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Wie ist ein alliebender Gott mit der Hölle vereinbar?

Danke für diese nachvollziehbare Frage. Ich denke, wir sollten zunächst definieren, was Christen unter „der Hölle“ verstehen. Im Kern ist die Hölle im christlichen Verständnis ein Ort, an dem Gott nicht ist – und damit auch keine Liebe, keine Hoffnung, keine Gerechtigkeit etc.

Wie ist dieser Ort nun mit einem alliebenden Gott vereinbar. Die Antwort ist einfach: gar nicht. Das Problem ist nur, dass Gott noch viel mehr als „nur“ alliebend ist. Gott ist per Definition das größte vorstellbare Wesen – in jeder Hinsicht natürlich. Das heißt: Gott ist nicht nur die maximale Liebe, sondern z.B. auch die maximale Gerechtigkeit.

Wenn wir dies bedenken, können wir uns nun auch folgende Frage stellen. Nämlich nicht nur: „Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken?“, sondern auch:

Wie kann ein vollkommen gerechter Gott Menschen in den Himmel lassen?

Sie sehen Gottes „Dilemma“ gewiss. Seine Gerechtigkeit erlaubt es (selbst und gerade) Gott nicht, Menschen in den Himmel „durchzuwinken“.

Christen sagen aber: Gott hat dieses Dilemma gelöst, indem er selbst in Jesus Mensch wurde und am Kreuz für uns starb, damit unsere Sünden auf ihm liegen und wir frei von Verfehlungen sind. Das Kreuz ist somit der Ort, an dem sich Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit treffen. Und wer dieses Angebot der Vergebung und Gnade annehmen möchte, der ist herzlich eingeladen, dies zu tun.

 

 

2 Kommentare

  1. Tim Tim
    14. September 2016    

    Diese „Antwort“ wirft nur bei mir nur noch mehr Fragen auf.
    Kommen jetzt nur Christen in den „Himmel“ (den sie verschönigend als Ort ohne Gott darstellen)?
    Nur Christen aus Überzeugung? Ungetaufte Babys von christlichen Eltern auch schon?…
    Was ist mit den Juden passiert, die vor Christi Geburt lebten? Die haben zwar zum richtigen (unveränderlichen,perfektem ) Gott gebetet, aber waren noch „voller Verfehlungen“?

    Warum muss das größte vorstellbare Wesen nach Tausenden von Jahren seine eigenen Regeln ändern und sich am Kreuz sich selbst opfern um als Schlupfloch für diese -seine eigenen (unveränderlichen, perfekten) – Regeln zu dienen?

    etc..pp

    • Stephan Lange Stephan Lange
      14. September 2016    

      Lieber Tim,

      danke für Ihren guten Kommentar. Ja, christlicher Glaube ist in der Tat „frag-würdig“, meistens schließt sich nach einem Denkvorschlag gleich die nächste Frage an.

      Wohlmöglich habe ich es im Beitrag auch etwas schief ausgedrückt, daher erst einmal: Christen glauben nicht einfach an ein Leben nach dem Tod. Wenn sie vom Himmel als einem Ziel sprachen, das nach dem Tod auf einen wartet, sahen sie dieses himmlische Leben als eine zeitlich begrenzte Situation an, hin auf dem Weg zur letztendlichen Auferstehung des Körpers auf einer neuen Erde (vgl. Off 21). Der britische Neutestamentler N.T. Wright attestiert den frühen Christen daher vollkommen korrekt einen „zweistufigen Zukunftsglauben“.

      Aber nun zu Ihrer Frage: Kommen nur Christen in den „Himmel“? Nach christlichem Verständnis kann und muss man sich das „errettende Ticket“ nicht verdienen oder erarbeiten – und das aus gutem Grund: Weil Gott vollkommen heilig und vollkommen gerecht ist und der Mensch diese hohen Maßstäbe nicht erfüllen kann, sagt Gott, nach christl. Verständnis: „ICH übernehme die Konsequenzen, die eigentlich du für dein unheiliges und ungerechtes Verhalten hättest tragen müssen.“ Dieses Angebot macht Gott, in dem er am Kreuz für uns stirbt. Wie im Beitrag geschrieben: „Das Kreuz ist somit der Ort, an dem sich Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit treffen.“

      Gerettet sind im christl. Verständnis daher all diejenigen, die dieses Angebot der Gnade und Errettung ernsthaft für sich in Anspruch genommen haben. Es geht also nicht darum, auf dem Papier Christ zu sein oder dergleichen, die ernsthafte Annahme des göttlichen Gnaden-Angebots genügt. Wie man die Menschen nennt, die das genannt haben, ist im Grunde gleichgültig, das Label spielt ja keine Rolle.

      „Was ist mit den Juden passiert, die vor Christi Geburt lebten?“ In Wahrheit ist die Lage ja noch dramatischer! Vor der Geburt Jesu haben schließlich nicht nur Juden gelebt, sondern auch noch jede Menge anderer Völker. Daher die richtige Frage: Was ist mit denen? Christen sagen, dass Jesus diese Leute über sein Angebot – salopp gesagt – informiert hat und zwar zwischen den Tagen seiner Kreuzigung und Auferstehung. Bei Bedarf kann ich das aber noch etwas genauer schildern. Es bleibt aber: Alle Leute vor Jesus haben die Chance von Gott/Jesus erhalten, errettet zu werden.

      Zur letzten Frage, der Frage der „Regeländerung“: Eine solche kann ich nicht erkennen – bevor ich nun aber spekuliere, was Sie genau meinen, wäre es hilfreich, wenn Sie kurz sagen könnten, was Sie genau im Sinn haben.

      Herzlichen Gruß
      Stephan Lange

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