überfluss. Beweise, der er nicht für möglich gehalten hätte, wenn er sie nicht mit seinen eigenen Augen gesehen hätte, wie er in seinem Buch „Wer ist dieser Mensch?“ schreibt. Schließlich konnte er nur zu einem Ergebnis kommen: Wenn er ganz ehrlich war, musste er zugeben, dass die Dokumente des Alten und Neuen Testaments zu den zuverlässigsten Schriften der ganzen Antike zählten.

Und wenn sie zuverlässig waren, was war dann mit diesem Mann Jesus, den er als einfachen Zimmermann in einer abgelegenen Stadt in einem kleinen besetzen Land abgetan hatte – als Mann, dem seine eigenen großen Visionen zum Verhängnis geworden waren? Auch hier ist es verständlicherweise nicht möglich, alles vorzustellen, was McDowell in seinen monatelangen Recherchen herausgefunden hatte. Von daher nur einmal ein kurzer Einblick in den Kern dessen, wovon er in seinem Buch berichtet. Und da der Grund der christlichen Hoffnung die Auferstehung Jesu ist, möchte ich Ihnen im Folgenden nur mal drei von vielen Argumenten nennen, die McDowell aufführt und die einen hinsichtlich der historischen Integrität der Auferstehungsberichte zumindest mal ins Nachdenken bringen können.

Die Jünger verkündeten den gekreuzigten Jesus als Gott selbst

Das ist ein Fakt, den heutzutage niemand mehr ernsthaft anzweifelt. Es war einfach so: Die ersten Jünger haben den gekreuzigten Jesus als Gott selbst verkündet und verehrt. Aber genau dieser Fakt zieht zahlreiche Probleme mit sich, nur einmal drei davon:

Problem 1: Für Juden waren Gekreuzigte Gottverfluchte

In der Thora, der autoritativen und heiligen Urkunde für jeden Juden (also auch für die Jünger), heißt es: „Denn von Gott verflucht ist derjenige, der ans Holz gehängt wurde, und du sollst dein Land nicht verunreinigen, das der Herr, dein Gott, dir zum Erbe gibt.“ (Deuteronomium 21, 23). Eine harte Aussage, aber für gläubige Juden der damaligen Zeit, die der Thora allerhöchste Autorität zu sprachen, war dies Gottes Wort – sprich: nicht diskutierbar.

Für Juden war Jesus also nicht bloß ein Gekreuzigter, sondern jemand, der durch seine Kreuzigung autoritativ von Gott selbst verflucht wurde. Sein Tod war nach jüdischem Denken nicht nur ein Unfall, sondern wurde vor dem Hintergrund der heiligen Thora von jedem Juden als ein Verdammungsurteil über Jesus verstanden. Er, der von sich behauptet hatte, selbst Gott zu sein, wurde nun durch seinen Kreuzestod entlarvt – sein Tod am Kreuz machte ihn in den Augen aller Juden zum Gottverfluchten – mehr kann der angebliche Messias nicht scheitern, der im jüdischen Denken ja eigentlich die Feinde Israels besiegen sollte.

Wir fragen also:

Wie kamen die Jünger überhaupt darauf, dass jemand der Messias ist, der wegen seiner Todesart doch ein von Gott persönlich Verfluchter war? Und die Hauptfrage lautet: Wie konnten ein paar theologisch ungeschulte Juden so viele ihrer Zeitgenossen dazu bringen, dass „heilige Thora-Urteil“ über Jesus als falsch anzusehen?

Problem 2: Eine „Einzel-Auferstehung“ war für Juden undenkbar

Für Juden war die leibliche Auferstehung eines Einzelnen undenkbar. Juden zur Zeit Jesu glaubten, dass es zu einer leiblichen Auferstehung aller Gerechten am Ende aller Tage kommen würde. Aber: Dass mitten in der Menschheitsgeschichte, während also die Welt unter der Last von Krankheit, Leiden und Tod leidet, ein einzelner Mensch aufersteht – das war aus jüdischer Sicht ein Ding der Unmöglichkeit.

Viele Skeptiker haben die Erscheinungen des auferstandenen Jesus vor seinen Jüngern als Halluzinationen zu erklären versucht. Der Gedanke: Die Jünger haben sich bloß eingebildet, dass Jesus plötzlich wieder da war und mit ihnen sprach. Doch diese These geht ja davon aus, dass die Jünger sich einen auferstandenen Jesus eben gut vorstellen konnten. Aber eine leibliche Auferstehung eines Einzelnen mitten im Verlauf der Weltgeschichte war im jüdischen Weltbild wie gesagt einfach unvorstellbar. So ein Gedanke knüpfte an nichts im jüdischen Glauben an – im Gegenteil sogar.

Wir fragen also:

Wie kamen die Jünger überhaupt darauf, die leibliche Auferstehung eines Einzelnen inmitten der Weltgeschichte zu verkünden, wobei so etwas im jüdischen Denken undenkbar war? Und auch hier wieder die Hauptfrage: Wie konnten ein paar einfache Juden so viele ihrer Zeitgenossen davon überzeugen, dass es doch eine „Einzel-Auferstehung“ inmitten der Weltgeschichte gegeben hat?

Problem 3: Juden glaubten, dass die Strafe Gottes für Blasphemie die Hölle war

Wenn Juden eines sicher kannten, dann die ‚Zehn Gebote‘ – und hiervon besagt kein geringeres als das erste Gebot: „Du sollst keinen anderen Götter neben mir haben.“ Einen Menschen als Gott zu verehren und sogar auch noch zu verkündigen war schlicht und ergreifend Gotteslästerung. Man wusste: Nichts zog Gottes Zorn mehr auf sich als Blasphemie. Die Strafe hierfür war damit klar: die Hölle. Die Jünger wussten also: Wenn es eine Lüge wäre, dass Jesus selbst Gott ist, würden sie wegen ihrer Blasphemie in der Hölle landen.

Wir fragen also:

Wenn Jesus gar nicht auferstanden war, die Jünger das wussten, Jesus aber trotzdem als Gott verehrten und verkündigten, wussten sie, dass sie wegen dieser krassen Gotteslästerung unweigerlich Gottes heiligen Zorn auf sich ziehen und nach dem Tod in die Hölle kommen werden. Warum sollten sie das tun?

Und wir fragen wieder weiter:

Warum fingen Juden, die zuvor wenig bis gar nichts mit Jesus zu tun hatten, plötzlich an, diesen als Gott zu verehren und zu verkünden – und auch sie wussten ja sowohl, dass es Blasphemie ist, einen Menschen als Gott zu verehren, als auch dass sie deswegen in der Hölle landen werden.

Das war wie gesagt nur drei von vielen Gründen, die McDowell bei seiner intensiven Recherche entdeckt hatte. Keine Beweise, doch aber Denkhilfen, die helfen können, die Auferstehung historisch ernst(er) zu nehmen. Aber Gründe bringen ja noch keine Glauben – das wäre auch unerwünscht. Sie können aber durchaus helfen, sich zumindest mal probeweise zu öffnen und testweise die Frage zu stellen: „Was wäre, wenn es wirklich gute Gründe für den christlichen Glauben gibt? Könnte dort vielleicht doch etwas passiert sein, was meinen derzeitigen Denkhorizont übersteigt?“ Und wenn Sie meinen, dass McDowell sofort auf den christlichen Zug aufsprang, nachdem er die Beweise überprüft hatte, irren Sie sich. Er schreibt selbst, dass es ihm trotz der überzeugenden Beweislage widerstrebte, einen nötigen Schritt des Vertrauens zu tun. Er nennt zwei Gründe dafür, Vergnügen und Stolz – und schreibt:

Ich dachte, Christ zu werden bedeutete, das gute Leben und die Kontrolle über mein Leben aufzugeben. Ich konnte spüren, wie Jesus vor der Tür meines Herzens stand und mich bat: „Schau mal, ich stehe vor deiner Tür und klopfe unaufhörlich an. Wenn du mich rufen hörst und mir die Tür öffnest, komme ich herein.“ Doch ich hielt diese Tür verschlossen. Ich wollte nicht, dass mir ein Spielverderber den ganzen Spaß ruinierte. …

Mein Verstand sagte mir, dass das Christentum wahr ist, doch mein Wille widerstrebte dem mit ganzer Kraft. Und dann war da noch mein Stolz. Damals war der Gedanke, Christ zu werden, vernichtend für mein Ego. Ich hatte gerade bewiesen, dass ich Unrecht und meine Freunde Recht gehabt hatten. Jedes Mal, wenn ich mit diesen begeisterten Christen zusammen war, kochte mein innerer Kampf wieder hoch. …

Ich war schon immer offen, doch nicht so offen, dass ich nicht ganz dicht war. Wie G.K. Chesterton sagt: „Man sollte sein Denken – ebenso wie den Mund – hauptsächlich zu dem Zweck öffnen, um es anschließend mit etwas Handfesten darin zu schließen.“ Ich öffnete mein Denken und schloss es endlich mit der handfestesten Realität darin, die ich je erlebt hatte.“

Drei Menschen, die sich nicht abschütteln ließen

Das waren nun drei ganz unterschiedliche Geschichten. Ich habe Ihnen drei Menschen vorgestellt, die den Glauben an Gott aufgrund von unterschiedlichen Gründen zunächst ablehnten. Drei Menschen, die nicht nur gemeinsam hatten, dass sie einst alles überzeugte Atheisten waren, sondern auch das Folgende: Sie alle haben sich bei der wohl wichtigsten Frage, die wir uns je stellen können, nämlich „Stimmt das mit Gott wirklich?“, nicht abschütteln lassen. Und auch ganz wichtig: Bei all ihren Recherchen und ihrem Suchen haben sie ihren gesunden Menschenverstand niemals über Bord geschmissen, ganz im Gegenteil sogar. Ich kann Sie daher nur motivieren, sich bei dieser Frage nicht entmutigen lassen, auch wenn sie gewiss nicht leicht ist. Der Schriftsteller Martin Schleske schreibt:

Das Leben ist kein Weg im Flachland, wo die Dinge schnell wachsen und einfach zu finden sind, sondern es geht durch die Brüche, Widrigkeiten und Unwegsamkeiten hindurch. Eines ist allen Wegen der Gottessuche gleich: Ein leidenschaftloser Geist ist der gefährlichste Feind des Glaubens.

Ich kann Ihnen daher empfehlen: Bleiben Sie am Ball – lassen Sie sich nicht mit halbgaren oder gar keinen Antworten abspeisen. Dafür sollte Ihnen Ihr eigenes Leben auch viel zu kostbar und diese Frage viel zu relevant sein. Und es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie bei allem skeptisch sind. Aber Skepsis ist erlaubt und erwünscht. Es gibt ja sehr viele kritische Fragen, die man an den christlichen Glauben stellen kann. Und ich bin davon überzeugt, dass es auf skeptische Fragen auch gute Antworten gibt, dass Glaube Sinn ergeben kann – nicht beweisbar, aber doch gut begründbar ist. Antony Flew, C.S. Lewis und Josh McDowell sind nur einige der lebenden Beweise dafür.

4 Kommentare

  1. André André
    25. November 2014    

    Hervorragend!! 3 tolle Beispiele!
    Auch ich (46) war bis zu meinem 22. Lebensjahr Atheist aber dennoch erkenntnisoffen. Das Beispiel der Wandlung Antony Flews fand ich ebenfalls sehr bemerkenswert. Über oben angeführte Argumentationslinien bin auch ich zu der Überzeugung gekommen, dass es einen Schöpfer geben muss, der an uns interessiert ist: die grandiose Komplexität des Universums („fine tuning“) und des Lebens sowie die Notwendigkeit einer höherstehenden moralischen Instanz als Ursache unseres Gewissens und als einzige objektive Basis für Moral und Ethik.
    Zu einigen wenigen Punkten hätte ich aber dennoch die eine oder andere Frage, wenn Sie mir diese gestatten:
    Inwiefern kann man sagen, dass die ersten Christen Jesus als Gott selbst verehrten, wenn doch meiner Meinung nach weder er noch Paulus noch die Evangelisten diese Lehre so recht stützen (Mat 24:36,39; Mar 10:18; Lu 18:19; Joh 7:17+14:28; Apg 3:13+4:30; 1. Kor 11:3+15:24,28)?
    Wieso kann man sagen, dass die Juden nicht an eine Einzelauferstehung glaubten, wenn doch selbst in der Thora von 3 Einzelauferstehungen berichtet wird (1. Kö 17:17-24; 2. Kö 4:32-37+13:20,21) und sie insbesondere eine Auferstehung kurz nach dem Tod des Messias prophezeit (Ps 16:10 – Apg 13:35)? Interessant ist iun diesem Zusammenhang, dass sogar der jüdische Gelehrte Pinchas Lapide, obwohl er als gläubiger Jude Jesus nicht für den Messias hält, von dessen Auferstehung überzeugt ist, da die Thora so etwas nicht ausschließt und der spektakuläre Aufstieg des Christentums sonst nicht zu erklären wäre.
    Inwiefern kann man außerdem sagen, dass die Juden um Christus an eine Hölle glaubten, wenn doch die Thora eine unsterbliche Seele, ohne die niemand nach dem Tod ewig gequält werden kann, gar nicht lehrt (Pred 9:5,10; Hes 18:4,20)?
    Gern würde ich Ihre Ansicht dazu erfahren. Vielen Dank!

    LG
    André

    • Stephan Lange Stephan Lange
      25. November 2014    

      Lieber André,
      danke für Ihren Beitrag, Das freut mich, wenn Sie sich hier wiederfinden können – herzlichen Glückwunsch 🙂 Zu Ihren Fragen: Da geben Sie nun ja recht viele Bibelstellen an, streng genommen wäre fast jede davon ein eigenes Thema wert. Vielleicht greifen Sie, gerne auch als Blogfrage, einmal die näher auf, die Ihnen am meisten „Bauchschmerzen“ bereiten?

      Zu Ihrer zweiten Frage: Mit dieser Art von Auferstehungen, auf die Sie verweisen, hatten Juden freilich keine Probleme. Die Qualität war – ganz salopp gesagt – einfach auch eine ganz andere als die von Jesus. Die Auferstehung Jesu war endgültig und läutete ein neues Zeitalter ein: das Reich Gottes brach an. Das können die Auferstehungen im AT nicht von sich behaupten, hier starben die Auferstandenen ja sogar eines Tages sogar wieder – bei der Auferstehung Jesu kann davon keine Rede sein.

      Und zu Ihrer dritten Frage: Ein Leben nach dem Tod, das getrennt von Gott ist, war dem jüdischen Denken keineswegs fremd. Für konkrete Infos zum jüdischen Glauben würde ich allerdings direkt einen jüdischen Autoren empfehlen, also sich Informationen aus erster Hand holen (z.B. von http://www.de.chabad.org/library/article_cdo/aid/1089686/jewish/Leben-nach-dem-Tod.htm)

      Herzliche Grüße
      Stephan Lange

  2. André Künzel André Künzel
    26. November 2014    

    Hallo Stephan,
    nur kurz, da hier offensichtlich kein Raum für einen Disput ist (ich lade Sie aber gern privat per Email dazu ein):
    Es sind, ganz im Gegenteil, sehr wenige Textstellen, die ich ausgewählt habe – tatsächlich gibt es weit über einhundert biblische Aussagen, die klar zeigen, das Jesus Gottes Sohn aber nicht Gott selbst ist und von den Christen des 1. Jahrhunderts auch nicht als solcher angesehen wurde. Das schmälert jedoch nicht die Beweiskraft für die Tatsache seiner Auferstehung.
    Selbstverständlich hatte Jesu Auferstehung eine ungleich höhere Qualität als die drei in der Thora erwähnten aber das war nicht Gegenstand und Sinn Ihrer Argumentation.
    Und definitiv gab es unter den vielen jüdischen Sekten des 1. Jahrhunderts ( insbesondere unter den von griechischer Philosophie stark beeinflussten Diaspora-Juden) etliche, die an eine unsterbliche Seele glaubten aber in Ihrer Argumentation ging es um die Lehre der Thora und um rechtgläubige Juden, die Jesus stets aus der Thora lehrte (Mat 5:17,18). Keiner von ihnen glaubte, für irgendetwas in eine Hölle zu kommen.
    Meine Fragen waren keine „Bauchschmerzen“ 🙂 sondern einfach nett gemeinte Anstöße gemäß dem Motto Ihrer Seite.

    Alles Gute und vielen Dank für Ihre Seite
    André

    • Stephan Lange Stephan Lange
      26. November 2014    

      Lieber André,

      danke für die Rückmeldung. Raum ist immer da, aber solch eine schmale Kategorie wie das Kommentarfeld eignet sich eben nicht wirklich für einen längeren Dialog. Also gerne per Mail, aber natürlich gerne auch als allgemeine Blogfrage, so hätten auch andere etwas davon.

      Aber die Göttlichkeit Jesu als der wahre Gott (und nicht ein Gott) ist freilich in der Bibel nachzulesen. Selbst in der Neue-Welt-Übersetzung (der Zeugen-Jehovas-Übersetzung) lesen wir z.B.:

      „Denn ein Kind ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns gegeben worden; und die fürstliche Herrschaft wird auf seiner Schulter sein. Und sein Name wird genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Fürst des Friedens.“ (Jes. 9,6)

      Oder ein Beispiel aus dem Neuen Testament:

      „Deswegen suchten die Juden tatsächlich um so mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern Gott auch seinen eigenen Vater nannte, wodurch er sich Gott gleichmachte.“ (Joh. 5,18)

      Gerade letztere Passage ist ja sehr spannend: Denn mit dem Verweis darauf, dass er Gottes Sohn ist, unterscheidet Jesus ja gerade nicht zwischen Gott und ihm, sondern weist auf die Wesensgleichheit hin. Das fordert uns heute als westeuropäische Leser des 21. Jahrhunderts natürlich heraus. Vater und Sohn sind gleich? Wie soll das funktionieren? Aber wir müssen ja, um einen Satz wie „Jesus sagt von sich, er sei Gottes Sohn“ richtig verstehen zu können, die Aussage mit der jüdischen Brille des 1. Jahrhunderts lesen, um sie korrekt zu deuten.

      Die gerade genannte Bibelstelle hilft da sogar etwas, wenn dort eben steht:

      „sondern Gott auch seinen eigenen Vater nannte, wodurch er sich Gott gleichmachte.“

      Herzliche Grüße
      Stephan Lange

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